Nic Jordan im Podcast – Wie Reisen nach einer Trennung zur Suche nach Freiheit wurden

Folge: 16

Nach einer langen Beziehung, die sich wie eine Leine anfühlte, packt Nic Jordan ihren Rucksack und trampt von London bis nach Byron Bay in Australien – allein, als Frau, durch 20 Länder. Was als Sehnsucht nach dem anderen Ende der Welt begann, wird eine zweijährige Reise, die sie nach eigener Aussage „komplett zu einem neuen Menschen” gemacht hat. Dieses Nic Jordan Podcast-Interview bei „Mehr Mut zum Glück” erzählt von Abenteuer und Angst, von einem Weihnachtsmann in Finnland und einer Polizeiwache in Thailand – und davon, was Freiheit wirklich bedeutet.

Inhalt

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Wer ist Nic Jordan?

Nic Jordan ist Buchautorin, Yoga-Lehrerin und – wie sie sich selbst nennt – Vagabundin. Nic Jordan, bürgerlich Nicola Debska, wuchs in München auf und begann bereits mit 14 Jahren zu trampen – damals von München nach Berlin. Sie lebte mit 17 in Spanien, dann in London, später in Australien. Heute lebt sie in Schweden.

Ihr Werdegang ist bewusst ungeplant: Kellnerin im Hard Rock Café London, Wooferin auf einer Husky-Farm in Finnland, Studentin der Umweltwissenschaften in Australien – unterbrochen von einer Pandemie – und Yoga-Lehrerin. Ihr Buch „aWay – Wie ich nichts mehr zu verlieren hatte und per Anhalter von London nach Australien reiste” erschien 2019, wurde ein Bestseller und inzwischen ins Tschechische übersetzt.

„Meine Mutter behauptet, ich hätte das Vagabunden-Leben aus ihrer Familie vererbt bekommen – weil ihre Mutter eine spanische Zigeunerin war.”

Nic Jordan Away in China Nic Jordan Instagram Chinesische Mauer

aWay – Wie die Reise entstand

Nic Jordan lebte in London in einer fast fünfjährigen Beziehung, die sie zunehmend einengte. Nicht wegen fehlender Freiheiten – sie reiste trotzdem. Aber immer nur in Europa, immer im Kreis.

„Mein damaliger Freund wollte immer an einem Ort bleiben, einmal im Jahr Urlaub machen. Und irgendwann haben wir uns getrennt und ich dachte: Ich will jetzt wirklich ans andere Ende der Welt.”

Das Ziel: Byron Bay in Australien – weil alle sagten, das wäre der Ort für sie. Sie googelte ihn nie. Sie wollte einen Flug buchen. Dann sah sie die Weltkarte.

„Ich hätte all diese Orte zwischen London und Australien einfach übersprungen. Die echte, wahre Art des Reisens – das war das Trampen. Und dann dachte ich mir: Ich trampe das jetzt einfach. Warum nicht?”

Die Vorbereitung? Quasi null. Drei Visa besorgt (Russland, China, Australien), als Kellnerin im Hard Rock Café bis zu 70 Stunden pro Woche gearbeitet, jeden Penny gespart – und los.

Shownotes Nic Jordan

Die Route: 20 Länder, 2 Jahre, 1 Rucksack

Nic Jordans aWay-Reise führte sie von London durch:

  • Frankreich – ihr Lieblingsland zum Trampen, wegen des romantischen Flairs und der Freundlichkeit der Leute

  • Deutschland & Polen – um sich zu verabschieden und ein offenes Kapitel mit ihrem Vater zu schließen

  • Schweden – wo sie Robin kennenlernt, bis heute ihren besten Freund

  • Finnland – Husky-Farm (die nicht funktioniert), Polarlichter, und ein Truck kurz vor Weihnachten

  • Russland & Sibirische Eisenbahn – nach einer Nierenkolik in St. Petersburg kauft ihr Vater überraschend das Ticket

  • China – ohne Sprachkenntnisse, mit einem Handy-Video auf Chinesisch als Tramper-Werkzeug

  • Vietnam, Kambodscha – wo sie auf einer Insel fast stirbt

  • Sumatra, Malaysia, Bali

  • Australien – Byron Bay – das Ziel, das sie nie gegoogelt hat

Nic Jordan Away Nic Jordan Instagram Australien
Nic auf Tour in Australien

Nic Jordan Reise – Allein unterwegs als Frau

Auf die Frage, ob sie als Frau keine Angst hatte, antwortet Nic Jordan klar:

„Angst gehört dazu – aber ich hatte mehr Angst davor, mich zu langweilen und in London einzugehen. Die Angst war nicht groß genug, um mich aufzuhalten.”

