Nick Martin: „Die geilste Lücke im Lebenslauf” – Wie ein One-Way-Ticket nach Mexiko ein Leben veränderte

Nick Martin Die geilste Lücke im Lebenslauf

Folge: 10

Mit 9.200 Euro auf dem Konto, einem One-Way-Ticket nach Mexiko und keinem Rückflug im Gepäck verließ Nick Martin 2010 seinen sicheren IT-Job in Würzburg. Was folgte, waren über zehn Jahre Weltreise, sieben Länder als Wohnsitz, eine Bühnenshow, zwei Bücher und eine Erkenntnis, die er heute auf Bühnen in ganz Europa weitergibt: Das Leben findet außerhalb der Komfortzone statt – und die beste Lücke im Lebenslauf ist die, die man bewusst gewählt hat.

Inhalt

Podcast auf allen Plattformen

Hier findest du “Mehr Mut zum Glück” auf allen Plattformen zum Download

Wer ist Nick Martin?

Nick Martin ist Abenteurer, Autor, Inspirational Speaker und Gründer der Travel University. Er wurde 1986 in Würzburg geboren, arbeitete nach seinem Studium als IT-Systemkaufmann und kündigte 2010 seinen Job, um mit einem One-Way-Ticket nach Mexiko auf Weltreise zu gehen. Über ein Jahrzehnt bereiste er mehr als 70 Länder, lebte in sieben davon und sammelte Geschichten, die er zunächst auf Bühnen erzählte und später in zwei Bücher verwandelte. Sein erstes Buch „Die geilste Lücke im Lebenslauf – 7 Jahre Weltreisen” erschien beim Conbook Verlag, gemeinsam mit der Berliner Autorin Anita Vetter. Sein zweites Buch „Die dunkle Seite – Was nicht so geil war in 10 Jahren Weltreisen” wurde ebenfalls zum Bestseller. Mit seiner Abenteuershow hat er über 20.000 Menschen bewegt und begeistert.

Shownotes “Die geilste Lücke im Lebenslauf”

 

Nick Martin
Fotocredit Ronny Barthel _ der Socialmediafotograf

Was bedeutet Glück? Nick Martins ungewöhnliche Antwort

Die meisten Menschen verbinden Glück mit Zufall. Nick Martin sieht das anders:

„Wenn Vorbereitung auf Gelegenheit trifft – viele nennen das Glück. Aber es ist aus meiner Sicht vor allem die Vorbereitung. Je mehr du mit Leidenschaft dabei bist und Wissen aufbaust, desto mehr Gelegenheiten werden sich ergeben.”

Kein passives Warten auf den richtigen Moment. Kein Hoffen auf den Zufall. Stattdessen: konsequentes Aufbauen von Wissen, Erfahrung und Leidenschaft – bis sich die Gelegenheit zeigt. Diese Haltung zieht sich durch sein gesamtes Leben und erklärt, warum aus einem abgebrochenen Bürojob eine zehnjährige Weltreise wurde, die ihn zu einem der bekanntesten deutschsprachigen Abenteuer-Speaker machte.

Das Lagerfeuer in Neuseeland, das alles veränderte

Der Auslöser war ein dreiwöchiger Urlaub 2009 in Neuseeland. Nick saß abends mit Weltreisenden am Lagerfeuer und hörte ihren Geschichten zu – und merkte etwas, das er bis dahin nicht kannte:

„Ich war total im Moment. Während ich in Deutschland gedanklich ständig in der Zukunft oder Vergangenheit war.”

Diese Erfahrung der vollständigen Gegenwärtigkeit ließ ihn nicht mehr los. Zurück in Deutschland malte er sich aus, wie sein Leben bei dem aktuellen Karrierepfad mit 55 aussehen würde:

„Plötzlich hatte ich Angst vor diesem 55-jährigen Nick und erkannte, dass es so viel mehr gibt als eine Büro-Karriere und materiellen Besitz. Ich wollte die Welt sehen.”

