“Gerade die negativen Erfahrungen haben mich weitergebracht” – Interview mit Moderatorin Aline Abboud

Aline Abboud

Folge: 9

In dieser Folge spreche ich ausführlich mit Aline Abboud. Sie arbeitet als Journalistin, Redakteurin und Moderatorin beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk und lebt in Berlin. Im Gespräch geht es um Traumjobs, Karrierewege und persönliche Zielsetzungen. Außerdem erzählt Aline von ihrer brandneuen Dokumentation über die Protestbewegungen junger Menschen in Europa.
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Inhalt

Als ich im Mai die ersten Interviews für “Mehr Mut zum Glück” plante, stand Aline Abboud schon auf der Liste. Leider klappte es erst im November mit einem Termin, da sie den Sommer über für ihre neue Dokumentation in Europa unterwegs war. Aber passend zur Erstausstrahlung von „Und jetzt wir – eine Generation schlägt Alarm!“ hat es mit einem Interviewtermin mit ihr geklappt.

Das Interview ist dieses Mal etwas anders geworden, denn das erste Mal interviewe ich mit Aline eine Journalistin, die seit 4 Jahren beim ZDF arbeitet und deren Karriere gerade richtig ins Rollen kommt.

Wir sprechen darüber, wie sie zum Fernsehen gekommen ist, welche Herausforderungen der Job mit sich bringt und welche Ziele sie noch verfolgt. Darüber hinaus geht es aber auch um die Protestbewegungen in Europa, die Wichtigkeit von Politikverständnis bei jungen Menschen und die Vielseitigkeit im Journalismus.

Shownotes Aline Abboud

Zusammenfassung des Interviews

Was bedeutet Dir persönlich denn Glück?

Glück ist für mich nicht Besitz, wie Familie, Haus oder Geld, sondern eher Momente, in denen ich fühle „jetzt passt es einfach“.

Du arbeitest als Journalistin, Reporterin und Moderatorin und hast so tagtäglich mit schlechten Nachrichten zu tun. Lassen sich diese irgendwann ausblenden? Wie kommt denn das Positive in Deinen Alltag?

Ein bisschen stumpft man mit der Zeit ab und das muss man wohl auch, um damit klar zu kommen. Natürlich geht es einem trotzdem nahe.

In diesem Podcast interviewe ich ja viele Menschen, deren Traum es war, sich selbst zu verwirklichen und auf Karriere im klassischen Sinne zu verzichten. Du stichst da etwas heraus. War das, was Du heute machst, eigentlich schon immer Dein Traumjob?

Ja, es ist ein Traumjob, aber mein Weg dorthin war nicht so geradlinig, wie man es denken würde. Auf dem Weg hatte ich sicherlich viel Glück. Aber es war auch sehr viel harte Arbeit, das habe ich mir lange nicht eingestanden.

Rückblickend haben mich die „negativen“ Erfahrungen immer deutlich weitergebracht. Dann weiß man, was man nicht möchte und es lehrt einen offen zu bleiben und einfach viel auszuprobieren.

Deine Karriere kommt ja immer mehr ins Rollen. Erst letzte Woche hast Du auf dem Jugendmedientag in der ARD moderiert und auch auf der digitalen Buchmesse im Oktober hast Du einige Interviewrunden moderiert. Setzt Du Dir eigentlich Karriereziele?

Meine Erfahrung hat mir gezeigt: Es gibt nicht den einen Weg. Ich habe gelernt offen zu bleiben für neue Chancen und auch immer wieder zu reflektieren, ob der aktuelle Weg wirklich zu mir passt.

Ich versuche durch meine Position in der Öffentlichkeit Menschen mit kulturellem Hintergrund eine Stimme zu geben.

Wie kam es eigentlich dazu, dass Du vom Volontariat im Bundestag zum ZDF gekommen bist?

Ich hatte mich damals nach dem Volontariat bundesweit bei allen Nachrichtensendern beworben. Beim ZDF wurde ich dann zum Casting für Moderatoren eingeladen und hätte nie damit gerechnet dass sie mich nehmen würden.

Ich war zur richtigen Zeit am richtigen Ort und wurde als Moderatorin und Nachrichten-Redakteurin für „ZDF heute“ eingestellt.

