“Im Leben lohnt es sich Unwägbarkeiten zuzulassen” – Interview mit Podcaster Erik Lorenz von Weltwach

Portraitfoto Erik Lorenz von Simon Ginceberg

Folge: 25

Die Geschichte von Erik Lorenz ist sehr interessant. Vom Reisefieber gepackt reist er in jungen Jahren um die Welt und schreibt Bücher über seine Touren. Um den interessanten Menschen, die ihm auf den Reisen begegnet sind, Raum zu geben, gründet er den Weltwach-Podcast und interviewt sie. Mittlerweile lebt er selbst in Los Angeles und arbeitet von dort. Seine ganze Geschichte erzählt er in Folge 25 von “Mehr Mut zum Glück”.
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Inhalt

Erik Lorenz im Interview

Ich war von Ende November bis Anfang Februar auf einem Roadtrip durch die USA. Über das Warum und Wie habe ich eine fast zweistündige Special-Folge im Finanzrocker-Podcast gemacht.

Wenn du diese Episode noch nicht kennst, hör doch mal rein. 

Erik Lorenz USA RoadtripJetzt wirst Du Dich wahrscheinlich fragen, was das mit dieser Mehr Mut zum Glück-Folge zu tun hat. Eine ganze Menge, denn als ich auf meiner Tour durch die USA war, bekam ich Anfang Dezember eine lange E-Mail aus Los Angeles. Der Absender war Erik Lorenz, der gern als Gast in meinen Podcast kommen würde.

Ich kannte vorher schon seinen Weltwach-Podcast, in dem beispielsweise auch Dirk Rohrbach schon mehrfach zu Gast war. Da ich auch Lust auf ein Gespräch hatte, schrieb ich Erik, dass ich mich bei ihm melde, wenn ich im Januar in Kalifornien bin.

Leider hat es nicht mit einem persönlichen Kennenlernen in Los Angeles geklappt, weil ich da nur kurze Zeit war, aber ich habe das Interview mit ihm dann aus einem Hotelzimmer in San Francisco geführt – kurz bevor ich wieder nach Deutschland geflogen bin.

Das ist auch der Grund, warum meine Spur nicht die gewohnte Klangqualität hat. Sorry dafür, aber der Sound von Erik ist dafür sehr gut.

Wer ist Erik Lorenz?

Erik Lorenz Weltwach Podcast von Simon Ginceberg
Bild: Simon Ginceberg

In Länder- und Reisereportagen berichtet Erik Lorenz von den Schönheiten und Herausforderungen, die die Welt bereithält. Und in Biografien und Erzählungen ergründet er das Leben und Wirken spannender Persönlichkeiten.

Erik machte sich selbst früh auf, um die Welt entdecken zu können und ausgetretene Pfade zu verlassen. Ohne Motorrad-Führerschein machte er mit dem Motorrad einen Trip durch den Himalaya.

Über viele seiner Trips hat er Bücher geschrieben wie “Streifzug durch Laos – Abenteuer im Land der tausend Elefanten”*. Insgesamt hat Erik schon 17 Bücher veröffentlicht.

Was ist der Weltwach-Podcast?

Erik Lorenz macht den Weltwach-Podcast, in dem er mit seinen Gästen über kulturelle, ökologische, soziale und politische Fragen des Reisens diskutiert.

Zu seinen Gästen gehören Abenteurer, Reiseschriftsteller und Fotografen wie Jochen Schweizer, Christine Thürmer, Rüdiger Nehberg, Steve McCurry, Katharina Finke, Joey Kelly oder auch Jane Goodall. Häufig geht es um die Konfrontation mit dem Unbekannten und unterhaltsame Missgeschicke unterwegs.

Darüber hinaus hat er mit “Unfolding Maps” auch einen englischsprachigen Ableger vom Weltwach-Podcast.

Wir sprechen in knapp 70 Minuten über Glück in unterschiedlichen Facetten und warum es sich lohnt auch Unwägbarkeiten im Leben zuzulassen. Darüber hinaus geht um Erics abenteuerliche Reisen um die Welt, warum er seinen Podcast gegründet hat und was er von Podcastgästen wie Reinhold Messner oder Ralf Möller gelernt hat.

Shownotes

Was ist denn ein Teilzeitabenteurer?

Der Name ist natürlich mit einem Augenzwinkern zu verstehen. „Abenteuer“ klingt auch ein bisschen nach einem Buzzword und Aufblähen, wovon ich mich grundsätzlich distanziere. Den Großteil meiner Zeit verbringe ich am Schreibtisch, aber hin und wieder breche ich aus und bin eben Teilzeitabenteurer!

