“Der mühsame Weg vom Investmentbanker zum Käfigkämpfer und zurück” – Interview mit Jan Steinbächer

Folge: 7

Jan Steinbächer arbeitete jahrelang als erfolgreicher Investmentbanker. Mit der Zeit verlor er aber seinen Antrieb und seine Lust. Er nahm sich eine einjährige Auszeit, um in ein Kampfsport-Camp nach Thailand zu gehen. Sein Ziel: Ein MMA-Kampf im Käfig. Die ganze Geschichte hörst du in Folge 7 von “Mehr Mut zum Glück”.

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Überblick Interview mit Jan Steinbächer

Was machst du, wenn du dein komplettes Leben in Frage stellst? Jan Steinbächer hat sich während seiner erfolgreichen Karriere als Investmentbanker immer öfter die Frage gestellt, ob er diesen Weg bis an sein Lebensende so weitergehen wollte. Langsam reifte in ihm der Entschluss, die Stop-Taste zu drücken und seinen Job zu kündigen. Er entschied sich für eine einjährige Pause, um neue Erfahrungen zu sammeln.

Statt einfach nur rumzureisen, entschied sich Jan für ein Kampfsportcamp in Thailand, um seine lang zurückliegenden Kampfsport-Erfahrungen aufzufrischen. Während der Zeit entstand der Wunsch, am Ende des Jahres einen Käfigkampf in Thailand zu absolvieren und dafür zu trainieren.

Über den mühsamen Weg vom erfolgreichen Investment Banker zum Käfigkämpfer und zurück und seine Learnings aus dem Jahr erzählt Jan ausführlich im Interview.

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Zusammenfassung des Interviews mit Jan Steinbächer

Herzlich willkommen bei „Mehr Mut zum Glück“, Jan. Alles klar bei Dir?

Alles bestens. Guten Morgen, Daniel.

Freut mich, dass du gleich zugesagt hast für dieses Interview, denn ich habe dein Buch gelesen. „Käfigkämpfer: Vom Banker zum Boxer“. Das hat mich wirklich inspiriert. Ich fand es sehr gut und bin deswegen froh, dass du Lust hast, deine Geschichte hier im Podcast zu erzählen.

Ich freue mich auch sehr, zumal dein Ruf dir ja vorauseilt.

Jan Steinbächer im Anzug Das freut mich zu hören. Dann lass uns mal gleich mit einer Frage starten, die ich sehr gern zum Einstieg von diesen Interviews frage. Und zwar die Frage nach dem Glück. Was bedeutet dir denn persönlich Glück?

Das kann ich tatsächlich anhand von ein paar Begriffen konkretisieren, was es für mich persönlich bedeutet. Jeder hat sicherlich eine andere Definition, aber für mich bedeutet Glück, eine intakte Familie zu haben. Familie ist für mich mit das Allerwichtigste. Dieser Zusammenhalt und die gegenseitige Unterstützung. Und Freunde bedeuten Glück. Ich sage immer, wer mehr als einen loyalen Freund hat, kann sich wirklich als reich bezeichnen. Schließlich gehört dann bestenfalls noch eine berufliche Tätigkeit zum Glück dazu, die einen fordert, nicht überfordert und sinnstiftend ist. Alles natürlich mit der nötigen Prise Gesundheit, die zum Leben dazugehört. Das bedeutet mir Glück.

Das heißt, du hast mittlerweile dein Glück gefunden, das dir zwischenzeitlich verloren gegangen ist?

Ja, würde ich sagen. Es hat sich ja unheimlich viel getan, seit ich das Buch nicht nur geschrieben, sondern auch veröffentlicht habe. In der Zwischenzeit habe ich ein Haus gebaut, bin mittlerweile verheiratet und bin Papa eines einjährigen Sohnes, was natürlich neue Herausforderung mit sich bringt. Es ist aber, um bei dem Wort normal zu bleiben, unheimlich sinnstiftend und sehr, sehr schön. Also ich habe so das Gefühl, auch tatsächlich jetzt angekommen zu sein.

