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Überblick Interview mit Dr. Nico Rose
Für die meisten Hörerinnen und Hörer, die mir schon länger zuhören, dürfte es keine Überraschung sein: Ich bin seit über 25 Jahren dem Rock und Heavy Metal verfallen. Daher kommt auch der Name Finanzrocker.
Aus diesem Grund habe ich auch immer mal wieder Musiker in meinen Podcasts zu Gast. Bei “Mehr Mut zum Glück” war es beispielsweise der Gitarrist Dr. Mathias Dieth, dessen Karriere als Musiker in den 80ern bei Gravestone, Sinner und U.D.O. begann und der heute als erfolgreicher Anwalt arbeitet. Die Folge 18 ist eine meiner persönlichen Lieblingsfolgen.
In der aktuellen Folge 29 habe ich versucht die Themen Glück und Heavy Metal miteinander zu verbinden. Was auf den ersten Blick völlig abwegig erscheint, ist auf den zweiten Blick aber doch nicht so weit weg.

Werdegang Dr. Nico Rose: Der Sinnput-Geber
Ich habe heute Dr. Nico Rose zu Gast. Er ist Psychologe mit dem Schwerpunkt positive Psychologie und wohnt in Hamm. Er studierte an der WWU in Münster, der EBS Business School und der University of Pennsylvania BWL und Psychologie.
Nach einer erfolgreichen Zeit in der Personalabteilung von L’Oreal arbeitete er acht Jahre lang als Führungskraft für Bertelsmann – zuletzt als Vice President im Employer Branding. Dort betrieb er High-Potential-Recruiting auf Gruppenebene.
Von 2019 bis Anfang 2022 war er Professor für Wirtschaftspsychologie an der International School of Management (ISM) in Dortmund.
Positive Psychologie in Organisationen
Seit Februar ist er als Autor, Coach, Speaker und Sinnput-Geber für Unternehmen selbstständig. Er zählt zu den führenden Experten für Positive Psychologie in Deutschland. Außerdem gehört er zu den Top-HR-Influencern.
Er coacht Führungskräfte und Unternehmer in Bezug auf Organisation und Unternehmenskultur. In seinen Keynotes und im Workshop verknüpft er regelmäßig die Schnittstelle von HR, Forschung und Mitarbeiter.
Neben der Karriere lebt Nico seine Leidenschaft für Heavy Metal aus und hat das Ministerium für Schwermetall gegründet. Was es damit auf sich hat, erklärt er im Verlauf des Interviews.
Er verknüpfte die Themen Personalmanagement und Heavy Metal schon in Artikeln im Harvard Business Manager, dem Handelsblatt und in seinen Büchern über den Haufe Verlag.
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Heavy Metal und die Kunst des guten Lebens
Mitte Juni hat er das besondere Buch “Hard, Heavy und Happy”* veröffentlicht. Darin geht es um die Kunst des guten Lebens und was harte Musik damit zu tun hat. Für mich war das Buch eine komplett andere Lektüre und willkommene Abwechslung. Ich habe mich auch sehr oft in dem Buch wiedergefunden.
In knapp 70 Minuten sprechen wir über Nicos Karriere, positive Psychologie, sinnvolle Führung und natürlich was Heavy Metal und Glück miteinander zu tun haben. Anlässlich des 2-jährigen Jubiläums von “Mehr Mut zum Glück” gibt es diese etwas andere Folge als Bonus zu hören.
Shownotes Buch „Hard, Heavy und Happy“
- Mehr über Nico Rose erfahren
- Zum Taschenguide „Führen mit Sinn“*
- Zum Fach „Management Coaching und Positive Psychologie“*
- Zum Buch „Heavy Metal Brands“*
- Zum Buch „Laut. Stark. Leben“*
- Zum Buch und Spiegel-Bestseller „Hard, Heavy und Happy“*
- Rose, Nico (Autor)
Zusammenfassung des Interviews mit dem Autor und Experten
Du nennst dich Sinnputgeber – was steckt dahinter?
Der primäre Sinn ist, dass ich damit Neugier wecke. Ich wollte ein Label, das einzigartig ist und zugleich zeigt, was ich tue: Menschen Input zum Thema Sinn geben. Daraus wurde Sinnput – ein Wortspiel aus Sinn und Input. Wenn Leute fragen, was das bedeutet, hat es seinen Job erfüllt.
Was bedeutet dir persönlich Glück?
Mein Glück hat sich verändert. Heute bin ich glücklich, wenn ich das tun darf, was ich wirklich will – beruflich wie privat. Seit ich selbstständig bin, genieße ich die Freiheit, meine Tage frei zu gestalten. Schreiben, Bewegung, Zeit mit der Familie – mehr brauche ich nicht. Früher war Glück oft Ziel, heute ist es Zustand.
Was steckt hinter positiver Psychologie?
