Dorothee Fleck: 61.000 km – Als Frau allein mit dem Fahrrad um die Welt

Dorothee Fleck: Als Frau allein mit dem Fahrrad um die Welt

Folge: 22

61.000 Kilometer, 127 Wochen, zwei Weltreisen und danach noch 40.000 Kilometer durch 33 afrikanische Länder – Dorothee Fleck hat ihr Fahrrad nicht als Sportgerät, sondern als Lebensmodell begriffen. 2007 kündigte sie ihren sicheren Job, vermietete ihre Wohnung und fuhr los. Zu Gast bei Markus Lanz, Autorin zweier Bücher und heute als systemischer Coach tätig – ihre Geschichte zeigt, was möglich ist, wenn man aufhört, auf das Urteil anderer zu warten.

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Wer ist Dorothee Fleck?

Dorothee Fleck ist Weltreisende, Buchautorin und systemischer Coach aus Süddeutschland. Sie fuhr zwischen 2007 und 2009 in 888 Tagen 61.000 Kilometer mit dem Fahrrad um die Welt – durch Russland, die Mongolei, Südostasien, Australien und Südamerika. Von 2017 bis 2019 folgte die zweite große Reise: 40.000 Kilometer durch 33 afrikanische Länder.

Ihre Erlebnisse verarbeitete sie in zwei Büchern – „Als Frau allein mit dem Fahrrad um die Welt” und „Als Frau allein mit dem Fahrrad rund um Afrika” – und trat damit auch als Gast in der Sendung von Markus Lanz auf. Heute hält sie Vorträge, gibt Coachings und entwickelt Erlebniskonzepte für Frauen.

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Als Frau allein mit dem Fahrrad um die Welt
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Was bedeutet Glück?

Dorothees Antwort auf die Eröffnungsfrage ist so einfach wie wirkungsvoll:

„Ich hab für mich mal beschlossen, dass ich ein glücklicher Mensch bin. Immer wenn es mir mal nicht so gut geht, erinnere ich mich daran – und sofort geht es mir besser. Eine selbsterfüllende Prophezeiung.”

Glück ist für sie keine Frage des Besitzes, sondern der Entscheidung:

„Für mich ist Glück auch Verzicht auf Materielles. Ich glaube, viele machen den Fehler, dass sie ihr Glück im Außen suchen.”

Der Auslöser: Jordanien, Hitze und eine Entscheidung

2007 hatte Dorothee Fleck eigentlich alles, was gesellschaftlich als Erfolg gilt – einen guten Job, ein stabiles Leben. Und trotzdem:

„Ich hatte eigentlich ein schönes Leben mit meinem Job, aber ich habe gespürt, dass es nicht mehr meine Welt ist. Nach einer Fahrradreise in der Hitze Jordaniens wusste ich: Wenn ich jetzt immer noch mit dem Fahrrad reisen will, dann kündige ich.”

Ihrem engeren Umfeld war die Entscheidung nicht überraschend:

„Mein engeres Umfeld kannte mich ja schon, dass ich mir nichts sagen lasse. Bei denjenigen, die mich nicht so gut kannten, war es schon problematischer – sie konnten nicht verstehen, wie ich so einen sicheren und gut bezahlten Job einfach aufgebe.”

Dorothee Fleck: Als Frau allein mit dem Fahrrad um die Welt
Dorothee beim Zelten in Australien

Wie finanziert man eine Fahrrad-Weltreise?

Eine Frage, die viele beschäftigt – und eine überraschend pragmatische Antwort:

„So eine Fahrradreise ist sehr günstig. Übernachtung meistens im Zelt, keine Transportkosten und alle sonstigen Kosten sind außerhalb Deutschlands sowieso sehr niedrig. Außerdem habe ich eine abbezahlte Wohnung, die ich für den Zeitraum vermietet hatte.”

Kein Sponsoring, kein Erbe – die Weltreise war schlicht das Ergebnis eines konsequent reduzierten Lebensstils. Die 888 Tage auf dem Fahrrad kosteten weniger als ein durchschnittliches deutsches Jahr mit Miete und Auto.

