“Es lohnt sich mutig zu sein und aus der eigenen Komfortzone auszubrechen!” – Interview mit Robert Kösch

Folge: 20

Ein Gleitschirmunfall in Dänemark änderte einige Sichtweisen von Robert Kösch. Anstatt seine Wünsche in die Zukunft zu verschieben, entschied er sich sie möglichst schnell umzusetzen. Mit Ärzte ohne Grenzen ging er in die Krisenregion Kivu in der Demokratischen Republik Kongo. Dort sollte er dabei helfen ein Krankenhaus zu bauen. Was Robert alles im Kongo erlebte und wie die Corona-Pandemie vieles änderte, erzählt er in dieser Folge von “Mehr Mut zum Glück”.
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Überblick Interview Robert Kösch

Gerade wenn man in jungen Jahren ins Berufsleben startet, hat man einen ganzen Rucksack voller Träume, Ziele und Wünsche. Wenn man irgendwann im Job viel Geld verdient, möchte man eine Auszeit nehmen, reisen und etwas erleben.

Aber was passiert, wenn ein Ereignis die ganzen herausgezögerten Träume und Wünsche ins Wanken bringt. Das ist meinem heutigen Gast passiert, der nach einem Unfall mit einem Gleitschirm Glück im Unglück gehabt hat. Danach beschloß er seine Ziele nicht mehr auf die lange Bank zu schieben.

Nach dem Unfall entschied sich Robert mit Ärzte ohne Grenzen in ein Krisengebiet der Demokratischen Republik Kongo zu gehen, um dort ein Krankenhaus zu bauen. Als er dann Anfang 2020 nach Afrika ging, überschlugen sich die Ereignisse und es kam eigentlich alles anders als Robert vorher dachte.

Über diese Zeit hat Robert mit „Ein Krankenhaus im Kongo“* ein sehr lesenswertes Buch geschrieben, das im August im Conbook-Verlag rauskam.

Im Interview erzählt Robert ausführlich, warum der Unfall sein Denken änderte, was er im Kongo erlebte, welchen Einfluss die Corona-Pandemie auf das Krankenhaus-Projekt hatte und welche Learnings er mit nach Deutschland mitgenommen hat.

Shownotes

Zusammenfassung des Interviews

Du hattest in Dänemark einen schweren Gleitschirmunfall. Was ist genau passiert?

Gleitschirmfliegen funktioniert nicht nur in den Bergen sondern auch an den Küsten Dänemarks. Eines Tages war der Wind rau, an der oberen Grenze. Es kam zum harten Aufprall auf die Düne. Ich hatte mir eine Rippe angebrochen, die dann in den Lungenbereich gestoßen hat, sodass ein Lungenflügel kollabierte.

Was hat der Unfall in Dir verändert?

Der Chirurg machte mir klar, dass es eine lebensbedrohliche Situation war. Also reflektierte ich, ob ich noch auf dem richtigen Kurs bin, denn natürlich wollte ich noch Vieles erleben.

Das hat meine Perspektive auf viele Dinge verändert. Zum einen was für ein tolles Gesundheitssystem wir in Europa haben. Dann, dass es letztendlich immer nur das Heute gibt. Denn es kann immer zu unvorhergesehenen Einschnitten kommen. Wenn wir also etwas wollen, dann fangen wir am besten sofort an, anstatt es lange aufzuschieben.

Robert Kösch: Ein Krankenhaus im Kongo
Robert Kösch im Kongo

Wie bist Du dann auf Kongo als Ziel gekommen? Was sind Ärzte ohne Grenzen?

Ich hatte nach einer Möglichkeit gesucht, etwas Sinnvolles zu tun und der Gesellschaft etwas zurückzugeben. Ärzte ohne Grenzen suchen nicht nur Ärzte, sondern auch logistisches Personal.

Ich war dann auf einer Infoveranstaltung in Hamburg. Trotz Hürden mit meinem damaligen Job, machte ich mir klar: Wenn ich es jetzt nicht mache, mache ich es wahrscheinlich nie. Im November 2019 kam dann die Nachricht, dass ich Teil eines Krankenhaus-Aufbaus in Kongo werde.

Du bist dann nach Kivu im Kongo gekommen. Warum ist es eine spezielle Region im Kongo?

Wenn man etwas aus Kongo hört, dann in der Regel aus der Kivu-Gegend. Dort gibt es viele Rohstoff-Vorkommen, aber auch Zwischenfälle wie die Ebola-Pandemie. Ich hatte mir dann von Menschen vor Ort die Lage schildern lassen und hatte auch Vertrauen in die Organisation Ärzte ohne Grenzen, die Erfahrungen im Umgang mit Krisensituation hat.

Wie hat Dein Umfeld darauf reagiert?

Ich habe die Grenzen der anderen gemerkt. „Das macht doch keinen Sinn, du bist doch frisch verheiratet, das ist doch viel zu gefährlich!“ Andere sprachen mir aber auch Mut zu und waren ein wenig neidisch, nicht selbst so eine Chance zu ergreifen. Meine Frau hat mich extrem unterstützt und uns war es wichtig, die Entscheidung gemeinsam zu fällen.