Nach einem frustrierenden Beginn im Controlling habe ich angefangen, mich mit Sinnfragen zu beschäftigen. Positive Psychologie fragt nicht, wie man Leid beseitigt, sondern wie Menschen über das Normale hinaus erfüllt leben können. Es geht darum, was vorhanden sein muss, damit Leben gelingt – Nähe, Sinn, Stärke – nicht nur, was fehlt.
Wie lässt sich das in Führung anwenden?
Durch mein Studium in positiver Psychologie habe ich viel über wertschätzendes und stärkenorientiertes Führen gelernt. Gute Führung bedeutet für mich, Menschen Rahmen zu geben, in dem sie wachsen können. Ich sehe mich als dienenden Leader – nicht als Vorgesetzten, der kontrolliert, sondern als Begleiter, der unterstützt, damit andere sich entfalten können.
Warum gibt es sinnvolle Führung so selten?
Weil in Deutschland oft noch ein preußisches Führungsbild herrscht – Regeln, Kontrolle, Pflichterfüllung. Sinnwahrnehmung ist dabei häufig unterbelichtet. Doch Sinn ist ein starker Motivator. Wenn Menschen sagen „Das macht hier alles keinen Sinn mehr“, ist die Energie sofort weg. Sinnvolle Arbeit schützt vor Burnout, stärkt Motivation und wirkt sogar bis ins Privatleben hinein. Wo Sinn fehlt, versiegt Leistung.
- Classen, Sabina (Autor)
Warum der Wechsel aus dem Konzern in die Bildung?
Ich wollte weniger reisen und mehr gestalten. Meine Managementzeit war spannend, aber ich war ständig unterwegs – teils monatelang. Mit kleinen Kindern wurde das schwierig. Außerdem spürte ich kreative Energie, die in der Konzernwelt keinen Platz hatte. Schreiben, Lehren, Reflektieren – das wurde mir wichtiger als Budgets und Kennzahlen.
Wie kam es, dass du dich schließlich vollständig selbstständig gemacht hast?
Ich war schon immer nebenbei selbstständig, zunächst aus praktischen Gründen. Später wurde daraus Leidenschaft. Nach meiner Professur musste ich mich entscheiden: akademischer Weg oder freie Arbeit. Ich habe mich für Letzteres entschieden – wirtschaftlich sinnvoll, aber auch befreiend. Als Professor verdiente ich nur ein Viertel meines früheren Gehalts, musste aber weiter Managerkredite abbezahlen. Jetzt lebe ich freier, wenn auch mit mehr Unsicherheit.
Seit wann begleitet dich Heavy Metal?
Seit meiner Jugend. Mit 14 hörte ich zum ersten Mal Helloween und war sofort elektrisiert. Dieses Gefühl von Geschwindigkeit, Melodie, Energie – das hat mich körperlich gepackt. Ich bin musikalisch mit Rock aufgewachsen, mein Vater war Sportlehrer, wir hörten Stones und Kinks auf Autofahrten zu Tennisturnieren. Der Weg zu härteren Gitarren war vorgezeichnet. Seitdem bin ich Metalhead mit Leib und Seele.
Wie passt Heavy Metal zur positiven Psychologie?
Vielleicht muss er das gar nicht – aber es gibt Schnittmengen. In meiner Studie mit rund 6000 Metal-Fans zeigte sich: Metal ist für viele mehr als Musik. Es ist Emotionsarbeit. Man hört ihn, um Energie zu tanken, Frust rauszulassen oder Traurigkeit bewusst zu spüren. Metal bespielt das gesamte emotionale Spektrum – Lebensfreude, Aggression, Melancholie. Und Live-Konzerte sind wie emotionale Reinigung: laut, wild, aber letztlich friedlich. Für viele Fans ist das Seelenhygiene.
Wie entstand dein Buch über Metal und Glück?
Die Idee kam von einer Lektorin, die mein „Ministerium für Schwermetall“ kannte. Sie fragte, ob man aus der Forschung über glückliche Metalheads ein Buch machen könne. Erst lehnte ich ab – zu speziell, dachte ich. Dann sammelte ich 33 mögliche Kapitelideen und plötzlich war klar: Das Thema trägt. So entstand das Buch über Heavy Metal und die Kunst des guten Lebens.
Wie hast du das Buch strukturiert?
Am Ende wurde es eine Mischung aus Empirie, Interviews und Reflexion. Grundlage war meine Befragung, in der ich analysierte, warum Menschen Metal hören: Emotionsregulation, Gemeinschaft, Ausdruck. Daraus ergaben sich fünf große Themenblöcke – Emotion, Beziehung, Identität, Sinn und Transzendenz. Es ist also kein Fanbuch, sondern ein psychologischer Blick auf Metal als Lebensphilosophie.
Nach welchen Personen hast du für die Interviews ausgewählt?
Mich interessierten Musikerinnen und Musiker, die über ihr Genre hinaus etwas verkörpern. Ein Sänger, der hauptberuflich Krankenpfleger ist. Eine Growl-Pionierin, die gleichzeitig Therapeutin wurde. Ein Lehrer, der gezwungen wurde, seine Bandidentität aufzugeben. Diese Geschichten zeigen, wie eng Musik, Identität und Mut miteinander verbunden sind – und wie gnadenlos konventionell unsere Gesellschaft oft noch reagiert.