Das heißt, dieser Weg dahin, über den wir gleich sprechen werden, der war enorm wichtig für dich und dein Leben.

Absolut. Ich hab diese ganzen Aktivitäten einfach gebraucht, um ein Stück weit wieder zu mir selbst zu finden. Um auszuloten, was interessiert mich im Leben, was möchte ich eigentlich machen, wo will ich hin? Und warum macht mir das, was ich gerade tue oder damals gemacht habe, eigentlich keinen Spaß mehr?

Wie bist du denn auf die Idee gekommen, aus deiner Geschichte ein Buch zu machen?

Jan Steinbächer Buchcover Nun, ich war da schon einige Monate in Thailand, habe meistens ein oder zweimal am Tag trainiert und habe begonnen Urlaubs-Tagebuch zu führen, weil ich einfach so wahnsinnig viele interessante Menschen kennengelernt habe. Man muss sich vorstellen, ich war nicht einfach in irgendeinem Trainingscamp in Thailand, sondern wirklich in einem professionellen Camp, in dem sich Profisportler auf ihre nächsten Kämpfe vorbereiten. Also das ist so ein bisschen, wie wenn Bastian Schweinsteiger für das nächste Match trainiert oder man von so einem dann in der jeweiligen Sportart auch trainiert wird.

Und da wollte ich einfach die Momente für mich festhalten, weil ich wusste, ich bin ein Jahr unterwegs. Da vergisst man dann auch vieles wieder. Ich bin Typ, den dann auch schnell langweilig wird. Und so hab ich dann irgendwann gedacht Mensch, warum, warum machst du nicht ein Buch daraus? Und teilst diese Geschichte einfach.

Zumal ich relativ schnell gemerkt hab, im Austausch auch mit anderen, auch jüngeren Leuten an dass diese diese Unzufriedenheit gerade so bei den Endzwanziger Anfang 30ern fast einer Pandemie gleichzusetzen ist. Und das hat mich dazu bewogen, das mal so ein bisschen zu hinterfragen, warum viele Leute mit ihrem Lebensentwurf einfach unzufrieden sind. Und so kam die wieder zustande.

Okay, was waren bei dir so Punkte, dass du gesagt hast, du bist unzufrieden? Du hast ja einige Jahre als Investmentbanker im M&A-Bereich – also Mergers und Akquisition – gearbeitet. War der Job letztendlich das, was dir die Unzufriedenheit gegeben hat oder war es das allgemeine Leben bzw. die allgemeinen Lebensumstände?

Es lag tatsächlich am am Job, aber nicht an dem Thema. Einmal an sich, was ich ja worauf wir sicherlich noch zu sprechen kommen und aus nachvollziehbaren Gründen weiterhin unheimlich interessant finde. Man muss aber da auch nochmal differenzieren. Ich war die ersten paar Berufsjahre in Frankfurt, da hatte ich offen gesagt mit Psychopathen zu tun. Also wer „Wolf of Wall Street“ geschaut hat: Es gibt diese Leute wirklich. Ich hab mit diesen Leuten zusammengearbeitet. Da ging es wirklich nur um Geldgier und rein um Geld und Profit.

Das war in Mannheim ganz anders. Also auf diese Leute kann ich wirklich nichts Schlechtes kommen lassen. Man muss natürlich immer ein bisschen aufpassen, dass ich auch nach vielen Jahren jetzt keine Interna ausplaudere. Ich kann nur so viel sagen, ich war nicht d’accord mit der Unternehmensstrategie. Das hat sich auch in den Zahlen damals widergespiegelt, so dass einige Leute gegangen sind, also nicht nur ich. Inzwischen ist das Unternehmen anders aufgestellt, was mich auf einer persönlichen Ebene freut. Aber das hat mich eben damals bewogen zu sagen, ich fühle mich einfach total unglücklich in dieser Tätigkeit an sich.

Dann habe ich mich entschlossen – auch aus einer fast gesundheitlichen Notwendigkeit heraus – nach sieben Jahren eben mal einen harten Schlussstrich zu ziehen und zu sagen Ich kalibriere mich mal neu.