Es lag nicht am Job, betont Nick. Es lag an ihm. An dem Wissen, dass da mehr sein musste.

Kündigung, Gegenwind und 9.200 Euro Startkapital

Die Entscheidung zur Kündigung war mutig – und nicht unumstritten:

„Das war alles nicht einfach und ich habe viel Gegenwind bekommen. In solchen Momenten bin ich dankbar für mein Bauchgefühl und meine Intuition.”

Das Ersparte reichte nicht. Nick rechnete sich aus, dass er für 365 Tage Weltreise rund 25 Euro am Tag – also 9.125 Euro – brauchte. Auf dem Konto lagen 3.500 Euro. Was er tat: Nebenjob in einer Bar, Verkauf alter Sachen auf eBay, konsequentes Sparen. Am Ende stand er mit 9.200 Euro da und einem One-Way-Ticket nach Mexiko in der Hand.

„Damals hatte ich noch nicht so die Weitsicht – es war wie Weihnachten, da zählt nur der Moment. Ich habe es genossen, außerhalb meiner Komfortzone unterwegs zu sein.”

Nick Martin Luca König - Fotograf
Fotocredit Luca König

Hurrikan, Todesangst und das neu definierte Wort „Sicherheit”

Auf Reisen läuft nicht alles wie im Reiseprospekt. Nick wurde auf den Fidschi-Inseln angeschossen, ausgeraubt und überlebte einen Hurrikan auf einem Segelboot in der Baja California:

„Auf einem Segelboot im Hurrikan hatte ich wirklich Todesangst. In dem Moment ist dir alles andere egal. Dieses Erlebnis hat den Begriff ‘Sicherheit’ für mich neu definiert und ich gehe viel gelassener durchs Leben.”

Ein weiteres prägendes Erlebnis: Eine Wanderung, bei der er völlig ausgehungert nur noch ein Stück Brot und eine Zwiebel dabei hatte.

„In dem Moment ist mir bewusst geworden, in welchem Überfluss wir leben. Seitdem gibt es bei mir keine Reste mehr und ich kaufe viel bewusster ein.”

Diese Momente klingen im ersten Moment nach Elend. Sie waren, sagt Nick, die wertvollsten Lektionen seines Lebens.

Ohne Geld in San Francisco – und die Jury eines Catwalks

Nach drei Monaten auf Reisen sperrten Nicks Eltern versehentlich sein Konto, weil sie zu oft das falsche Passwort eingegeben hatten. Nick stand in San Francisco ohne einen einzigen Cent da.

„Ich sage immer: ‘Das Leben findet außerhalb deiner Komfortzone statt.’ Wie es der Zufall wollte, saß ich am selben Abend in einer Jury eines Catwalks und bekam kostenlos Schlafplatz und Essen.”

Stripper in Las Vegas für ein paar Dollar, Schmuggler in Kuba, Reisejournalist für eine renommierte Fluggesellschaft – Nicks Weltreise war keine Instagram-Postkarte. Sie war ein permanentes Improvisationstheater, bei dem er lernte, dass Lösungen meistens auftauchen, wenn man offen genug ist, sie zu sehen.

Australien: 5 Jobs gleichzeitig und 12.000 Euro in 3 Monaten

In Australien erkannte Nick, dass er länger reisen wollte als geplant. Seine Lösung: konsequent arbeiten, bis das Geld für die nächste Phase reicht.

„Es waren zwischenzeitlich sogar 5 Jobs gleichzeitig. Auch wenn ich 15 bis 17 Stunden gearbeitet habe, hat es sich nicht wie Arbeit angefühlt, sondern nach Freiheit – denn ich wusste, wofür ich es mache.”

Nach drei Monaten hatte er 12.000 Euro zusammen. Und reiste weiter.