Wie reagiert dein Umfeld auf deine Leidenschaft für Metal?
Überraschend positiv. Im Grunde sind Metalheads sehr friedliche Menschen, und wer mich kennt, weiß, dass das nichts mit Rebellion, sondern mit Energie zu tun hat. Ich erinnere mich an meinen 40. Geburtstag im Konzern: Da hat mein Team mein Türschild heimlich umgetauft – aus meiner Berufsbezeichnung wurde „God of Metal“. Es blieb hängen. So etwas zeigt: Man darf man selbst sein, wenn das Umfeld Vertrauen schenkt.
- Rose, Nico (Autor)
Was bedeutet dir Wacken?
Es ist für mich ein Symbol für Gemeinschaft. Ein Ort voller Energie und gleichzeitig Frieden. Menschen aller Hintergründe feiern sich dort gegenseitig. Ich liebe, was die Gründer daraus gemacht haben: Musik, Kultur und Soziales verbinden – mit Projekten, die Kindern, Kranken und benachteiligten Menschen helfen. Für mich ist das gelebte Sinnhaftigkeit – oder neudeutsch: Purpose.
Wie entstand das Ministerium für Schwermetall?
Aus einer Laune heraus. Als in Deutschland das „Heimatministerium“ gegründet wurde, dachte ich: Wenn man Ministerium für Heimat haben darf, darf es auch eins für Schwermetall geben. Ein Freund designte das Logo – Bundesadler mit Pommesgabel – und ich startete eine Seite. Heute ist es eine große Community. Daraus entstand letztlich auch mein Buch. Manche verrückten Ideen wachsen eben weiter, wenn man sie mit Liebe füttert.
Welche Rolle spielten die USA in deinem Leben?
Ich verbrachte dort mein Schuljahr als Austauschschüler. Das war eine dunkle Zeit voller Depression und Selbstzweifel, aber auch der Moment, in dem ich Psychologie entdeckte – ein Fach, das es in Deutschland so kaum gab. Ich wusste danach, dass ich Psychologe werden will. Später kam das Studium in den USA dazu. Das Land ist widersprüchlich, aber es hat mir Perspektive und Tiefe geschenkt.
Trägt Heavy Metal zu deinem persönlichen Glück bei?
Auf jeden Fall. Er macht mich weniger unglücklich – und manchmal sehr glücklich. Ich habe depressive Episoden erlebt, Angst, Schlafstörungen. Musik war mein Rettungsanker. Wenn ich laufe und Iron Maiden live auf den Ohren habe, ist das pure Energie. Metal erlaubt mir, Emotionen zu leben, statt sie zu verdrängen. Ohne die Musik wäre ich nicht der Gleiche.
Hast du dir als Selbstständiger feste Ziele gesetzt?
Ich plane ungern in starren Fünfjahresplänen. Ich denke eher wie ein Surfer: Ich beobachte die Wellen und entscheide, welche ich reite. So entstanden viele meiner Projekte. Die Metalwelle etwa trägt mich gerade weiter, als ich dachte. Sie ist kräftig, echt und voller Leidenschaft.
Was bedeutet dir Mut?
Mut heißt für mich, sich selbst ehrlich zu begegnen. Ich bin kein Draufgänger, kein Abenteurer – aber ich bin bereit, in meine Tiefe zu tauchen. Ich habe viel Zeit in Therapie und Selbsterfahrung investiert, um meine Depressionen zu verstehen. Andere reisen nach außen, ich bin nach innen gereist. Diese Reise war schmerzhaft, aber sie hat mich zu mir gebracht. Genau das ist Mut.
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2 Antworten
Zwar nicht ganz so interessant, wie die Folge mit Mathias „Don“ Dieth, aber Metaller als Gegenstand der Podcasts sind (für mich) immer interessant. (Die meisten deiner anderen Gäste allerdings auch.).
Ich bin über den Finanzrocker-Podcast zu „Mehr Mut zum Glück“ gekommen und habe bis jetzt zwar nicht so viele Folgen davon gehört, aber die, die ich gehört habe, waren alle sehr gut und deine Art, wie du deine Podcasts aufbaust, finde ich sowieso super.
Also vielen Dank auch für diese Folge und ich hoffe auf viele weitere (mit Metallern oder ohne).
Hallo Jörg,
vielen Dank für dein Feedback. Freut mich, dass Dir vor allem die Metal-Folgen gefallen. Wenn ich ein spannendes Thema in dem Bereich finde, versuche ich es auch einzubinden. Sollte aber nicht inflationär sein, weil viele Hörer damit nicht so viel anfangen können. Aber die Geschichte und das Buch von Nico fand ich interessant und mir gefällt das Interview.
Mal schauen, wann ich wieder so ein Thema finde. Für die kommenden Monate gibt es aber erstmal wieder andere Interviews. 🙂
Viele Grüße
Daniel