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Was bedeutet Glück – acht Jahre später?
Bevor das Gespräch losging, hörte Daniel nochmal in das erste Interview von 2018 rein. Seine damalige Antwort auf die Glücksfrage überraschte ihn selbst.
„Als ich es dann gehört habe, habe ich festgestellt, dass sich eigentlich so gut wie gar nichts geändert hat. Für mich ist Glück, morgens mit einem Lächeln aufzustehen und auch mit einem Lächeln einzuschlafen.”
Viel verändert habe sich trotzdem. Früher standen für ihn vor allem Familie, Freunde und persönliche Ziele im Mittelpunkt. Heute kommt noch etwas dazu:
„Heute würde ich noch Gesundheit hinzufügen – das ist ein ganz, ganz wichtiger Punkt.”
Shownotes Daniel Schöberl
- Zum Blog Rucksackträger
- Zur Agentur plusonelike
- Das erste Interview mit Daniel aus dem Finanzrocker-Mixtape (2016)
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Der Schritt in die Selbstständigkeit
2016 kündigte Daniel seinen Job in einer Marketingagentur im Schwarzwald. Das war kein spontaner Befreiungsschlag, sondern eher ein kontrollierter Absprung.
Er hatte dort den Social-Media-Bereich aufgebaut, war viel unterwegs und fühlte sich eigentlich wohl. Trotzdem wollte er ausprobieren, wie sich ein anderes Leben anfühlt.
„Ich stand dann eben vor dem Schritt, das Ganze aufzugeben und meinen eigenen Weg zu gehen. Wohnung aufgeben, Freundeskreis hinter mir lassen, Arbeitskollegen hinter mir lassen, keine Kunden – alles von Null beginnen, ohne zu wissen, wie das läuft.”
Ganz ohne Sicherheitsnetz war der Schritt allerdings nicht. Daniel reduzierte zunächst seine Arbeitszeit auf 70 Prozent, sparte Geld an und bereitete die Selbstständigkeit nebenbei vor.
„Ich habe mir 5.000 Euro angespart – so viel, dass ich fünf, sechs Monate in Südostasien über die Runden komme. Im schlimmsten Fall steige ich in den Flieger, komme zurück und bewerbe mich wieder.”
Er nennt das heute selbst einen „Absprung mit Airbag”. Und dass er das Sportmanagement-Studium nie ganz mit seiner Arbeit verbinden konnte, nimmt er sportlich: Verbände seien oft zu starr, der Aufbau von Kundenbeziehungen aus dem Ausland zu schwierig gewesen. Stattdessen sind es Kunden aus der Hotellerie und dem Hausbau, mit denen er teilweise seit fast zehn Jahren zusammenarbeitet.
„Ein Selbstständiger, der fast angestellt ist – so auf die Art. Aber trotzdem frei.”

Vier Jahre unterwegs – und irgendwann kam die Routine
Thailand, Bali, Marokko: Vier Jahre lang arbeitete Daniel ortsunabhängig. Alles, was er besaß, passte in einen 40-Liter-Handgepäcksrucksack.
„Ich habe gelernt, dass man zum Glücklichsein nicht viel braucht.”
Noch wichtiger war aber etwas anderes:
„Ich habe für mich gelernt, dass ich auch mit mir selber gut klarkomme.”
Die ersten Jahre hätten ihn ruhiger gemacht. Entspannter auch. Trotzdem kippte irgendwann etwas.
Der Moment kam in Chiang Mai. Zwei Freunde besuchten ihn dort, einer davon zum ersten Mal länger auf Reisen.
„Der eine hat so in diesen digitalen Nomaden-Hype reingeschnuppert und alles aufgesaugt. Tuk-Tuks waren ein Highlight.”
Und plötzlich merkte Daniel, dass ihm genau dieses Gefühl verloren gegangen war.
„Ich wusste das Ganze nicht mehr zu schätzen. Alles war völlige Routine.”
Viele würden heute wahrscheinlich denken: wegen Corona. Aber die Entscheidung zurückzugehen war da längst gefallen.
„Für mich war Corona nicht der Grund zurückzugehen – das war vorher entschieden.”
Was ihm wirklich gefehlt hat
Über Einsamkeit werde in der Nomaden-Szene oft zu wenig gesprochen, sagt Daniel heute.
„Als digitaler Nomade geht es immer um die gleichen Themen: Wo reist du hin, welches Projekt machst du, wie verdienst du dein Geld? Das hat mich irgendwann müde gemacht.”
Was ihm fehlte, waren plötzlich ganz normale Dinge. Fußballabende mit alten Freunden. Geburtstage zuhause. Menschen, die ihn schon kannten, bevor er unterwegs war.
„Mein Freundeskreis – den kenne ich von ganz früher, vom Fußball und Handball.”
Und dann sagt er einen Satz, der wahrscheinlich mehr über Heimat erzählt als jede große Definition:
„Endlich wieder Gastgeber sein, wenn ich Geburtstag habe.”
Zurück in der Rhön – und plötzlich Balkongärtner
Die Rückkehr fühlte sich für Daniel nicht wie ein Rückschritt an. Eher wie ein neues Kapitel.
Während viele vermutlich gedacht hätten, dass ihm nach vier Jahren Weltreise zuhause schnell langweilig wird, passierte eher das Gegenteil.
„Ich war dabei, mir die Wohnung einzurichten, hatte mit dem Balkongärtnern angefangen. Für mich war das tatsächlich ein anderes großes Abenteuer – wieder anzukommen.”
Heute lebt Daniel einen Teil der Zeit in der Rhön und den anderen in Tirol bei seiner Freundin, die ebenfalls lange als digitale Nomadin unterwegs war. Kennengelernt haben sich beide beim Skifahren.
„Jetzt bin ich halb digitaler Nomade – aber mit zwei Wohnsitzen. Und das fühlt sich sehr, sehr gut an.”