Man muss aber dazu sagen: Du hattest auch so eine Überflieger-Karriere. Du hast glaub ich relativ früh ein eigenes Unternehmen gegründet, dein Studium schnell geschafft und hast dann berufsbegleitend noch ein Masterstudium drangehängt. Das war natürlich extrem viel und hat dann wahrscheinlich auch dazu geführt, dass du einfach so ein bisschen ausgebrannt warst, oder?

Sicherlich, und das ist auch eine Sache, die ich über mich selbst lernen musste. Ich war schon immer sehr umtriebig, würde ich es mal formulieren. Kurz vor dem Abitur habe ich meine erste Service-Gesellschaft damals mit einem Kollegen gegründet, die ich dann ein paar Jahre später an Wettbewerber verkauft hatte. Und ja, hab dann aber gemerkt, ich stoße aber irgendwie regelmäßig an so eine Decke an und wollte mich immer weiter qualifizieren. Daher dann das BWL-Studium konnte, wo ich mit einem Stipendium ins Ausland nach Monaco konnte. Also, du hast es richtig erkannt: Ich musste schon immer aufpassen. Dadurch habe ich aber auch gelernt, nicht auf zu vielen Hochzeiten gleichzeitig zu tanzen.

Jan Steinbächer Käfigkämpfer im Ring

Wann hast du denn mit Kampfsport angefangen?

Das war mit elf oder zwölf. Damals hatte ich ein Bruce Lee-Poster Poster gesehen und wollte seinen Kampfstil erlernen. Damals hatte ich dann angefangen in so einer Kindergruppe zum Unterricht zu gehen. Ich hab das dann auch einige Jahre betrieben, hab da auch eine Trainerausbildung erfolgreich absolviert, und schließlich auch unterrichtet. Das war mir aber nicht athletisch genug.

Mit 17 bin ich dann zum Thai-Boxen gewechselt. Das habe ich dann auch einige Jahre betrieben. Mir sind aber das Auslandsstudium und andere Prioritäten dazwischen gekommen. Dann habe ich es beendet.

Das heißt, du hast dann gar nichts mehr gemacht?

Richtig, ich hab gar nichts mehr gemacht. Ich hab immer Sport getrieben. Selbst zur Frankfurter Zeiten, wenn ich mal vor Mitternacht nach Hause kam, was ich mir ab und zu erdreistet habe. Teilweise auch im Winter noch eine Dreiviertelstunde im Wald laufen gegangen. Einfach diesen Bewegungsdrang auszuleben. Kopf freizubekommen. Also irgendwas hab ich immer gemacht. Aber die Passion Kampfsport lag tatsächlich einige Jahre brach und das war auch okay so.

Du hast ja gesagt, in Frankfurt hast du ein ziemlich hartes Leben gehabt. Du hast ja auch nächtelang durchgearbeitet und hast parallel auch noch ein Masterstudium gemacht. Das stelle ich mir dann so vor, dass du eigentlich gar keine Freizeit hattest, oder?

Richtig.

Wie hast du es durchgehalten?

Gute Frage. Ich denke, man sollte generell ein Ziel im Leben haben, auf das man hinarbeitet. Zu wissen, dass auch irgendwann mal was vorbei ist, das hilft generell, merke ich immer wieder. Und für mich war aber auch wichtig, immer auch diesen körperlichen Ausgleich zu haben – und wenn es nur zwei Mal pro Woche joggen war. ich glaube anderweitig hätte ich diesem massiven Stress nicht standhalten können.

Ja, aber das Masterstudium hast du tatsächlich bis zum Ende durchgezogen.

Ja, das hab ich bis zum Ende durchgezogen.

Und du hast eben gesagt, man brauche immer so ein Ziel. Was war denn damals dein Ziel, was du unbedingt erreichen wollte? War das jetzt mehr Geld verdienen? Reichwerden? Was war da dein Ziel?

Mein Ziel war es, mich tatsächlich soweit zu qualifizieren, dass ich im Investmentbanking eine Senior-Position irgendwann ausüben konnte. Natürlich dann mit dem Ziel auch monetär da irgendwann die Früchte zu ernten. Ich war aber nicht rein Geld getrieben. Das würde der Sache jetzt nicht gerecht werden.

