“Neugier ist ein unheimlich starker Motor um zu wachsen” – Interview mit Mathias Fischedick

Folge: 21

Mathias Fischedick hat in seiner Karriere schon eine Menge erlebt. Erst entwickelte er sich zum Produzenten erfolgreicher Fernsehformate, bevor er sich selbstständig machte. Heute ist er erfolgreicher Business- und Mentalcoach, veröffentlichte vier Bücher, hatte eine Radioshow, macht einen Podcast und ist auf Bühnentour. Was bedeutet Glück für ihn? Und was ist für ihn der Schlüssel für persönliches Wachstum? Darum geht es unter anderem in dieser Folge von “Mehr Mut zum Glück”.
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Inhalt

Überblick Interview Mathias Fischedick

Persönliches Wachstum spielt für viele Menschen eine große Rolle für ein glückliches Leben. Für mich persönlich ist es unheimlich wichtig immer weiter zu wachsen, weil Stillstand in meinen Augen Langeweile bedeutet.

Und wenn wir gelangweilt sind und nicht gefordert werden, entwickeln wir uns häufig zu Jammerlappen, die sich über alles beschweren und aufregen. Das merke ich bei mir, aber habe es im Angestelltenverhältnis auch sehr häufig bei meinen Kolleginnen und Kollegen festgestellt. Genau um die Pole Wachstum, Neugier, Umgang mit Kollegen und natürlich Glück geht es im heutigen Interview.

Damit heiße ich Dich herzlich Willkommen zu einer neuen Folge von Mehr Mut zum Glück. Mein Name ist Daniel Korth und ich habe heute den Business- und Mentalcoach Mathias Fischedick zu Gast.

Ursprünglich kommt Mathias aus der Fernsehwelt, wo er viele Jahre als Produzent gearbeitet hat. Als sich die Branche stark geändert hat, wollte Mathias etwas Neues wagen. Er machte sich selbstständig und wurde zum erfolgreichen Coach. Parallel veröffentlichte er vier erfolgreiche Bücher, hatte eine Radioshow, macht einen Podcast und ist mit seinem Programm „Überleben unter Kollegen“ auf Bühnen-Tour.

Im Interview geht es im ersten Teil über den interessanten Lebensweg von Mathias und im zweiten sprechen wir über Wachstum, Erfolg, den Umgang mit jammernden Kollegen und einiges mehr. Gerade aus dem zweiten Teil des Interview kann sich jeder einige Anregungen für sich selbst holen. Ich habe da einiges mitgenommen.

Shownotes

Präsentiert vom Audible Original “Die Begegnung”

Der Unternehmer und Extremsportler Jochen Schweizer hat jetzt ein neues Audible Original Hörbuch namens „Die Begegnung – Eine Geschichte über den Weg zum selbstbestimmten Leben“ geschrieben.

In dieser außergewöhnlich erzählten Geschichte teilt Jochen Schweizer die Erfahrungen und Erkenntnisse seines Lebens. Er verknüpft Realität und Fiktion und ermöglicht so ein tiefes Verstehen, wie ein Leben ohne Angst und in Freiheit möglich wird. Und der Mann weiß wirklich wovon er spricht.

Wenn du mehr über dieses Audible Original Hörbuch erfahren möchtest, dann schau doch einfach mal hier vorbei. Dort erfährst du alles über das Hörbuch.

Zusammenfassung Interview Mathias Fischedick

Was definierst Du Glück für Dich?

Für mich ist Glück Dinge zu tun, die ich gerne tue, und wenn ich wachsen und lernen darf. Das können große aber auch ganz kleine Dinge sein, wie ein neuer interessanter Auftrag.

In Deinem Leben hast Du schon eine ganze Menge unterschiedlicher Dinge gemacht. Warum spielt Veränderung in Deinem Leben so eine wichtige Rolle?

