“Menschen zu begeistern und Emotionen zu erzeugen ist sehr wertvoll” – Interview mit Uwe von Grafenstein

Folge: 3

In Folge 3 von “Mehr Mut zum Glück” interviewe ich den ehemaligen Fernsehproduzenten, Zauberer und Unternehmer Uwe von Grafenstein. Er bewies in seinem Leben schon viel Mut zum Glück und erzählt darüber in dieser Podcastfolge. Ich spreche mit ihm über die Wichtigkeit von Zauberei im Leben, wieso materielle Dinge für ihn immer unwichtiger werden und warum eine Happylist im Leben so wichtig sein kann.

Klicken Sie auf den unteren Button, um den Inhalt von mehr-mut-zum-glueck.podigee.io zu laden.

Inhalt laden

Inhalt

Überblick Interview mit Uwe von Grafenstein

Als ich im April auf der Suche nach Interviewpartnern für “Mehr Mut zum Glück” war, stieß ich durch Zufall auf den Podcast “#Happylist” von Uwe von Grafenstein. Der Titel sprach mich gleich an und ich fing an einige Episoden anzuhören. Mit seiner persönlichen Geschichte sticht Uwe absolut heraus.

Uwe von Grafenstein Er fing an mit einer eigenen Zauberschule, die dank dem Harry-Potter-Hype sehr gut lief. Während der ersten Festanstellungen in München und Wien stellte er fest, dass ihm das Angestelltenverhältnis nicht liegt. So gründete er gemeinsam mit einem Partner eine Fernsehproduktionsfirma, die erstmal ein Jahr lang nicht lief. Dank Durchhaltevermögen und penetranten Nachhaken bei Fernsehsendern kam dann endlich der ersehnte erste Auftrag.

In den Folgejahren wuchs das Unternehmen rasant an und gewann für zwei Formate sogar den Deutschen Fernsehpreis und den Grimmepreis. Der Erfolg war jedoch hart erkämpft und Uwe war an einem Punkt angekommen, wo es nicht mehr ging. So verkaufte er die Anteile am Unternehmen, nahm sich eine mehrmonatige Auszeit in Los Angeles und richtete seinen Fokus auf neue Projekte.

Wir sprechen in einer Stunde über die Wichtigkeit von Happylists, entscheidende Erfolgsfaktoren, Zauberei und natürlich den Mut, seine Ziele zu erreichen.

Shownotes Uwe von Grafenstein

Zusammenfassung des Interviews

Was ist denn eine Happylist? Wie sah Deine Happylist vor 5 Jahren aus? Hat sie sich seitdem stark geändert?

  • Bei der bekannten Bucketlist wird ja vom Tod her gerechnet: Was möchte ich vor meinem Tod alles erlebt haben?
  • Happylist bedeutet für mich nach vorne zu denken. Was will ich mit meinen Leben, beruflich und privat, Stand heute noch alles erreichen? Also was sind meine nächsten Ziele, nicht meine letzten.

In Deinem Kamingespräch vor Studenten hast Du erzählt, dass Du von Glück nicht viel hältst. Was bedeutet Glück denn für Dich? Passt diese Ansicht überhaupt zu einer Happylist oder müsste sie nicht eher Worklist heißen?

  • Das kommt daher, weil viele Menschen aus meinem Umfeld immer sagen „Mensch Uwe, bei dir klappt immer alles!“. Und das ist eben nur die Außendarstellung. Wenn ich alles was gescheitert ist, auch noch erzählen würde, wäre die Geschichte einfach zu lange und würde alle langweilen.
  • Ich glaube nicht so sehr an Glück, sondern daran, dass wenn du viele Türen aufmachst, die Wahrscheinlichkeit höher wird, dass hinter einer was ist, was zu dir passt und funktioniert. Wenn ich 10 Türen aufmache und hinter einer was ist, was für mich funktioniert, fokussiere ich mich darauf. Wichtig ist, sich nicht daran hindern zu lassen weitere Türen aufzumachen, wenn hinter den ersten paar nichts ist.

Im Alter von 8 Jahren hast Du die Zauberei für Dich entdeckt, die auch heute noch eine wichtige Rolle in Deinem Leben spielt. Was hat Dich damals daran so fasziniert?

  • Die Zauberei ist ein Tool, welches dir beibringt vor anderen Menschen zu pitchen. Seien es deine Gedanken, deine Produkte oder deine Überzeugungen. Egal was du tust, du wirst es irgendwann bewerben und pitchen müssen, beispielsweise beim Bewerbungsgespräch oder beim Date. Die Zauberei hat mir da geholfen, vor allem weil ich früher kein großes Selbstvertrauen hatte.
  • Wenn du gelernt hast, wie du Menschen begeistern und Emotionen in ihnen auslösen kannst, dann ist das, glaube ich, etwas sehr wertvolles.