Was hat es Dich denn nach Los Angeles geführt?

Die Liebe. Mein Mann lebt hier seit 12 Jahren und seit zwei Jahren lebe ich auch hier. LA hat sehr schöne aber auch hässliche Seiten. Die sozialen Ungleichheiten von der reichen Hollywood-Szene zu den Zeltstädten der Obdachlosen werden hier erschreckend deutlich.

Was bedeutet Dir persönlich Glück? 

Glück ist für mich, mein „eigenes Ding“ machen zu können und mich beruflich wie privat mit spannenden Themen befassen zu können. Das ist in meiner aktuellen Lebensphase der Fall, von daher würde ich mich als glücklich bezeichnen.

Erik Lorenz in Aktion
Bild: Cedric Xia

Hat Dich eine normale Karriere nicht gereizt?

Nein, ich habe nie nach einer klassischen Karriere oder einem ordentlichen Lebenslauf gestrebt. Und das obwohl ich von meinem Umfeld schon etwas in diese Richtung geschoben wurde. Also sowohl bei meinem Marketing-Studium als auch von meinem Freundes- und Familienkreis, in dem niemand selbstständig arbeitet und bei der beruflichen Tätigkeit Sicherheit wichtiger als Erfüllung ist.

Dein Blog und Podcast hört auf den Namen „Weltwach“. Was steckt hinter dem Namen?

Dieser Begriff ist mir in Büchern von Andres Altmann ins Auge gefallen, ein sehr bekannter deutscher Reiseautor. Für mich schwingt bei diesem Begriff eine Neugierde und Offenheit für die Welt und sich selbst mit. Ich habe mir natürlich seine Erlaubnis geholt, meinen Podcast so nennen zu dürfen.

Weltwach ist ein Reisepodcast, der nicht irgendwelche Tipps und Tricks oder Packlisten bereithält, sondern es geht um Geschichten und spannende Menschen. So biete ich diesen Menschen eine Bühne und gebe mir einen Grund mehr interessante Gespräche zu führen – auch wenn ich gerade nicht auf Reisen sondern zuhause bin.

Wie kam es dazu, dass Du vom Reisen nicht genug bekommen hattest?

Das würde ich gar nicht so sagen – ich bekomme auch immer mal wieder genug vom Reisen. Ich liebe lange Reisen, aber freue mich dann auch wieder zuhause zu sein.

Wovon ich allerdings wirklich nicht genug bekommen kann, sind die Nachbearbeitungen der Reisen. Wenn ich mich auf Interviews vorbereite und Geschichten aufarbeite oder in Bücher packe – da kann ich mich lange daran erfreuen und die Reisen, bei denen die Geschichten stattgefunden haben oder erzählt wurden, bleiben auch viel besser im Gedächtnis.

Du bist auf eine Motorradtour durch den Himalaya gegangen ohne überhaupt Motorrad fahren zu können. Wie kam das?

Wir sind da etwas naiv reingeraten. Die meisten meiner Reisen sind übrigens besser geplant. 

Ursprünglich war die Idee eine Trekking-Tour im Himalaya zu machen. Dann schlug ein Freund vor Ort vor, dass wir mit Motorrädern von Neu Delhi bis zum Himalaya fahren könnten.

Ich bin vorher schonmal Motorrad gefahren und zum Glück ist alles gut gegangen. Zum Nachahmen ist es aber nicht zu empfehlen!

Was hast Du auf den ganzen Reisen denn gelernt, was Du in Deinem Leben immer wieder anwenden konntest?

Grundsätzlich ist für mich nicht Ziel eines Abenteuers, sich in Gefahr zu begeben, wie es im Himalaya der Fall war. Unterschiedliche Menschen definieren Abenteuer auch völlig unterschiedlich, aber die Essenz aus vielen Gesprächen ist: 

Offenheit für Neues. Es lohnt sich, nicht zu sehr auf Sicherheit zu setzen, sondern die ein oder andere Unwägbarkeit zuzulassen. Wenn wir immer alles vorher akurat planen, berauben wir uns der Gelegenheit herausgefordert zu werden und daran zu wachsen. Im Alltag hilft es mir, öfters bewusst nicht den Weg des geringsten Widerstands zu gehen und intensivere Erfahrungen zu machen.

Erik Lorenz Foto mit Reinhold Messner
Erik mit Reinhold Messner. Bild: Simon Gincberg

Hast du den Schritt in die Selbstständigkeit bereut?