Ich glaube, weil ich neugierig bin. Das ist mein Motor für Wachstum und Lernen. Das hilft mir auch im Coaching, denn die Menschen spüren, dass ich mich ehrlich für sie und ihre Weltanschauung interessiere.

Du hast 15 Jahre lang beim Fernsehen gearbeitet. Was waren die Gründe Deine Tätigkeit zu beenden?

Rückblickend kann ich es erklären. Damals war es eine reine Bauchentscheidung. Ich weiß heute, dass meine Werte dort nicht mehr erfüllt waren. Seit es die Privatsender gibt, stieg der Druck bei den öffentlich-rechtlichen Sendern, Profit zu machen. Es wurden immer mehr Sendungsformate aus dem Ausland eingekauft, z.B. Wer wird Millionär, und dadurch ging der Freigeist verloren, Neues auszuprobieren.

Mir war klar, dass ich in diesem stressigen Job, nicht die Zeit und Ruhe haben werde, mir zu überlegen, was ich sonst machen könnte. Also habe ich ins Blaue hinein gekündigt. Allerdings bin ich in der Fernseh-Branche bekannt und konnte mich anfangs mit gut bezahlten Berater-Jobs mit relativ wenig Zeitaufwand gut über Wasser halten.

Als ich gekündigt hatte, habe ich mich daran erinnert, dass ich eigentlich mal Psychologie studieren wollte. Ein neues Studium in meinem Alter erschien mir wenig attraktiv, also habe ich stattdessen mehrere Coaching-Ausbildungen absolviert.

Bild: Armin Zedler

Du hast Dich 2007 für die Selbstständigkeit und Coaching-Ausbildungen entschieden. Würdest Du diesen Schritt heute immer noch so machen oder ist dieses Gebiet jetzt durch die Konkurrenz und häufige Abzocke eher ein Minenfeld?

Ich glaube ich würde ihn wieder genauso gehen. Es stimmt, dass Coaching negativ behaftet ist. Ich wurde schon bei Talk Shows abgelehnt und sogar mein Wikipedia-Eintrag wurde als Eigenwerbung eingestuft und schonmal gelöscht. Dabei werden alle Coaches in einen Topf geworfen.

Bei mir kommen 99% der Klienten über Empfehlung oder weil sie mich irgendwo gesehen haben. Sie kommen zu mir, weil sie das Gefühl haben, ich kann ihnen helfen und nicht weil ich „Coach“ bin.

Wie hat Dein Umfeld darauf reagiert?

Meine Eltern waren total offen, weil sie beide selbstständig gearbeitet haben. Meine Mutter als Schauspielerin und mein Vater in der Unternehmensberatung. Auch ehemalige Kollegen vom Fernsehen bringen mir viel Anerkennung entgegen, weil sie auch gerne den Schritt aus der Branche wagen würden, sich aber nicht trauen.

Heute arbeitest Du als Mental- und systemischer Coach. Was kann ich mir darunter vorstellen?

Ich arbeite vor allem als Business Coach für das Zwischenmenschliche: Wie kommuniziere ich richtig? Wie motiviere ich das Team? Wie führe ich richtig? Ganz oft zeigt sich dann, das Privat was im Argen liegt, was wiederum Einfluss auf den Unternehmenserfolg hat. Meistens ist es also eine Mischung aus Privat- und Business-Coaching.

2015 bist Du nochmal kurzzeitig zum Fernsehen zurückgekehrt. Warum gibt es das Format des Karriere-Coaches nicht mehr?

Das war bei „Traumjob gesucht“. Dort haben verschiedenste Branchen wie Friseure, Hotels usw. Bewerber zur Probearbeit eingeladen. Nach ein paar Tagen haben sie dann entschieden, wer eine Ausbildung anfangen darf. Ich wurde als Experte eingeblendet, der das Verhalten der Probearbeiter kommentiert. Ich denke die Sendung gibt es nicht mehr, weil es etwas zu niveauvoll war, um nachmittags auf RTL2 zu laufen.

