Andreas Brendt: Weltreisender Surfer, Bestseller-Autor und Berufsschullehrer

Folge: 4

Vier Jahre lang stand Andreas Brendt ganz oben auf der Interview-Wunschliste – zu unrealistisch, zu quergedacht für andere Formate. Dann erschien sein drittes Buch, und der Podcast „Mehr Mut zum Glück” war geboren. Kein Zufall: Denn kaum jemand verkörpert den Titel besser als dieser Kölner Berufsschullehrer, der seit 25 Jahren als Surfer durch die Welt reist, drei autobiografische Bücher geschrieben hat und dabei eine einfache Gleichung lebt: Happiness = Reality – Expectations.

Inhalt

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Andreas Brendt Surfen Portraitfoto

Wer ist Andreas Brendt?

Andreas Brendt ist Buchautor, leidenschaftlicher Surfer, Weltreisender und Berufsschullehrer in Köln. Er studierte Volkswirtschaft und Sportwissenschaft, leitete das größte deutsche Surfcamp in Frankreich und bereiste in den letzten 25 Jahren über 50 Länder. Seit Mitte der 1990er-Jahre schreibt er Tagebuch – aus diesem Fundus entstanden seine autobiografischen Bücher, die im Conbook Verlag erschienen sind.

Heute hält er Vorträge über Angst, Motivation und Persönlichkeitsentwicklung – unter anderem bei Profifußballvereinen – und arbeitet nebenbei an seinem nächsten Buchprojekt. Sein Lebensmotto: das Pendeln zwischen Abenteuer und stabilem Alltag, zwischen Surfen und Schule, zwischen Außen- und Innenreise.

Im Interview sprechen wir darüber, warum ein Job ein wichtiger Anker sein kann, dauerhaftes Reisen nicht zwangsläufig glücklich macht, die Freiheiten im Job manchmal sehr groß sind und wieso im Ausland immer alles gut ausgeht – auch wenn man die Sprache nicht spricht.

Herausgekommen ist ein sehr lebendiges und abwechslungsreiches Gespräch mit viel Mehrwert. Viel Spaß beim Hören!

Die Gleichung hinter dem Glück

Das Interview beginnt mit einer Frage, die Andreas Brendt seit zwei Jahrzehnten beschäftigt – und für die er eine verblüffend präzise Antwort hat:

„Happiness is reality minus expectations. Umso kleiner die Erwartungen sind, die ich mir selber stelle, umso mehr kann ich Flow-Erlebnisse haben, umso weniger Druck habe ich. Und umso leichter wird das Leben auf einmal.”

Für ihn gibt es zwei Formen von Glück: wilde Energie – Euphorie beim Surfen oder Tanzen – und stille Leichtigkeit ohne jeden Druck. Was beide Momente verbindet: minimale Gedankenaktivität.

Shownotes Boarderlines

Leistungsgesellschaft und das Fühlen als Gegenstück

Andreas Brendt sieht Deutschlands Leistungsgesellschaft kritisch – nicht aus Bequemlichkeit, sondern aus Überzeugung:

„Bei uns steht das Funktionieren und Erreichen im Vordergrund. Das nährt in sehr vielen Menschen das Gefühl, nicht gut genug zu sein. Das kriegen wir schon als Kinder mit dem Presslufthammer reingepresst.”

Sein Gegenprogramm heißt Fühlen – auch unbequeme Emotionen wie Wut und Trauer zulassen, statt sie zu unterdrücken. Verletzlichkeit zeigen, sich öffnen. Er hat in über 25 Jahren Reisen noch nie erlebt, dass Offenheit ausgenutzt wurde – im Gegenteil:

„Begegnungen und Fühlen – das sind, wenn ich nicht gerade durch die Wellen flitze, die intensivsten Momente für mich.”

Surfer und Lehrer – kein Widerspruch

Nach dem Studium war Brendt vier Jahre lang fast ausschließlich als Surfer und Reisender unterwegs. Dann merkte er: Es reicht nicht.

„Mir fehlten Freunde, ein stabiles soziales Umfeld. Irgendwann ist auch Reisen Routine. Wenn man zwei Monate weg war, kriegt man Lust, nach Hause zu fahren. Und wenn man ein paar Monate zu Hause ist, wächst die Sehnsucht auf die Welt wieder.”