Keine Sekunde. Ich habe den Schritt in die Selbstständigkeit aber auch gut geplant. Den Podcast hatte ich bereits neben meinem Job gestartet und so hatte ich auch erste Kunden, deren Podcast ich als Moderator betreue, wie beispielsweise den GEO-Podcast. Ein weiteres Standbein sind meine Bücher.

Mittlerweile hast Du schon 17 Bücher veröffentlicht. Woher nimmst Du da die Ideen?

Ideen sind nicht die Herausforderung, sondern eher welches der Ideen ich umsetze, denn von der Idee bis zum fertigen Buch dauert es schon manchmal mehrere Jahre. Meine Bücher umfassen Reise-Berichte, Reiseführer und Biografien zu interessanten Persönlichkeiten. Aktuell arbeite ich an Büchern zu meinem Podcast Weltwach.

Die Bücher sind eher Leidenschafts-Projekte und ich wollte bewusst den Druck raushaben, dass ich nicht davon leben können muss. Wenn es um Einkommen geht, sind Bücher sowieso nicht die beste Idee, aber sie machen mittlerweile schon einen großen Teil meines Einkommens aus und haben mir viele Reisen finanziert.

Du hast ja sehr interessante Podcastgäste von Ralf Möller über Reinhold Messner bis hin zu Eric Adams von Manowar. Was hast Du denn von Deinen Gästen bisher gelernt?

Das tolle am Thema Reisepodcast ist, dass es so breit gefächert ist. Was genau bedeuten denn Reisen? Dass wir uns von A nach B bewegen. Das eigentlich Spannende ist aber, was wir auf den Reisen erleben oder warum wir überhaupt reisen. 

Genau diese Vielfalt an Themen und Sichtweisen macht meinen Podcast wahrscheinlich aus – da ist von Wüste, Ameisenbär bis zum Heavy-Metal-Musiker alles dabei.

Von einem Ralf Möller habe ich interessante Perspektiven auf Amerika kennengelernt, was seit vielen Jahren seine Wahlheimat ist. Ich möchte nicht nur Menschen einladen, die so sind und denken wie ich, sondern die mir eine ganz neue Perspektive eröffnen können.

Welche Zukunftsziele hast Du Dir vorgenommen?

Ehrlich gesagt, lasse ich das auf mich zukommen. Wenn ich fünf Jahre zurückblicke, hatte ich in jeder Hinsicht ein völlig anderes Leben. Das gibt mir die Zuversicht, dass es schon gut werden wird, auch ohne detaillierte Pläne. Diese Unsicherheit löst teilweise natürlich Ängste aus, aber ermöglicht auch eine hohe Flexibilität.

Zum Abschluss würde ich gern noch das obligatorische Wordshuffle machen. Ich nenne Dir unterschiedliche Begriffe und Du sagst, was Dir dazu einfällt.

Inspiration

Inspiration ist ein kraftvolles Tool, um eigene Prozesse anzustoßen. Eine lohnende Frage ist daher „Woher finde ich Inspirationen für mich?“ und sich seinen Interessen auch wirklich hinzugeben. Bei mir sind das Interview-Gespräche für meinen Podcast oder auf Reisen. 

Berlin

In Berlin bin ich geboren und aufgewachsen und meine Familie sowie viele Freunde leben dort. Daher kommt auch immer wieder die Frage, wann ich denn nach Berlin zurückkomme. Aktuell zieht mich aber nichts dorthin.

Corona

Da kann man viel und nichts zu sagen. Für mich und viele andere hat es viele Pläne durcheinander gebracht. Ich kann aber dankbar sagen, dass ich da gut durchgekommen bin. Ich fühle aber mit allen Berufsgruppen mit, wie Künstlern und Berufen in der Reisebranche.

Asien

Asien ist der Kontinent auf dem ich am meisten Reisen verbracht habe. Gleichzeitig hat er mich in gewisser Weise davon abgehalten, andere Kontinente zu erkunden, wie beispielsweise Afrika. Dieses Versäumnis muss auf jeden Fall noch behoben werden.

Geld

Geld ist wichtig und beruhigend. Natürlich ist mehr Geld besser als weniger, aber meiner Meinung nach sollte es nicht das Ziel sein, einfach den Kontostand immer weiter zu erhöhen, sondern das Geld in wichtigere Dinge zu übersetzen, wie beispielsweise Zeit oder Glück. 