Ihr Schutz war kein Masterplan, sondern ein Pfefferspray – den ihr Ex-Freund in München auf sie überredete. Den musste sie vor Russland abgeben, weil sie ihn nicht über die Grenze nehmen durfte. Danach: kein Pfefferspray mehr.

„Ich hätte auch ohne getrampt. Auf jeden Fall.”

Reisen nach der Trennung – Wenn Aufbruch heilsam wird

Die Trennung war der Auslöser – aber nicht der einzige. Nic Jordan wuchs in einem turbulenten Zuhause auf, ihre Eltern trennten sich früh, das Verhältnis zum Vater in Polen war angespannt, ihr Bruder beging Selbstmord. Diese Themen begleiten die Reise, ohne dass sie im Interview in den Vordergrund drängen – aber sie erklären, warum diese Reise mehr war als Fernweh.

„Ich habe schon als Kind davon geträumt, ganz weit weg zu gehen. Und am letzten Tag im Urlaub habe ich immer versucht, mich zu verstecken, damit ich nicht mit nach Hause musste.”

Unterwegs, fernab aller Routinen, beginnt sie: alte Muster zu hinterfragen, dem eigenen Bauchgefühl zu vertrauen, und Kontrolle loszulassen – nicht weil sie es will, sondern weil sie keine Wahl hat.

Nic Jordan per Anhalter nach Australien – Die unvergesslichen Begegnungen

Was Nic Jordans Buch „aWay” von anderen Reisebüchern unterscheidet: die konkreten Begegnungen. Einige, die im Podcast erzählt werden:

Der Weihnachtsmann in Finnland: Um 5 Uhr morgens, mitten im Wald, hält ein Truck. Es riecht nach Plätzchen und Kaffee, Weihnachtsmusik spielt. Der Fahrer ist der offizielle Weihnachtsmann von Rovaniemi – dem Nordpol Finnlands.

„Er sagte beim Abschied: Mal schauen, was deine Freunde sagen, wenn du erzählst, dass du mit dem Weihnachtsmann zum Nordpol getrampt bist.”

Nic Jordan Away Nic Jordan Instagram Trampen mit Hund
Nic Jordan beim Trampen.

Der Finne mit der Narbe: Ein Mann mit einer tiefen Narbe am Hals, der kein Wort Englisch spricht, packt ihren Rucksack in sein Auto. Nic Jordans Hand liegt auf dem Pfefferspray. Sie fahren zu ihm nach Hause – wo Frau, Kinder und ein Welpe warten. Das Abendessen steht schon auf dem Tisch. Und anschließend fahren sie sie 200 Kilometer weiter als sie wohnen, damit sie sicher ankommt.

Nic Jordan Away Nic Jordan Instagram Tramping China
Nic beim Tramping in China mit einem Handy-Video.

Die Hotelsuite in China: Ein wohlhabendes Pärchen bucht ihr und ihrem Tramper-Kollegen spontan eine Suite in einem 4-5-Sterne-Hotel mit Blick über die ganze Stadt – weil Europäer im Hotel eine Sehenswürdigkeit sind.

„Je ärmer die Orte wurden, desto netter wurden die Menschen. Das war echt krass.”

Die Polizeiwache in Hua Hin, Thailand: Mit einem selbst gebastelten Schild – „Ich brauche einen Schlafplatz für eine Nacht” – landet sie auf der Polizeiwache. Am nächsten Morgen erscheint der Beamte betrunken mit einer Plastikrose, singt Lieder und erklärt, sie sei die Liebe seines Lebens.

„Wer würde sonst auf einer Polizeiwache in Ruhe übernachten und hätte einen eigenen Raum mit Wi-Fi?”

Krank in Kambodscha

Auf einer Insel in Kambodscha wird Nic Jordan krank – allein im Dschungel, weit vom nächsten Ort, mit leerem Wasservorrat und Fieber.

„In diesem Delirium zwischen Schlaf und Wachsein habe ich wirklich gedacht: Okay, das war es jetzt. Ich werde einschlafen und nicht mehr aufwachen.”

Sie überlebt – weil jemand vom Team zufällig vorbeikommt. Einen Gedanken an Abbruch hatte sie nie.

Angst überwinden beim Reisen – Go with the Flow

Eine der frühen Lehren der Reise: Nicht in die nächste Mitfahrgelegenheit steigen, weil die Zeit drängt – sondern auf das Gefühl hören. Einer der ersten Fahrer macht ihr Angst. Sie steigt trotzdem aus. Und zieht daraus eine der wichtigsten Erkenntnisse der gesamten Reise:

„Das Universum hat mir gesagt, dass ich vorsichtiger sein muss und nicht so oft die Zeit versteifen muss. Diese Erfahrung hat mir gezeigt: Versteige dich nicht auf Sachen, sondern geh mit dem Flow.”