Die Post-Reise-Depression: Was niemand über Weltreisen erzählt

Nach zwei Jahren kam Nick das erste Mal nach Hause. Was ihn erwartete, hatte er nicht erwartet:

„Ich hatte ca. 4 Monate eine Post-Reise-Depression. Erst als ich nach Hause gekommen bin, habe ich gemerkt, wie sehr ich mich verändert hatte. Es hat sich nicht richtig angefühlt, wieder ins ‘System’ einzusteigen.”

Er nennt das Phänomen nach langen Reisephasen „Travel Blues” – wenn der Schwamm voll ist und keine neuen Eindrücke mehr aufnehmen kann. Die Lösung war in Ecuador: sieben Wochen „Urlaub vom Urlaub”, bis die Reiselust zurückkehrte.

Von der Bühne ins Buch: Wie Nick seinen neuen Beruf erfand

Den Sprung vom Weltreisenden zum Inspirational Speaker machte Nick nicht durch einen Plan, sondern durch einen Zufall: Er bewarb sich als Reisejournalist bei einer Fluggesellschaft in der Schweiz – und wurde genommen:

„So habe ich das erste Mal begriffen, dass ich mit meinen Erfahrungen Geld verdienen kann. Nach und nach kamen dann kleine und größere Bühnenauftritte dazu.”

Heute steht er auf großen Bühnen in ganz Europa, hat über 20.000 Menschen mit seiner Abenteuershow begeistert und lehrt durch die Travel University anderen, wie sie das Reisen als Lebensschule nutzen können.

„Wenn man einmal merkt, dass man mit dem, was einen begeistert, Menschen inspirieren und damit seine Brötchen verdienen kann, bleibt man dabei.”

„Die dunkle Seite” – das ehrlichste Reisebuch Deutschlands

Weil das Abenteuer-Leben auch Schattenseiten hat, die auf Instagram niemand postet, schrieb Nick 2021 sein zweites Buch: „Die dunkle Seite – Was nicht so geil war in 10 Jahren Weltreisen”. Auch dieses wurde ein Bestseller – weil es das zeigt, was Reisebücher meist weglassen: Einsamkeit, Reisekrankheiten, Erschöpfung, Zweifel, finanzielle Not und die Frage, ob das alles wirklich der richtige Weg ist.

Wordshuffle: Nick Martin in Schlagworten

  • Las Vegas – „Stripper, Once-in-a-Lifetime-Experience und Freude fürs Leben.”

  • Ayahuasca – „Im Norden von Peru habe ich eine Ayahuasca-Zeremonie mitgemacht. Ein bewusstseinserweiterndes Mittel der Naturvölker. Man muss es selbst erlebt haben.”

  • Lebenslauf – „Die geilste Lücke ever. Für mich ist es unglaublich, was in den letzten 10 Jahren alles passiert ist.”

  • Reisekrankheiten – „Lebensmittelvergiftungen gehören zum Reisen dazu. Aber Mut heißt: Angst haben und es trotzdem machen.”

  • Lieblingsland – „Es kommt nicht auf das Land, sondern auf die Abenteuer und die Menschen an. Die besten Strände: Fidschi, Philippinen, Sansibar. Die schönste Natur: Kanada, Argentinien, Peru. Das beste Essen: Mexiko, Thailand, Indien.”

  • Kuba – „Noch sehr stark vom Sozialismus geprägt. Man kommt schwerer an die Menschen ran. Das Essen ist spartanisch und wirklich nicht gut.”

  • Zukunft – „Man kann das Leben nur vorwärts leben und nur rückwärts verstehen. Die letzten 10 Jahre haben mir gezeigt: Einen Plan zu haben macht keinen Sinn – eine Vision allerdings schon.”

Fotocredit Nick Martin


FAQs zu Nick Martin und „Die geilste Lücke im Lebenslauf”

Wer ist Nick Martin?
Nick Martin ist Abenteurer, Autor und Inspirational Speaker aus Würzburg. Er kündigte 2010 seinen Job als IT-Systemkaufmann und bereiste über ein Jahrzehnt mehr als 70 Länder. Heute steht er auf Bühnen in ganz Europa, hat zwei Bücher veröffentlicht und gründete die Travel University.