Als Beamter nutzt er Sabbatjahre konsequent: In der Regel arbeitet er zwei Schuljahre, nimmt dann ein Jahr frei – zum Reisen, Surfen und Schreiben. Er hat einmal drei Jahre gearbeitet, weil er sich nicht getraut hat, zu früh wieder zu fragen.

Die finanzielle Sicherheit des Lehrerberufs ist kein Kompromiss, sondern Teil seiner Freiheitsstrategie:

„Ich schätze die finanzielle Sicherheit enorm. Die schenkt mir Ruhe. Mit dieser Sicherheit im Rücken kann ich mich sehr gut entfalten.”

Die Reise nach innen – Meditation, Osho und wilde Katharsis

Reisen durch die Welt wurden für Brendt irgendwann durch eine zweite Reise ergänzt – die nach innen. Stille Meditation hält er für westliche Menschen oft ungeeignet:

„Den normalen westlichen Menschen kannst du nicht einfach eine Stunde auf die Couch setzen. Wir sind sowas von verrückt durch Handys und ständige Reize. Wir müssen erst den Druckkochtopf anheizen, ihn aufblocken lassen – und dann können wir Stille finden.”

Sein Favorit: die wilde Meditation aus der Osho-Tradition, die in Phasen arbeitet – zuerst Atemtechniken, um Emotionen hochzuholen, dann Katharsis, dann Stille. Ergänzend nutzt er gezielt Musik – AC/DC, um Wut rauszulassen – und Tanzen:

„Tanzen allein, das habe ich mir eigentlich nie getraut mein halbes Leben lang. Wenn man es einfach macht und die anderen vergisst, kann es total heilsam sein.”

Andreas Brendt surfen

Auf der Suche nach dem Wunder

In Büchern, im Podcast und im Gespräch kehrt ein Thema immer wieder: Wunder, Synchronizitäten, Zufälle, die keine sind.

„Wenn ich das Leben passieren lasse, stellen sich wirklich Wunder ein. Das ist das, wonach ich nach wie vor suche. Und was ich gelernt habe: Es gibt keine Zufälle. Gerade die schmerzhaftesten Momente haben mich immer zu etwas sehr Positivem geführt.”

Den tiefsten Einzelmoment seines Lebens erlebte er in Hawaii – eine Meditationssession bei einem alten Mann, in der er Frieden mit seinem inneren Kind schloss. Dieser Moment, sagt er, wirkt bis heute. Ein Moment, der hängen bleibt, wenn man zurück ins Leben finden kann.

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Drei Lektionen aus 25 Jahren Mut zum Glück

Andreas Brendt nennt drei Erkenntnisse, die er aus einem Leben zwischen Wellen, Sabbatjahren und Buchprojekten mitgenommen hat:

  • Das Leben ist immer ein Auf und Ab – Wenn es gut geht, genießen, weil es nicht bleibt. Wenn es schlecht geht, Zuversicht haben, weil es wieder besser wird.

  • Es gibt Wunder – Dinge, die sich rational nicht erklären lassen und die dennoch passieren. Diese Erfahrung gibt Zuversicht.

  • Es gibt keine Zufälle – Alles ist so, wie es sein soll. Das Leben passieren lassen ist eine Fähigkeit, keine Schwäche.

Die Bücher – vom Eigenverlag zum Conbook Verlag

Das erste Buch brachte Brendt im Eigenverlag heraus, weil ein großer Verlag daraus „nur ein Surfbuch” machen wollte:

„Für mich ist Boarderlines kein Surfbuch. Es ist ein Buch über das Leben. Leidenschaft Surfen kannst du ersetzen durch Tauchen, Segeln, Wandern – was auch immer. Es geht um den jugendlichen Aufbruch und die Frage: Wie gehe ich mit dem Leben um?”

Einige Jahre nach dem Eigenverlagserfolg meldete sich der Conbook Verlag. Seitdem erscheinen dort alle Bücher – aktuell sind es vier. Den Erfolg misst Brendt nicht in Verkaufszahlen:

„Das Allerwichtigste ist, dass die Bücher die Leute berühren. Wenn sich jemand totlacht und zehn Seiten später eine Träne verdrückt – dann ist das Lesen ein Erlebnis. Das ist für mich der größte Erfolg.”