Ein Kapitel im Buch „aWay” heißt genau das: „Go with the Flow”.

Nic Jordan Buch „aWay” – Wenn Reisen zur Lebensgeschichte wird

„aWay – Wie ich nichts mehr zu verlieren hatte und per Anhalter von London nach Australien reiste” erschien 2019 und ist kein klassischer Reisebericht. Nic Jordan beschreibt, wie das Schreiben ihr half, die zwei Jahre überhaupt erst zu verdauen:

„Während ich geschrieben habe, habe ich geweint, habe ich gelacht, musste Pausen nehmen. Ich wollte mich in diese Gefühle nochmal reinfühlen. Und genau so habe ich das Buch geschrieben.”

Das Buch wurde inzwischen ins Tschechische übersetzt. Nic Jordan bekommt regelmäßig Nachrichten von Leserinnen und Lesern, die sich in ihren Gedanken wiederfinden – auf Deutsch und auf Tschechisch.

Freiheit auf Reisen finden – Was Nic Jordan gelernt hat

„Diese Reise hat mich komplett zu einem neuen Menschen gemacht – von oben bis unten. Ich gehe ganz anders auf Menschen zu, ich habe ein ganz anderes Verhältnis zu mir selbst gewonnen.”

Ihre wichtigsten Erkenntnisse, direkt aus dem Interview:

  • Vorurteile sind wertlos: „Jedes Mal, wenn ich dachte, ich könnte einen Menschen durchschauen, war es irgendwie was komplett anderes.”

  • Bauchgefühl schlägt Planung: „Immer wenn ich da reingehört habe, habe ich das Richtige gespürt.”

  • Einsamkeit hat nichts mit Alleinsein zu tun: Die Gruppe auf der Husky-Farm machte sie einsamer als der Wald allein.

  • Angst ist kein Stopp-Schild: „Ängste sind dafür da, um sich ihnen zu stellen – nicht um vor ihnen wegzurennen. Danach kommt nur Dankbarkeit.”

Warum Neugier stärker ist als Angst

Auf die Frage, ob sie ihr Glück gefunden hat, antwortet Nic Jordan:

„Ich bin jeden Tag auf der Suche nach dem Glück. Ich glaube, Glück ist kein Dauerzustand – Glück ist etwas, was man jeden Tag neu entfachen muss. Und das Schwierigste auf der Welt ist, den Moment zu leben.”

Ihr nächstes Projekt: Mit dem Van durch Sibirien nach Japan – diesmal mit ihrem schwedischen Freund. Und vielleicht ein zweites Buch.

„Dream big – immer. Ganz groß träumen und einfach machen. Das Leben hält uns schon so oft genug zurück.”

FAQs zu Nic Jordan

Wer ist Nic Jordan?
Nic Jordan ist Buchautorin, Yoga-Lehrerin und Vagabundin. Sie wuchs in München auf, begann mit 14 Jahren zu trampen und reiste nach einer langen Beziehung zwei Jahre lang allein per Anhalter von London nach Byron Bay in Australien. Ihr Buch „aWay” erschien 2019. Heute lebt sie in Schweden.

Worum geht es im Buch „aWay” von Nic Jordan?
„aWay – Wie ich nichts mehr zu verlieren hatte und per Anhalter von London nach Australien reiste” ist ein Reise- und Selbstfindungsbuch. Nic Jordan schildert ihre zweijährige Soloreise durch 20 Länder – von Frankreich über Russland und China bis nach Australien. Das Buch wurde 2019 veröffentlicht und ins Tschechische übersetzt.

Warum reiste Nic Jordan per Anhalter nach Australien?
Nach dem Ende einer fast fünfjährigen Beziehung wollte Nic Jordan ans andere Ende der Welt. Als sie die Weltkarte aufschlug um einen Flug zu buchen, entschied sie spontan: Sie trampt. Alles dazwischen wollte sie sehen – nicht überfliegen.

Ist das Reisen allein als Frau nicht gefährlich?
Nic Jordan spricht offen über Angst und konkrete Schreckensmomente – von einem beängstigenden Fahrer in den ersten Tagen bis zur Polizeiwache in Thailand. Ihr Fazit: Das Bauchgefühl ist der beste Schutz. Und: „Die Angst war nicht groß genug, um mich aufzuhalten.”

Was hat Nic Jordan durch die Reise gelernt?
Laut eigener Aussage hat die Reise sie „komplett zu einem neuen Menschen gemacht”. Wichtigste Learnings: Vorurteile loslassen, dem Bauchgefühl vertrauen, den Moment leben – und Ängsten nicht weglaufen, sondern sich ihnen stellen.

Bilder: Nic Jordan

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