Was mich einfach unheimlich gereizt hat, war die Tatsache, dass man auf Top Level mit Geschäftsführern und Vorständen zu tun hat und in die Kern-Strategien eingeweiht wird. So gestaltet man damit wirklich ein Stück weit Weltwirtschaft selber mit. Und dafür natürlich ordentlich entlohnt zu werden, was bei einem ordentlichem Arbeitseinsatz auch nicht verkehrt ist.

Jan Steinbächer Käfigkämpfer Wiegen vor dem Kampf

Du hast ja eben schon erzählt, dass die Zeit in Frankfurt jetzt nicht so schön war. Ich hab da ein Zitat aus deinem Buch mal rausgesucht, weil das natürlich auch eine wichtige Rolle in deinem Buch spielt. Und das Zitat lautet Mein Teamchef brach unter dem konstanten Terror des Vorstands zusammen und erlitt einen Burnout. Die einen Senior Banker waren völlig ausgelaugt, gefangen im Hamsterrad aus Job, Familie, Haus, Kreditraten und Tabletten sucht. Wie kommt man denn aus so einem Hamsterrad raus, ohne alle Brocken hinzuschmeißen?

Das ist passenderweise die Gretchenfrage. Da muss ich dann an den Titel deines Podcast denken, wo auch das Wort Mut drinsteckt. Ich denke, die Menschheit sucht immer nach dem Weg des geringsten Widerstands. Es ist aus ökonomischen Gesichtspunkten auch total sinnvoll. Und das wird auch weiterhin so sein. Letztendlich ist das wie beim Abnehmen. Wenn es die Schlankheitspille geben würde, wären die Fitnessstudios erstmal leer. Naja, gut, Muskelaufbau muss man immer noch betreiben.

Aber ohne Mut und ohne der Angst oder den Ängsten, die mit dem Schritt verbunden sind, wirklich ins Auge zu blicken und sich damit auseinanderzusetzen, geht es nicht. Wenn jetzt jemand schon Verpflichtungen hat und Kinder und eine Frau, die vielleicht nicht berufstätig ist, weil sie eben den Haushalt schmeißt, was absolut einem Beruf auch entspricht. Das möchte ich hier nochmal nochmal hervor stellen und nicht schmälern.

Dann kann man natürlich nicht wie ich damals ohne Kinder und Frau und ein Haus einfach alles hinschmeißen. Geld verdienen müssen wir alle, aber man kann sich zumindest mal, wenn der Leidensdruck groß genug ist, damit auseinandersetzen und sich fragen: Was stört mich denn überhaupt? Ist es denn wirklich der Job, dass ich den komplett ändern muss? Oder sind es vielleicht nur Teile davon? Brauche ich einfach ein bisschen mehr Freizeit? Oft muss man das Kind meines Erachtens gar nicht mit dem Bade kippen, sondern schauen, was kann ich vielleicht erst im Kleinen ändern?

Wenn es wirklich grundlegend die Tätigkeit ist, die mich wurmt und die mir die Lebensqualität raubt, dann könnte man ja beispielsweise mal drüber nachdenken, ob man einfach nebenberuflich sich mal Sachen erarbeitet. Mit einer nebenberuflichen Selbstständigkeit experimentiert, ohne da schon voll ins Risiko reinzugehen. Aber auch das erfordert natürlich harte Arbeit in der spärlichen Freizeit. Und den einfachen Weg gibt’s da glaub ich nicht.

Aber das heißt, hättest du damals deine Familie schon gehabt, dann wäre der Weg, den du gegangen bist, gar nicht möglich gewesen.

In der Form sicherlich nicht. Definitiv nicht.

Das ist eine Zusammenfassung der ersten Viertelstunde des Interviews gewesen. Wenn du wissen möchtest, wie es zu der Entscheidung kam, nach Thailand ins Kampfsport-Camp zu gehen und wie es bei Jan weiterging, dann hör einfach mal in die Folge rein.

Bilder: Jan Steinbächer, Marius Mischke

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