Lass uns an der Stelle mal über die Verantwortung von Glück und Erfolg sprechen. Gibt es dafür eine Anleitung bzw. bestimmte Faktoren oder sind das die persönlichen Glaubenssätze, die einen daran hindern?

Ich glaube, dass es sehr viel mit den eigenen Glaubenssätzen zu tun hat und dass es ein Irrglaube ist, dass Glück ein Dauerzustand sei. Der Mensch nimmt vor allem Unterschiede wahr und braucht ständige Veränderung. Nur wenn es auch mal schlechte Tage gibt, kann der Mensch gute Zeiten wertschätzen und Glück empfinden.

Wie kann ich mich denn selbst vom Jammerlappen hin zum glücklichen Arbeitnehmer*in transformieren?

Wir denken immer, dass wir so rational wären. In Wahrheit entscheiden wir aber gerade wenn wir gestresst sind, fast ausschließlich emotional.

Das liegt an unseren verschiedenen Gehirnen. Die äußere Großhirnrinde, für rationale Entscheidungen verantwortlich, ist nur in entspanntem Zustand aktiv. In gestresstem Zustand ist vor allem unser Reptilienhirn aktiv und gibt den Auftrag: Kampf oder Flucht. Und vor allem: Keine Risiken eingehen. Früher waren das hilfreiche Überlebensmechanismen. Heute führt das zum Jammerlappen, der sich selbst im Wege steht. Das zu verstehen, ist der erste Schritt.

Hast Du einen Tipp wie ich mein volles persönliches Leistungspotenzial entfalten kann?

Ich bin davon überzeugt, dass wir niemals unser volles Potenzial ausschöpfen – im positiven Sinne! Ich möchte bis zu meinem letzten Atemzug wachsen und lernen. Das Ziel aus meiner Sicht ist also: Sein Potenzial stetig zu entfalten.

Dabei hilft: Neugierig sein und sich selbst infrage stellen. Seminarteilnehmer fragen dann immer „Aber muss ich denn ständig was ändern?“ Meine Antwort: Wenn herauskommt, dass etwas für dich wunderbar funktioniert, dann mach es natürlich weiter so!

Im Job kann man sich seine Kollegen nicht selbst aussuchen. Du hast ein Buch darüber geschrieben namens „Überleben unter Kollegen: Wie die Zusammenarbeit mit Nervensägen gelingt“. Gibt es da tatsächlich ein Patentrezept?

Der Titel ist natürlich etwas provokativ. In meinem Buch stelle ich die WOW-Strategie vor. Das steht für:

  • Wahrnehmung: Was stört mich und warum stört mich das? Wird bspw. ein Wert verletzt wie Wertschätzung oder Effizienz?
  • Offenheit: Dem anderen genau erklären, warum mich etwas stört. Gleichzeitig aber auf offen für seine Meinung zu sein. Oft stellt sich dann heraus, dass es ein Missverständnis ist.
  • Wertschätzung: Jeder von uns hat seine Gründe, warum er so tickt wie er tickt. Es geht darum den anderem auf Augenhöhe zu begegnen. Das heißt nicht, dass man alles hinnehmen muss, aber durch diese drei Schritte hat man eine Vertrauensbasis, um eine gemeinsame Lösung zu finden.

Ein anderer Faktor ist das Thema Stress – gerade in Corona-Zeiten. Wie kann ich mehr schaffen ohne geschafft zu sein?

Guck nicht nur auf das Zeitmanagement, sondern auch auf das Energiemanagement. Es geht darum herauszufinden, zu welchen Tageszeiten man besonders viel Energie hat und was man tun kann, um mehr Energie zu haben.