Route der Weltreise: Mongolei bis Südamerika

Die Route der ersten Weltreise führte Dorothee durch acht Regionen auf vier Kontinenten:

„Die erste Station war die Mongolei, wozu ich durch Russland gereist bin, und anschließend Vietnam. Von dort habe ich ein paar Schlaufen im südostasiatischen Raum gedreht: Thailand, Kambodscha, Bali. Danach kamen Australien, Südamerika und Nordamerika.”

Die größte bürokratische Herausforderung war China im Olympiajahr 2008: vier Wochen Wartezeit auf das Visum, strenge Kontrollen alle paar Kilometer, und in Peking schließlich eine Verhaftung durch die Polizei:

„Ich hatte keine Angst, aber war wütend über diese Freiheitsberaubung.”

Alleine reisen als Frau – gefährlich oder Mythos?

Eine Frage, die Dorothee Fleck seit Jahren begleitet – und die sie klar beantwortet:

„Nein, ich hatte ja schon einige Reisen gemacht, auch in Afrika. Es gibt den Spruch: ‘Freude vertreibt alle Ängste.’ Wenn ich mir Gedanken darüber mache, was alles Tolles passieren kann, anstatt was schief gehen kann, dann spüre ich keine Angst.”

Und zur vermeintlichen Einsamkeit des Alleinreisens:

„Es ist ein Mythos, dass man beim alleine Reisen wirklich alleine ist. Ich habe ständig Menschen zum Reden getroffen. Man kann auf vieles verzichten: Gutes Essen, eine tägliche Dusche. Aber die zwischenmenschliche Interaktion ist wirklich überlebensnotwendig.”

Dorothee Fleck: Als Frau allein mit dem Fahrrad um die Welt
Dorothee mit dem Fahrrad in einem Dorf in Ghana

Afrika: 40.000 km durch 33 Länder

2017 folgte die zweite große Reise – diesmal durch den Kontinent, den sie auf der Weltreise bewusst ausgelassen hatte:

„Mich hat interessiert, wie Afrika wirklich ist. Es gibt nicht ‘das Afrika’, denn es ist mit seinen 50 Ländern und noch mehr Stämmen, Sprachen und Religionen unglaublich vielfältig.”

In Kenia, Äthiopien und Sudan wurde sie mit Steinen beworfen – von Kindern, die nach ihrer Einschätzung alles bewarfen. In Sudan war ihr Fahren als unverhüllte Frau ein Problem für manche Männer:

„Ich dachte mir dann, dass sie so vielleicht mal lernen können, dass man auch als Frau sowas alleine machen kann.”

Besonders beeindruckt hat sie Mali – trotz politischer Instabilität:

„Die Leute dort waren so offen und freundlich trotz der politischen Probleme. Landschaftlich hat mich Namibia sehr beeindruckt.”

Afrika planen – geht nicht, funktioniert trotzdem

Das Visum-Thema ist auf der Afrika-Tour nicht bürokratischer Ärger, sondern Alltag:

„Afrika kann man nicht planen, weil sich immer alles ändert. Die besten Infos bekam ich von anderen Reisenden vor Ort.”

Ihr Erfolgsrezept bei widerspenstigen Grenzbeamten:

„Ich habe dann verhandelt, dass ich doch mit dem Fahrrad reise und jetzt schon so weit gekommen bin und das nächste Land auch noch gerne sehen möchte. Damit bin ich meistens durchgekommen.”

Erkenntnisse aus Afrika: Entwicklungshilfe neu denken

Nach 40.000 Kilometern durch den Kontinent hat Dorothee eine klare Haltung zu westlicher Entwicklungshilfe:

„Man zweifelt daran, ob diese Hilfsorganisationen wirklich etwas verändern können. Es fehlt am Gesamtkonzept. Es gibt viele leerstehende Schulen. Maschinen werden dorthin geliefert, wo es keinen Strom gibt.”