Was ist das Buch „Die geilste Lücke im Lebenslauf”?
„Die geilste Lücke im Lebenslauf – 7 Jahre Weltreisen” ist ein Reise- und Abenteuerreport, geschrieben von Nick Martin gemeinsam mit der Berliner Autorin Anita Vetter, erschienen beim Conbook Verlag. Das Buch beschreibt Nicks Weltreise ab 2010 – von Mexiko über Australien, Kuba, die Fidschi-Inseln bis nach San Francisco – inklusive Hurrikan, Geldnot und Todesangst.

Wie hat Nick Martin seine Weltreise finanziert?
Nick Martin sparte neben seinem Job Geld durch Bararbeit und eBay-Verkäufe und startete mit 9.200 Euro. Unterwegs arbeitete er in Australien zeitweise an fünf Jobs gleichzeitig und verdiente in drei Monaten 12.000 Euro. Dazu kamen Jobs als Stripper in Las Vegas, Catwalk-Juror und Reisejournalist.

Was ist die Travel University von Nick Martin?
Die Travel University ist Nicks Plattform, auf der er Gleichgesinnten zeigt, wie sie Reisen als Lebensschule nutzen können. Teilnehmer treffen Gleichgesinnte, lernen von Nicks Erfahrungen und profitieren von seinem weltweiten Netzwerk.

Was ist „Die dunkle Seite” von Nick Martin?
„Die dunkle Seite – Was nicht so geil war in 10 Jahren Weltreisen” ist Nicks zweites Buch aus dem Jahr 2021. Es zeigt die Kehrseite des Reiselebens: Post-Reise-Depression, Einsamkeit, finanzielle Not, Erschöpfung und Zweifel. Auch dieses Buch wurde ein Bestseller.

Hat eine Weltreise negative Auswirkungen auf den Lebenslauf?
Nick Martin ist das beste Gegenbeispiel: Seine Weltreise war keine Karrierebremse, sondern der Grundstein für eine vollkommen neue, authentische Karriere als Speaker, Autor und Unternehmer. Er selbst nennt die Reisejahre „die geilste Lücke im Lebenslauf ever.”

Zuletzt aktualisiert: April 2026

🎙️ Weitere Interviews über Mut, Neustart und Weltreisen

“Mit dem Motorrad auf der Suche nach einem guten Leben” – Interview mit Buchautor Stefan Fay

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Weitere Podcast Folgen

Nach dem Studium die Koffer packen, mit einem 80-Dollar-Fahrrad Neuseeland umrunden und nebenher einen Roman schreiben – klingt nach einem Abenteuerroman. Bei Götz Nitsche war es der echte Lebensweg. Der Elektrotechnik-Ingenieur, Buchautor und KI-Programmierer aus München hat seinen Platz in der Gesellschaft nicht im Hörsaal oder im Büro gefunden, sondern auf Schotterpisten, in Stundenhotels ohne fließendes Wasser und an schwarzen Sandstränden Neuseelands – allein, mit einem Zelt und genug Zeit zum Nachdenken.
Güldane Dana Altekrüger wollte eigentlich nur abnehmen — ohne dabei auf Brot und Kuchen zu verzichten. Aus dieser persönlichen Herausforderung wurde ein Kochbuch-Bestseller, ein eigener Verlag, ein Titelseiten-Artikel in der Bild-Zeitung und ein Auftritt bei Markus Lanz. Fast 500.000 verkaufte Bücher später sagt sie selbst: „Das sollte wohl so sein.” Im Podcast „Mehr Mut zum Glück” erzählt Dana, wie eine türkische Tochter aus St. Pauli gegen alle Widerstände Abitur machte, warum sie ihrem Vater und ihrer Schule dabei die Unterschrift fälschte — und weshalb Mut für sie keine Frage des Alters ist.