Mit 21 hast Du eine eigene Zauberschule unter sehr widrigen Umständen eröffnet, die dank Harry Potter ein voller Erfolg wurde. Wie kam das?

  • Ich wusste das Timing zu reiten wie eine Welle. Das war vielleicht tatsächlich ein bisschen Glück. Über 5 Jahre lang kamen immer ein neues Buch und ein neuer Film von Harry Potter raus. Entsprechend groß war das Interesse bei Kindern Zauberei zu lernen.
  • Unser Marketing bestand daraus, dass wir uns mit Zauberumhang, Zaubertricks, Werbe-T-Shirts und 500 Flyern vor die Kinos gestellt haben, wo die Kinder Harry Potter gesehen hatten. Das haben wir eine Woche gemacht und die Zauberschule war für ein halbes Jahr ausgebucht.

Warum hast Du Dich nach 5 Jahren entschieden etwas anderes zu machen?

  • Ich hatte damals eine gute Agentur gefunden, die mich als Zauberer auf Messen für 1500 Euro am Tag gebucht hatte. Das war für mich mit 21 Jahren natürlich gigantisch.
  • Nach tausenden von Auftritten habe ich mich gefragt: Wie lange möchte ich das noch machen? Dann habe ich mich erinnert, dass ich schon immer etwas im Bereich Fernsehen und Filme machen wollte.
  • Nach 5 Jahren hatte ich ein Jobangebot für eine Unternehmensberatung für Storytelling und Brand-Management auf sehr hohem Niveau bekommen.

Du bist nach New York gegangen, um auf eine Schauspielschule zu gehen. Über Umwege hat das dann geklappt. Magst Du etwas mehr darüber erzählen?

  • Ich wollte meine Selbstdarstellung und meinen Auftritt weiter verbessern. Ich konnte mich damals aus dem Tagesgeschäft der Zauberschule etwas zurückziehen, hatte Zeit und einen guten Freund in New York.
  • Eigentlich war die Schauspielschule nicht für Externe zugänglich. Wir waren uns aber direkt so sympathisch, dass ich einen Sommerkurs mitmachen durfte.
  • Dort ging es um den Einsatz der Stimme, Modulation, Storytelling usw. Das hilft mir heute in allen Lebensbereichen und auch beruflich weiter.

Danach bist Du in Wien in Deiner einzigen und ziemlich kurzen Festanstellung gelandet. Warum hast Du so schnell auf das Angestelltenverhältnis verzichtet?

  • In München bin ich schon für 10 Monate in Festanstellung gewesen und wurde von dort abgeworben. In Österreich habe ich eine leitende Position in einem deutschen Fernsehproduktions-Unternehmen
    bekommen, die dort ihre Außenstelle hatte. Ich war aber nicht zufrieden damit, wie mit den Mitarbeitern umgegangen wurde. Ich konnte nicht dahinter stehen war aber gleichzeitig sehr weisungsgebunden.
  • Dann hatte ich mich mit einem Freund getroffen und wir haben uns beide über unsere Jobs beklagt. An diesem Abend hatten wir beschlossen unser eigenes Fernsehproduktions-Unternehmen zu gründen und das haben wir dann auch gemacht.
  • Ich habe lieber die Zügel selbst in der Hand.

Durch einen Zufall hast Du mit einem Partner eine Fernsehproduktionsfirma gegründet. Die ersten Monate waren extrem hart. Warum habt Ihr trotzdem auf die Zähne gebissen und es bis zum ersten Auftrag von Pro7 durchgezogen?

  • Pure Verzweiflung. Und stupides „einfach weitermachen“.
  • Wir hatten in den ersten 12 Monaten 4000 Euro verdient durch eine WDR-Produktion, also praktisch nichts.
  • Aus dem Nichts kam dann die Anfrage von Pro7 für die Produktion einer Umstyling-Show. Später haben wir eine Sendung mit Sido („Sido geht Wählen“) gedreht und damit sogar eine Nominierung für den Fernseh-Preis bekommen. Von da an haben uns Menschen wahrgenommen.

In der Folge habt ihr viele Formate auf die Beine gestellt und sogar den Deutschen Fernsehpreis und den Grimmepreis gewonnen. Was war Euer Erfolgsrezept?