Damit das auch im Job-Alltag gelingt, hilft es regelmäßig in sich heinzuhören, anstatt ständig im Außen zu sein. Warum geht es mir gut oder nicht so gut? Und dann entweder für sich einfache Lösungen durch kleine Veränderungen zu finden oder aber konkrete Vorschläge im Team offen zu kommunizieren. Aussagen wie „Bei mir im Unternehmen geht das aber nicht“ sind häufig Glaubenssätze und Fälle, in denen die Menschen noch nicht ernsthaft probiert haben, etwas zu ändern.

Dein Leistungspotenzial hast Du mittlerweile voll ausgeschöpft. Parallel zum Coaching hast Du vier erfolgreiche Bücher geschrieben, hast einen eigenen Podcast und eine Radiosendung und gehst mit einem Edutainment-Programm auf Tour. Wie hast Du das geschafft das alles parallel aufzubauen?

Rückblickend bin ich da auch immer erstaunt, wie ich das alles geschafft habe. Bei mir ist das die Begeisterung. Das gibt mir die Kraft und Energie. Ich schreibe zum Beispiel immer dann ein Buch, wenn ich ein neues Thema habe, dass mich begeistert und zu dem ich auch genug zu sagen habe. Und auch weil ich, ganz egoistisch gesagt, Lust habe mich in ein Thema mehr einzuarbeiten.

Bild: Armin Zedler

Hast Du denn mittlerweile Dein persönliches Glück gefunden oder bist Du noch auf der Suche?

Es ist immer ein Wandel. Ich denke gerade über neue Themen nach, über die ich Vorträge halten könnte. So bleibt es für mich immer interessant.

Hast Du noch konkrete Ziele für die kommenden Jahre oder lässt Du alles auf Dich zukommen?

Ich lasse es auf mich zukommen, aber ich plane mehr Firmenvorträge zu machen, sobald das wieder besser möglich ist.

Zum Abschluss würde ich gern noch das obligatorische Wordshuffle machen. Ich nenne Dir unterschiedliche Begriffe und Du sagst, was Dir dazu einfällt.

Freiheit

Für mich ist Freiheit eine weiße Leinwand, auf der man alles entstehen lassen kann, was man möchte.

Geld

Ich bin überhaupt nicht statusgetrieben. Geld hat für mich die Funktion von Sicherheit.

Zauberei

Ich habe als Kind früher gezaubert und im Fernsehen habe ich dazu beraten. Heute habe ich damit aber nichts mehr zu tun.

Egoismus

Wenn er gesund ist, dann ist er gut. Nur wenn es mir gut geht, dann habe ich auch die Energie andere zu unterstützen. Man könnte es auch gesunde Selbstverantwortung nennen.

Zwillinge

Ich habe eine Zwillingsschwester, die Andrea. Sie ist auch selbstständig und schreibt als Marketing-Fachfrau Texte für Fachzeitschriften.

Bestseller-Autor

Das ist eine schöne Bestätigung, dass ich mich selbst Spiegel-Bestseller-Autor nennen kann.

Mut

Da fällt mir eine Geschichte von meiner Coaching-Ausbildung ein. Wenn dort Freiwillige für eine Übung gebraucht wurden, habe ich mich meistens gemeldet. Dann meinte der Ausbilder mal, dass er meinen Mut wertschätzt. Ich habe das gar nicht als mutig gesehen, aber so ist es wahrscheinlich mit vielen Dingen, die ich einfach aus Begeisterung mache.

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Weitere Podcast Folgen

Die Geschichte von David Zimmer ist anders als die der meisten Menschen. Mit 17 brach er im Saarland die Schule nach einem Streit mit dem Direktor kurz vor dem Abitur ab. Damals war er schon Jungunternehmer mit den ersten Einnahmen. Mit 20 war David Zimmer pleite und mit 23 erkrankte er schwer. Von den ganzen Rückschlägen ließ er sich aber nicht unterkriegen und wurde zu einem der erfolgreichsten Gründer in Deutschland. Seine inspirierende Geschichte erzählt er in Folge 11 von “Mehr Mut zum Glück”.