Mut

Für mich ist Mut eine notwendige Zutat, um zum Glück zu kommen und ich glaube in gewisser Weise gilt das für uns alle. Ich bin schon ein sehr gewissenhafter Mensch, der gerne plant und sich vorbereitet.

In die USA zu gehen, war für mich auch ein großer mutiger Schritt, denn die meisten meiner Kontakte und Netzwerke sind komplett deutschsprachig, von daher wusste ich nicht genau, ob das gut geht, aber bisher klappt es. 

Mein Podcast-Gast Reinhold Messner hat mal gesagt „Wer kein Glück hat, möge es sich anschaffen“. Soll heißen, wir dürfen auch etwas für unser Glück tun und nicht nur darauf warten.

3 Antworten

  1. Hallo Daniel,

    wie ich das Titelfoto gesehen habe dachte ich “ohje, wieder ein Bericht über eine Motorradweltreise” 😉
    Aber schon nach wenigen Minuten hat mich euer Interview gepackt. Eben keine Erzählung einer einzelnen Reise,
    sondern eine für mich sehr interessante Mischung aus Lebenslauf, Erfahrungbericht, Stellungnahmen zu weltanschaulichen Themen und schlicht persönlichen Einblicken.
    Das ganze seitens Erik sehr eloquent und sympatisch vorgetragen und von dir kongenial begleitet.
    In diesem Interview kam dein von manchen kritisierter Hang, Gesprächspartner ausführlich zu Wort kommen zu lassen und nicht nach kürzester Zeit zu unterbrechen um einem vorgefassten Interviewverlauf gerecht zu werden, voll zu tragen. Ich schätze das sehr. Dadurch kommt,
    und für mich ist dieses Interview ein hervorragendes Beispiel dafür, eine gewisse Eigendynamik und positive Grundstimmung zustande die ich so in dieser Form selten höre.
    Herzlichen Dank dafür und hoffentlich steigende Zuhöhrerschaft dass sich der Aufwand für diesen zusätzlichen, nicht von Finanzthemen geprägten Podcast für dich auch monetär lohnt.

    Ich höre weiter begeistert den Finanzrocker, Finanzwesir rockt, El Diner, würde mich aber wirklich sehr freuen wenn es auch Mehr Mut zum Glück schafft so etabliert zu werden.

    Liebe Grüße aus Wien
    Christian

    P.S.. Da ich kein Apple Nutzer bin, kann ich Podcasts nicht direkt im Podcatcher kommentieren, habe aber natürlich nichts dagegen wenn du dieses Feedback in welcher Form auch immer für dich nutzt

    1. Hallo Christian,

      herzlichen Dank für Dein tolles Feedback. Das freut mich sehr. Für mich persönlich sind die “Mehr Mut zum Glück”-Interviews auch ein Stück weit ein gutes Mittel zum Improvisieren. Die meisten Interviewgäste kenne ich nur auf Basis eines Buches oder eines Podcasts und ich weiß vorher nicht, wie sich das Ganze entwickelt.

      Das Interview mit Erik hat mir persönlich auch sehr gut gefallen, weil ich da nicht wusste, was am Ende für ein Gespräch rauskommt. Ich hatte zwar einige Fragen auf dem Zettel, aber die waren schnell hinfällig und wir haben dann tatsächlich ein Gespräch geführt. Und trotzdem den roten Faden nicht verloren. Das funktioniert bei den anderen drei Podcasts nicht so.

      Und was das Podcastcover angeht: Ich hatte auch noch ein anderes, aber das war nicht spezifisch genug. Wir sprechen ja über die Himalaya-Tour von Erik, aber nur am Rande. Das Bild macht aber eine Menge her und ist ein Hingucker. Ist jedes Mal eine Herausforderung mit der Headline und dem Artikelbild. 😉

      Viele Grüße
      Daniel

  2. Tolles Interview und im Gegensatz zum Gespräch mit Dirk Rohrbach mMn viel authentischer. (Hier klang nämlich nicht jeder Satz wie auswendig gelernt bzw. “gestelzt” – ich fand es aber trotzdem gut)

    Weiter so, Daniel

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Die Verwirklichung eigener Werte sollte auch im Berufsleben eine übergeordnete Rolle spielen. Es sollte nicht immer nur um die große Karriere und Reichtum gehen, sondern darum, wofür das eigene Herz brennt. Genau nach diesem Leitspruch gründete Dr. Nico Tucher gemeinsam mit anderen einen nachhaltigen Mobilfunkanbieter. Was dahinter steckt und wieso es dazu kam, erzählt er bei “Mehr Mut zum Glück”.