Wordshuffle: Schnelle Antworten zu großen Themen

Am Ende des Interviews folgt ein Wordshuffle aus Begriffen, die aus den Büchern stammen:

  • Afrika – Bunt und facettenreich, mit tollen Momenten in Südafrika, Mosambik und Senegal. „Nicht mein Lieblingskontinent – aber trotzdem ganz, ganz tolle Momente erlebt, zur rechten Zeit in den richtigen Ländern gelandet.”

  • Vipassana in Belgien – „Zehn Tage schweigen ist kein Problem. Zwölf Stunden täglich meditieren ist die Hölle. Ich empfehle es jedem – und ich habe Schiss, es nochmal zu machen.”

  • Bali – „Traumhafte Insel, um die ich mittlerweile eher einen Bogen mache. Aber ich glaube nicht, dass Bali seinen Charme verloren hat.”

  • Indien – „Faszinierendes Land. Jahrtausendealte Kultur – und gleichzeitig eine Magie, die mit deinem Inneren etwas anstellt.”

  • Mexiko – „Eine Art zweite Heimat. Für Urlaub und Entspannung gibt es für mich im Moment nichts Besseres.”

  • Freundschaft – „Heilig. Eine richtige Freundschaft wächst an allem – an den schönen Dingen und an den nicht so schönen.”

Boarderlines: Roman
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Boarderlines: Roman
  • Brendt, Andreas (Autor)

Andreas Brendt mit Hund

FAQs zu Andreas Brendt

Wer ist Andreas Brendt?
Andreas Brendt ist Buchautor, Surfer, Weltreisender und Berufsschullehrer aus Köln. Er studierte Volkswirtschaft und Sportwissenschaft, leitete das größte deutsche Surfcamp in Frankreich und bereiste über 50 Länder in 25 Jahren. Seine autobiografischen Bücher erscheinen im Conbook Verlag.

Was ist das Buch Boarderlines?
Boarderlines ist der autobiografische Debütroman von Andreas Brendt. Es beschreibt seinen Weg vom Surfer-Anfänger bis zum Profi und seine Reisen durch die Surf-Welt – und ist zugleich ein Buch über Leidenschaft, Freiheit und das Loslassen von gesellschaftlichen Erwartungen.

Wie vereinbart Andreas Brendt Surfen und Lehrerberuf?
Als Beamter nutzt Brendt die Schulferien und regelmäßige Sabbatjahre zum Reisen und Schreiben. Er sieht die finanzielle Sicherheit des Lehrerberufs als Grundlage für seine Freiheit – nicht als Einschränkung.

Was bedeutet die Formel Happiness = Reality minus Expectations?
Die Gleichung ist ein Kerngedanke aus Brendts Büchern: Je weniger Erwartungen man ans Leben stellt, desto weniger Druck entsteht – und desto leichter können Flow-Zustände und echtes Glück entstehen.

Welche Meditationstechniken nutzt Andreas Brendt?
Brendt bevorzugt die „wilde Meditation” aus der Osho-Tradition: Zuerst Atemübungen, um Emotionen hochzuholen, dann eine kathartische Phase des Ausflippens, dann Stille. Ergänzend nutzt er Musik, Tanzen und Atemtechniken.

Bilder: Andreas Brendt

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Mit 19 Jahren 750.000 D-Mark Schulden. Mit 23 Jahren Krebsdiagnose. Mit 28 Jahren Vorstandsposten im Großkonzern – und vollkommen desillusioniert. Mit 33 Jahren Kündigung und Neugründung in der Einliegerwohnung. Mit 48 Jahren Verkauf für über eine Milliarde Euro. David Zimmer, Gründer des Glasfaser-Unternehmens Inexio, hat einen Unternehmerweg hinter sich, der weder planbar noch vorhersehbar war – und genau deshalb so lehrreich ist. Sein Buch „Herzblut – Keine Krise ist größer als deine Chance” ist kein Selbstbeweihräucherungs-Buch. Es ist ein ehrlicher Bericht darüber, was wirklich zum Aufbau eines Milliarden-Unternehmens gehört: Fleiß, Resilienz, Fehlentscheidungen – und die Bereitschaft, immer wieder aufzustehen.
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