Bei meinem Arbeitgeber hatte ich einen Sabbatical für 12 Monate eingereicht. Dort gabe es Stimmen, die mir geraten haben damit noch zu warten und lieber erst Karriere zu machen. Dann hatte ich aber wieder die Stimme des Chirurgen im Ohr und dachte mir: Nein, ich mache das jetzt sofort.

Wie waren so die ersten Tage in ungewohnter Umgebung mit ungewohnter Sprache? An welche besonderen Regeln musstest Du Dich vor Ort halten? Wie lief Dein Alltag ab?

Ich hatte mich noch nie so verloren gefühlt wie in den ersten Tagen dort. Wie funktionieren hier der Alltag und die Kultur? Es gab keine Infrastruktur, kaum asphaltierte Straßen, keine Kanalisation, keinen Strom und fast nur einfache Lehmhütten.

Von Ärzte ohne Grenzen gab es viele Sicherheitsregeln, die aber alle ihre Daseinsberechtigung hatten. Beispielsweise musste ich 24 Stunden am Tag erreichbar sein per Funkgerät. In einer bestimmten Zone durften wir uns tagsüber frei und auch alleine bewegen, das war sehr angenehm. Ansonsten gab es Fahrer, die die ÄOG-Mitarbeiter sicher von der Base (wo wir wohnten) zum Krankenhaus gefahren haben. Man war also nahezu dauerhaft überwacht, aber im positiven Sinne.

Der Zeithorizont war, dass erstmal ein dreiviertel Jahr das Fundament des neuen Krankenhauses gebaut wird. Meine Aufgabe war anfangs, mich um die Base zu kümmern. Sicherzustellen, dass die Stromgeneratoren gewartet wurden und das alles ordnungsgemäß lief. Eine besonders spannende Aufgabe war: Ich sollte sicherstellen, dass ein Versorgungsflieger sicher auf der Piste landen kann, die mitten auf einer Plantage war.

Die französische Sprache war schon eine Hürde. Allerdings hatte ich auch schon ein Auslandssemester in Frankreich gemacht, für die Kongolesen ist Französisch auch nur Zweitsprache und sie sprechen glücklicherweise auch viel langsamer als die Franzosen.

Als sich die Sicherheitslage stetig verschlechterte, hast Du da an dem Kongo-Aufenthalt gezweifelt?

Nein. Die Menschen vor Ort waren daran gewohnt, dass die Sicherheitslage instabil ist. An einem normalen Sonntag hörten wir auf einmal Geschosse, später kam es mal zu Entführungen. Mit der Zeit gewöhnte ich mich daran, so krass das auch klingt. Der Mensch ist eben ein Gewohnheitstier!

Gerade als Du Dich eingelebt und eingearbeitet hattest, kam die Corona-Pandemie auf. Dein Bruder hatte Dir aus China davon berichtet. Hattest Du gedacht, dass es auch so schnell nach Afrika kommt?

Nein, ich hab das damals alles für sehr unrealistisch gehalten und eher weggedrückt. Für mich wirkte das alles so weit weg und ich konnte mir nicht vorstellen, dass es auch Afrika betreffen wird.

Wie sind die Menschen im Kongo mit der Pandemie umgegangen?

Trotz der Krisen in diesem Land, haben die Menschen eine tolle Mentalität. „Pole, Pole“ heißt „Mach mal langsam“ – die Menschen sind ziemlich entspannt, lachen und tanzen viel und denken sich „das wird schon werden“.

Auf der anderen Seite ist der Kongo gewohnt mit Infektionskrankheiten umzugehen. Dort sterben Viele an Masern, Cholera oder Malaria. Trotzdem war eine Verunsicherung da: Wenn Europa und der Rest der Welt so entschlossen dicht machen, was muss das nur für ein Virus sein? Auch wurde befürchtet, dass die Importe aus dem Ausland zu teuer würden, was zur nächsten Hungerkatastrophe führen könnte.

Robert Kösch: Ein Krankenhaus im Kongo
Robert auf dem Flugplatz im Nirgendwo

Welche Learnings hast Du aus den sieben Monaten mitgenommen?

Es ist alles anders als es scheint. Obwohl es in Kongo wenig Infrastruktur gibt, hat man dort „schon“ bargeldloses Bezahlen und zwar per SMS.

Man muss die Dinge einfach machen. Es gibt kein morgen, sondern immer nur das heute.

„Pole, Pole“ – Gerade in Deutschland beschäftigen wir uns mit Themen, die sehr weit weg sind, wie beispielsweise die Rente oder dutzende Versicherungen. Im Kongo leben sie wirklich im Heute.

Wie definierst Du denn nach dem Kongo-Aufenthalt Glück für Dich?

Ein Stück weit schon. Im Westen jagen die Meisten dem Glück zwanghaft hinterher. Im Kongo ist glücklich sein der Normalzustand.

Wie schwer ist Dir der Alltag nach Deiner Rückkehr gefallen?

Ja das ist mir schon schwer gefallen. Vor allem wieder zu erleben, wie wenig die Menschen in Deutschland schätzen, was sie haben. Dein größtes Problem ist dein größtes Problem. Wenn dein Nachbar 10.000 Euro mehr im Jahr verdient und das Gras grüner ist, dann ist das dein größtes Problem.

Bilder: Robert Kösch

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