Vom Reiseblog zum Outdoor-Blog
Sein Blog „Rucksackträger” begann 2008 als digitales Reisetagebuch für Freunde und Familie. Später wurde daraus ein klassischer Reiseblog. Irgendwann merkte Daniel aber, dass ihm das nicht mehr richtig passte.
„Mir wurde irgendwann der Begriff Reiseblogger ein bisschen müde.”
Statt Städtereisen und klassischen Tipps rückten Berge, Skitouren, Gravelbike-Touren und Outdoor-Themen immer stärker in den Mittelpunkt. Die Entscheidung hatte Folgen: weniger Reichweite, kleinere Zielgruppe.
„Ich habe dadurch auf Zugriffe verzichtet. Aber ich bin super fein damit.”
Der Blog ist für ihn bis heute vor allem eines geblieben: ein Handwerk.
„Wenn ich einen Beitrag schreibe, die Fotos editiere – das macht mir einfach Spaß.”
Finanziell rechne sich das oft kaum – das sagt er genauso offen.
„Wenn man umrechnen würde, was beim Bloggen als Stundenlohn rauskommt – das ist verheerend.”
KI verändert gerade alles
Beim Thema künstliche Intelligenz wird Daniel konkret. Die Impressionen steigen, die Klicks brechen ein.
„Die Leute fragen überwiegend die KI statt sich einzulesen. Die Klicks gehen so stark nach unten, dass es keinen Sinn mehr macht, einen Blog nach den alten Strukturen aufzubauen.”
Trotzdem glaubt er nicht, dass Persönlichkeit im Netz verschwindet.
„Es gibt immer noch die Leute, die echte Eindrücke und Emotionen wollen.”
In seiner eigenen Arbeit nutzt er KI als Mithelfer – aber sein Notizbuch kommt immer zuerst. Beim eigenen Blog zieht er eine klare Linie:
„Bloggen ist für mich Handwerk. Da bin ich zu stolz, das der KI zu überlassen.”
Zehn Jahre Selbstständigkeit – und keine Reue
Wenn Daniel heute auf die Entscheidung von damals zurückblickt, fällt die Antwort eindeutig aus.
„Absolut, hundertprozentig.”
Natürlich gebe es Zweifel. Gedanken über Sicherheit, Altersvorsorge, langfristige Planung. Bereut habe er den Schritt trotzdem nie.
„Diese freie Zeiteinteilung – die will ich nicht aufgeben.”
Auch wenn das manchmal bedeutet, abends noch bis 23 Uhr am Laptop zu sitzen.
Was geblieben ist
Die vier Jahre als digitaler Nomade möchte Daniel nicht missen. Genauso wenig wie das Leben heute. Vielleicht ist genau das die größte Veränderung: dass er nicht mehr ständig das Nächste sucht.
Die Berge in Tirol. Die Rhön. Alte Freundschaften. Zwei Wohnsitze statt Dauerreisen. Das reicht ihm gerade völlig.
„Die vier Jahre als digitaler Nomade – die will ich nicht missen. Das war eine super Zeit. Aber genauso ist es jetzt, seitdem ich sesshafter bin.”

Wordshuffle: Daniel Schöberl in Schlagworten
Rucksack
„Immer noch mein Hauptbegleiter. Mittlerweile habe ich sechs – fürs Trailrunning, zum Arbeiten, als Tagesrucksack oder Mehrtagesrucksack. Hat immer noch einen coolen Faktor.”
Heimat
„Extrem wichtig. Mein Freundeskreis ist seit immer da, die Rhön ist wunderschön. Direkt nach der Nomadenzeit bin ich zurück – und das war sehr schön.”
Veränderung
„Man muss immer mal überlegen: Macht mich das, was ich tue, wirklich glücklich? Vielleicht können manche noch glücklicher sein, indem sie einfach mal etwas am Lebensstil ändern.”
Künstliche Intelligenz
„Fluch und Segen. Aber immer noch mehr Segen, wenn man sich damit beschäftigt und weiß, wo die Grenze ist.”
Liebstes Reiseerlebnis
„Sofort: thailändisches Essen. Und surfen. Auf einer Welle – das hat mir immer am meisten Spaß gemacht.”
Natur
„Laptop zuklappen und durch die Natur steigen. Die Berge mehr als das Meer – da fühle ich mich am meisten zuhause.
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