  • Wir haben uns die Arroganz geleistet nur Shows zu drehen, die wir auch selber gucken würden. Also kein „Nachmittagsfernsehen“.
  • Wir konnten nicht mit großem Budget oder Technik glänzen, aber wir hatten Zeit. Wir haben uns darauf fokussiert wirklich kreativ zu sein.
  • Wir haben unsere Nische auf das Drehen mit versteckter Kamera und Drohnen gesetzt. Damals gab es noch keine GoPro und Privat-Drohnen und so wurden wir die Anlaufstelle für solche Produktionen.
  • Über 10 Jahre hatten wir das Ganze dann skaliert und konnten auch große Aufträge annehmen. Aber das hat wirklich lange gedauert, was mir mal wieder gezeigt hat: Bei wirklich guten Dingen im Leben gibt es keine Abkürzung!
  • Die Preise haben wir innerhalb von einem Jahr gewonnen für die Shows „Das Lachen der anderen“ und „Applaus und raus“. Durch die Preise gewann das Unternehmen enorm an Bekanntheit und ging durch die Decke!

Die ganzen Erfolge gingen aber zulasten des Privatlebens und Dir ist der Spaß verloren gegangen. Am Ende hast Du Deine Anteile verkauft. Was hat am Ende den Ausschlag für den Verkauf gegeben?

  • Zwei Gründe: Zum einen hatte ich so gut wie alles erreicht, was ich mir als Ziel in der Fernsehbranche vorgenommen hatte und war wirklich fast ausgebrannt, weil es sehr anstrengend war.
  • Zum anderen gab es eine gesundheitlich schwierige Phase in der Familie und ich bin Papa geworden. Das hat mich zum Umdenken bewegt, was eigentlich wirklich für mich zählt.

Du hast Dir dann mit Deiner Familie eine mehrmonatige Auszeit in Los Angeles genommen. Warum war diese wichtig?

  • Hals über Kopf sind wir dann für zwei Jahre nach Los Angeles an den Strand gezogen. Dort haben wir eine andere Art von Reichtum geschaffen, nämlich Erinnerungen!

Seitdem hast Du Dir mehrere Standbeine aufgebaut. Was ist das und wie verhinderst Du einen abermaligen Arbeits-Overkill?

  • Die Zeit in Los Angelos habe ich genutzt, um ganz viel Input aufzunehmen und zu schauen worauf ich Lust habe. Ich war auf Blockchain- und Kryptowährungs-Conventions, habe viele Kontakte aus der Filmbranche getroffen usw. Daraus ist aber nichts direkt entstanden.
  • Meine Frau meinte dann „Du nervst wenn du nichts zu tun hast“ woraufhin ich einen Podcast gestartet habe, bei dem ich inspirierende Persönlichkeiten interviewen darf.
  • Per Zufall habe ich Bernhard Kalhammer kennengelernt. Wir waren sehr ähnlich unterwegs, er hatte auch einen Podcast und hat andere Unternehmer beraten.
  • Ein paar Monate später haben wir eine gemeinsame GmbH gegründet. Dort machen wir zum einen Beratungstätigkeiten, zum anderen haben wir eine Holding, in der wir unsere Firmenbeteiligungen bündeln. Das heißt wir helfen anderen Unternehmern zu skalieren und skalieren selbst.
  • Mittlerweile haben wir auch einen gemeinsamen Podcast „Geschichten, die verkaufen“, der sehr schnell erfolgreich wurde. Wir hatten das Glück, dass Hubspot uns kurz nach dem Start in einen
    Artikel als einen der Top 15 inspirierensten Marketing-Podcasts erwähnt hat und so in der Corporate-Welt bekannt wurden.
  • Parallel zum Podcast gibt es auch einen Online-Kurs mit Live-
    Abschlusstag in München. Dieser Kurs wird vor allem von
    „Corporates“ aber auch von Unternehmern gebucht, die uns von dem
    Hubspot-Artikel kennen.
  • Parallel habe ich in München zusammen mit meiner Frau wieder eine Zauberschule gegründet. Ich wusste schon wie das geht und wollte gerne 1-2 Mal im Monat das an Kinder weitergeben, was mir so geholfen hat. Die sonstige Organisation und das Marketing übernimmt meine Frau.
  • Ein weiteres Projekt ist „My Bali Coffee“ eine Kaffee-Marke, die wir zu einem guten Viertel besitzen. Wir importieren indonesischen Kaffee nach Deutschland und unterstützen den Gründer beim digitalen Marketing.
  • Die Corona-Zeit war für viele dieser Projekte eine große Chance. Wir haben erfolgreich Online-Kurse für „Geschichten, die verkaufen“ und die Zauberschule produziert und vermarktet.