Aline Abboud Foto Jennifer Fey
Foto: Jennifer Fey

Dein Vater kommt ursprünglich aus dem Libanon. Du bist kurz vor der Wende in Berlin-Pankow geboren worden. Hast Du eigentlich auch Teile Deiner Kindheit im Libanon verbracht?

Seit ich zwei Jahre alt bin, habe ich die Sommerferien immer im Libanon verbracht.

Du hast 2016 beim ZDF als Redaktionsassistentin und Social-Media-Redakteurin bei Dunja Hayalis „ZDF Donnerstalk“ begonnen. Dunya Hayali wird ja seit 2015 immer wieder auf das übelste in den sozialen Medien beschimpft. Hast Du das eigentlich direkt mitbekommen als Social Media-Redakteurin?

Ja. Das hat mir mal wieder gezeigt, dass es vielen Menschen in Deutschland nicht bewusst ist, wie privilegiert sie sind und offensichtlich zu viel Zeit haben sich über belangloses zu beschweren. Dieser Eindruck ist auch in den letzten Jahren leider nicht weniger geworden.

Im Sommer hast Du Dich für eine Arte-Dokumentation mit der europaweiten Protestbewegung junger Menschen beschäftigt. Worum ging es konkret und was hast Du persönlich da mitgenommen?

Wir haben uns mit jungen Menschen aus Polen, Frankreich und Deutschland beschäftigt, die sich für etwas einsetzen. Die Doku heißt „Und jetzt wir – eine Generation schlägt Alarm!“ (24.11.2020) und ist auf der Arte-Mediathek zu sehen.

Im Grunde ging es um die Frage was junge Menschen in diesen drei Ländern antreibt? Worin unterscheiden sich die Ängste und Hoffnungen? Haben sie eine gemeinsame Vision für Europa und gibt es einen Dialog zwischen den Ländern? In Polen geht es beispielsweise viel mehr um Grund- und Menschenrechte, die mit Traditionen aus der Religion und dem Nationalismus in Konflikt stehen. In allen drei Ländern spielt Klimaschutz eine große Rolle.

Ein weiteres Betätigungsfeld von Dir nennt sich „Die da oben“. Dort werden politische Entscheidungen kritisch hinterfragt und für die Generation Y und Millenials beleuchtet. Wie wichtig ist es, dass sich gerade junge Leute mit der Politik im Bundestag auseinander setzen?

Sich mit Politik auszukennen, hilft natürlich Entscheidungen besser zu verstehen und auch selbst bessere Entscheidungen zu treffen. Das gilt für Jung und Alt, für Politiker sowie für Bürger.

Wenn man sich Deine gesamten Tätigkeiten anschaut, fällt auf, dass Du sehr vielseitig bist. Du machst auch noch einen Podcast. Ist das im heutigen Journalismus unabdingbar?

Ich bin ja nicht absichtlich vielseitig, das entsteht einfach so. Ich denke man kann nicht sagen „mach XY, dann wirst du erfolgreich“, sondern da sollte jeder seinen eigenen Weg finden. Den Podcast mache ich ja sozusagen ehrenamtlich, einfach weil mir die Themen am Herzen liegen.

Welche Ziele hast Du Dir für die Zukunft gesetzt?

Meinen Podcast weiterzumachen. Ansonsten läuft es beruflich wirklich rund und ich mache tolle Projekte. 

Die Ziele sind eher im privaten Bereich. Ich möchte mir mehr Pausen gönnen und mich besser um mich selbst kümmern. In den letzten Jahren habe ich auch gelernt, dass ich nicht alles annehmen muss.

Aline Abboud Alexander Rentsch
Foto: Alexander Rentsch

Zum Abschluss würde ich gern noch das obligatorische Wordshuffle machen. Ich nenne Dir unterschiedliche Begriffe und Du sagst, was Dir dazu einfällt.