Und zur geopolitischen Lage:

„Derzeit ist ja China sehr aktiv dort, aber hat mit hoher Sicherheit kaum soziale Absichten. Ich denke, der Westen hat noch eher soziale Ambitionen für Afrika.”

Die Rückkehr: Sesshaft werden nach 888 Tagen

Nach der Weltreise folgte das, was vielen Langzeitreisenden vertraut ist – die Sehnsucht nach Stabilität:

„Nach den vielen Jahren der Weltreise wollte ich wieder sesshaft werden. Mir fehlte das stabile soziale Umfeld.”

Was die Reisen ihr persönlich gegeben haben:

„Ich glaube schon, dass ich mich durch die Reisen verändert habe. Ich bin selbstbewusster, gelassener, ruhiger, offener und entschlossener geworden.”

Wordshuffle: Dorothee Fleck in Schlagworten

  • Heimat – „Für mich ist Heimat Süddeutschland, wo ich aufgewachsen und kulturell geprägt bin.”

  • Markus Lanz – „Dort war ich zu Gast kurz vor den USA-Wahlen. In der Sendung kam ich ein bisschen kurz, aber es hat mir Bekanntheit gebracht, so dass auch mehr Menschen von meinen Weltreise-Büchern erfahren haben.”

  • Corona – „Corona ist ein Wechsel und vielleicht ein Katalysator, dass wir unsere Einstellungen überdenken. Auf einmal geht Homeschooling und Home Office. Auch die Natur hatte eine Pause.”

  • Lieblingsland – „Gibt es nicht, da gibt es zu viele Aspekte, die da reinspielen – und das ändert sich ständig.”

  • Nachhaltigkeit – „Ein sehr wichtiges Thema für mich. Ich verstehe nicht, warum sich da so wenig tut, obwohl so viel bekannt ist.”

  • Mut – „Mut tut gut. Ich finde mich selbst nicht besonders mutig, denn ich habe meistens keine Angst.”

FAQs: Dorothee Fleck und die Fahrrad-Weltreise

Wer ist Dorothee Fleck?
Dorothee Fleck ist Buchautorin, Weltreisende und systemischer Coach aus Süddeutschland. Sie fuhr in 888 Tagen 61.000 Kilometer mit dem Fahrrad um die Welt und anschließend 40.000 Kilometer durch 33 afrikanische Länder. Ihre Erlebnisse beschreibt sie in zwei Büchern und teilt sie als Speakerin und Coach weiter.

Wie hat Dorothee Fleck ihre Fahrrad-Weltreise finanziert?
Dorothee Fleck finanzierte ihre Weltreise durch einen sehr günstigen Reisestil – Zelten statt Hotels, keine Transportkosten – sowie durch die Vermietung ihrer abbezahlten Wohnung während der Reisezeit. Sponsoren oder besondere Ersparnisse waren nicht notwendig.

Wie gefährlich ist es, als Frau allein mit dem Fahrrad zu reisen?
Dorothee Fleck hat über 100.000 Kilometern Fahrrad-Weltreise die Erfahrung gemacht, dass alleine Reisen als Frau weniger gefährlich ist als allgemein angenommen. Ihr Prinzip: Fokus auf das, was gut gehen kann – nicht auf mögliche Gefahren. Und: Allein reisen bedeutet nie wirklich allein sein.

Welche Länder hat Dorothee Fleck auf ihrer Weltreise besucht?
Die erste Weltreise führte durch Russland, die Mongolei, Vietnam, Thailand, Kambodscha, Bali, Australien, Tasmanien, Südamerika und Nordamerika. Die zweite Reise führte durch 33 afrikanische Länder, darunter Marokko, Senegal, Mali, Namibia, Kenia, Äthiopien und Sudan.

Was hat Dorothee Fleck von ihren Reisen mitgenommen?

Konkret: Menschenkenntnis, Kulturverständnis und ein tiefes Selbstbewusstsein. Abstrakt: die Überzeugung, dass Glück eine Entscheidung ist – und dass Menschen in sogenannten Entwicklungsländern oft mehr über das Leben wissen als der Westen annimmt.

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