Welche 3 Faktoren waren für Deinen heutigen Erfolg entscheidend?

  • Die Grundlage ist die Fähigkeit meine Gedanken, meine Produkte und
    meine Fähigkeiten zu präsentieren und zu pitchen.
  • Ich bin echt fleißig (auch wenn das öde und nicht nach einem „Hack“
    klingt).
  • Ich lasse mich schwer entmutigen und bin ein Steh-auf-Männchen.

Zum Abschluss würde ich gern noch das obligatorische Wordshuffle machen. Ich nenne Dir unterschiedliche Begriffe und Du sagst, was Dir dazu einfällt. 

Mentor

  • „Es geht meines Erachtens nicht ohne und kann es mittlerweile auch für andere
    sein. Lerne immer von jemanden, der das schon erfolgreich macht, was du
    machen möchtest.“

Los Angeles

  • „Seelenheimat. Will ich irgendwann mal wieder hin.“

Geld

  • „Mittel zum Zweck und Freiheit. Ich kann mir damit den Lifestyle erfüllen, den
    ich mir wünsche.“

Netzwerk

  • „Meiner Meinung nach der einzige wirkliche Wert aus dem du alles machen
    kannst. Du kannst dir daraus Sicherheit und Stabilität ziehen und es positiv
    monetär auswerten. Das zweitwichtigste neben dem Netzwerk ist das Wissen.“

Mentalcoach

  • „Halte ich nicht so viel davon. Ein Coach bringt das raus, was eh schon in dir
    drin ist. Mir hilft eher ein Mentor, der mir neue Impulse gibt.“

Schauspiel

  • „Alles ist Schauspiel und spannend ist es, zu schauen was hinter dem
    Schauspiel ist. Schauspiel ist mein Leben und ermöglicht mir den „quatschigen,
    lockeren“ Zugang zu meinem Sohn. Menschen sind für mich kleine Kinder, die
    alle versuchen erwachsen zu schauspielern. Alle haben Unsicherheiten,
    Frechheiten in sich und machen so auf pseudo-ernst und -seriös.“

Zukunft

  • „Jeden Tag, den du als Zukunft haben kannst, solltest du als Geschenk sehen.
    Ich probiere von der Zukunft immer mehr wegzukommen und immer mehr ins
    Jetzt zu kommen – das ist die Mammutaufgabe meines Lebens.“

2 Antworten

  1. Hallo Daniel,

    dein Interview mit Uwe von Grafenstein war einfach super. Sehr inspirierend und lehrreich. Vielen Dank für diesen großartigen Content, den du erschaffen hast. Egal, ob Finanzrocker, Mut zum Glück oder der Finanzwesir rockt, es ist immer wieder eine Freude, dir und deinen Gästen zu zuhören. Alles Gute für deine zukünftigen Projekte.

    1. Lieber Lars,

      herzlichen Dank für Deinen tollen Kommentar. Freut mich sehr, dass Du an meinen Inhalten solchen Gefallen findest.

      Das Interview mit Uwe von Grafenstein war mal etwas anderes und ich fand, dass sehr viel rüberkam. Wenn es bei den Hörern auch so ankommt, freut es mich sehr. Leider habe ich für die Folge noch nicht so viel Feedback bekommen. Deswegen hab vielen Dank für den Kommentar. 🙂

      Viele Grüße
      Daniel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Weitere Podcast Folgen

Im Premieren-Interview von “Mehr Mut zum Glück” habe ich die Apnoetaucherin Anna von Boetticher zu Gast. Sie hat im letzten Jahr das Buch “In die Tiefe: Wie ich meine Grenzen suchte und Chancen fand” veröffentlicht, das mich beim Lesen nachhaltig beeindruckt hat. Darin geht es in erster Linie um persönliche Entwicklung, die Anna wie kaum eine Zweite vermitteln kann. Wir sprechen im Podcast über ihren etwas anderen Lebenslauf, genutzte Chancen und positive Denkmuster, die einem nachhaltig weiterhelfen.
In Folge 5 von “Mehr Mut zum Glück” habe ich die holländische Country-Musikerin Ilse DeLange zu Gast. Sie hat in ihrer über 20-jährigen Karriere schon eine Menge erlebt und oft viel Mut zum Glück und Erfolg bewiesen. Mit ihr spreche ich darüber, warum sie sich nie von anderen Meinungen hat beeinflussen lassen, welchen Einfluss Corona auf ihr Leben als Musikerin hat und welche Bedeutung Geld für sie hat.