Kaufhalle

„Das ist die ostdeutsche Terminologie für „Supermarkt“. Ich bin in der ehemaligen DDR geboren und bin durch meine Familie sehr ost-sozialisiert. Meine Mutter hat damals immer Wert darauf gelegt, dass ich „Kaufhalle“ statt „Supermarkt“ sage.“

Libanon

„Libanon ist meine zweite Heimat. Damit verbinde ich Familie, Sommerferien, schöne Momente, gutes Essen, Gerüche und Geräusche. Aber auch traumatisierende Erfahrungen, weil ich dort 2006 den Krieg miterleben musste. Damals ist mir auch wieder bewusst geworden wie privilegiert man mit einem deutschen Pass ist, weil man in Sicherheit flüchten kann.“

Sprachen

„Ich spreche deutsch, arabisch, englisch, französisch  und ein bisschen türkisch. Außerdem habe ich Arabistik studiert. Die Vorliebe zu Sprachen kommt zum Großteil dadurch, dass ich Halb-Libanesin bin. Der Libanon ist eine ehemalige französische Kolonie und aus dem Bezirk im Libanon, wo meine Familie lebt, ist es ganz normal, dass sie mindestens arabisch, libanesisch (Dialekt), französisch und englisch sprechen. Das hat mich schon immer sehr fasziniert.“

Temperament

„Wenn ich im Libanon bin habe ich ein ganz anderes Temperament als in Deutschland, einfach durch die andere Sprache und die Gestik. Ich finde das toll und faszinierend welche Rolle da die Sprache und das Umfeld spielen kann.“

Germania

„Germania ist eine tolle Video-Reihe auf YouTube und in der ZDF-Mediathek. Dort werden deutsche Menschen mit Migrationsbiografien vorgestellt, unter anderem auch ich.“

Mut

„Ich hätte früher nie gedacht, dass ich mal so einen Job „auf der Bühne“ mache, weil ich immer eher introvertiert war. Da bin echt über mich hinaus gewachsen und Risiken eingegangen. Mut bedeutet für mich neue Dinge auszuprobieren und sich selbst herauszufordern, das können aber auch kleine Schritte sein.“

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3 Antworten

  1. Ich kenne die Eltern von Aline A. seit fast 40 Jahren, da war an sie noch garnicht zu denken. Daher ist es für mich keine Überraschung, dass sie uns mit ihrer persönlichen Art, Ausstrahlung und beruflichen Ehrgeiz überzeugen kann und beeindruckt. Ich bin wirklich stolz auf sie und Aline steht mit ihrem beruflichen Werdegang oft bei meinen Kindern als Vorbild.
    Alles Gute auch in Zukunft, Aline, beruflich als auch privat.

  2. Hallo Daniel, ich höre wirklich ALLE Deine Podcasts mit immer sehr viel Vergnügen. Aber diesmal muss ich doch mal eine negative Kritik loswerden: erstens war dies nicht wirklich ein Interview, sondern über weite Strecken ein Monolog Deines Gastes. Zweitens war es mehr eine Werbung für ihre Sendungen als ein Beitrag zum Thema “Mut zum Glück”. Ich möchte hier keinesfalls die Leistungen der Moderatorin schmälern, aber meiner Meinung nach war hier das Thema Deines Podcasts verfehlt.

    1. Hallo Patricia,

      vielen Dank für Dein Feedback und es freut mich sehr, dass Du alle Podcasts von mir hörst. Du hast Recht: Diese Folge war thematisch etwas anders. Ich konnte auch meine eigene Art des Interviewens nicht umsetzen. Ich lasse es normalerweise immer laufen und stelle dann die Fragen. Dieses Mal bin ich tatsächlich nicht zu vielen Fragen gekommen.

      Das wurde schon von einigen bei dieser Folge kritisiert. Aber es gab auch schon viel positives Feedback zu dem Interview. Letztendlich war es auch eine Bonus-Folge, die ich zusätzlich zwischen zwei Episoden gebracht habe.

      Thematisch ging es aber durchaus um “Mehr Mut zum Glück” – wenn auch in etwas anderer Form. Da hat letztendlich die Dokumentation von Aline eine wichtige Rolle gespielt. Deshalb sprechen wir auch lange darüber. Wie nehmen junge Menschen in Europa ihr Glück selbst in die Hand?

      Aber keine Sorge: Künftig konzentriere ich mich nur noch auf die persönlichen “Mehr Mut zum Glück”-Interviews mit außergewöhnlichen Geschichten. Das passt deutlich besser zum Ansatz.

      Viele Grüße
      Daniel

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