Einfach aussteigen – Warum Nicolas Kreutter sein Leben verändert hat

Folge: 62

Fünf Jahre „Mehr Mut zum Glück“ – das ist ein Grund zum Feiern. Und für dieses Jubiläum habe ich mir einen besonderen Gast eingeladen: Nicolas Kreutter. Er ist vor drei Jahren von Berlin nach Irland ausgewandert, hat sich dort ein neues Leben aufgebaut und inspiriert mit seinem Podcast „Einfach aussteigen“ mittlerweile Zehntausende Menschen, mutige Schritte zu wagen. Dass wir beide beide über Umwege über einen gemeinsamen Bekannten verbunden sind – das zeigt mal wieder, wie klein die Welt wirklich ist.

Inhalt

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Überblick Interview mit Nicolas Kreutter

Warum verspüren so viele Menschen heute die Sehnsucht nach einem anderen Leben? Warum träumen immer mehr davon, auszusteigen, neu anzufangen, das Alte hinter sich zu lassen? Im Podcast „Einfach aussteigen“ geht es genau um diese Fragen – ehrlich, ungeschönt und nah am echten Leben.

Im Gespräch bei Mehr Mut zum Glück erzählt Nicolas Kreutter, wie aus einem erfolgreichen Medienleben in Berlin der Wunsch nach Freiheit wurde, warum er mit seiner Familie nach Irland ausgewandert ist und weshalb Aussteigen nicht Flucht bedeutet, sondern Verantwortung. Dieses „Einfach aussteigen Podcast Interview“ ist kein klassischer Auswanderungsbericht, sondern ein tiefes Gespräch über Mut, Erschöpfung, Freiheit und den Wunsch, wieder im eigenen Leben anzukommen.

Shownotes


Was bedeutet dir Glück, Nicolas?

So starte ich jedes Interview bei „Mehr Mut zum Glück“ – und Nicolas‘ Antwort hat mich sofort eingefangen:

„Glück ist für mich oft eine Momentaufnahme. Es hält nicht sehr lange an. Ich empfinde es meistens, wenn ich draußen in der Natur bin, wenn ich mit meiner Familie, mit meinem Sohn unterwegs bin.“

Das passt gut zu dem Mann, der heute auf dem Land in Irland lebt – mit Schafen vor der Tür, wilden Hasen auf dem Grundstück und dem Meer nicht weit entfernt. Ein Leben, das sich grundlegend von dem unterscheidet, das er viele Jahre geführt hat.

Von der Schweiz über Berlin nach Irland

Nicolas ist in einem kleinen Dorf in der Schweiz aufgewachsen. Früh spürte er, dass ihm das zu eng war – zu klein, zu überschaubar, zu wenig Welt. Mit Anfang 20 zog er nach Berlin, dem damals größten Radiomarkt Europas, und baute sich dort über Jahre eine beachtliche Medienkarriere auf: erst als Radiomoderator, später im Fernsehen als Formatentwickler.

Doch der Preis war hoch. Zwölf-Stunden-Tage, Morningshows ab fünf Uhr morgens, sechs Tage die Woche. Nach sieben, acht Jahren sagte er selbst:

„Ich war ausgebrannt und durch. Und dann kam auch noch eine Kündigung während Corona – und ich habe einfach gemerkt: Das will ich so nicht mehr.“

Was ihn besonders beschäftigt hat: der Betrieb drumherum. Die Parkplätze als Statussymbol, die immer länger werdenden Titel auf Visitenkarten.

„Das hat mir nichts mehr bedeutet irgendwann.“

Warum Irland eine echte Option wurde

Nach der Kündigung saßen Nicolas und seine Frau zusammen und stellten sich die Frage, die viele kennen, aber die wenigsten wirklich beantworten: Was wollen wir eigentlich noch im Leben?

Der erste Plan war Frankreich – Nicolas spricht ein bisschen Französisch, hat Familie dort. Seine Frau hatte andere Vorstellungen. Also wurde es englischsprachig. Südengland stand kurz auf dem Plan, bis seine Frau eines Abends im Netz auf Irland stieß. Beide waren vorher noch nie dort gewesen.

Sie reisten mehrfach hin, auch getrennt voneinander – bewusst, um das Land unabhängig voneinander zu erleben. Ein Tipp, den Nicolas auch seinen Podcast-Hörern mitgibt: Schau dir das Land erst alleine an, bevor du die Entscheidung gemeinsam triffst.

2022 packten sie dann die Koffer und wanderten aus.

Leben auf dem Land statt Großstadt

Heute lebt Nicolas mit seiner Familie im Südosten Irlands – ländlich, still, ursprünglich. Schafe auf den Wiesen, Fasane im Garten, nachts kein Lärm. Ich musste schmunzeln, als er das beschrieb:

„Wir haben hier wilde Hasen, wir haben Fasane, wir haben Schafe, die hier rumlaufen. Du kannst hier nachts bei offenem Fenster schlafen und hörst gar nichts.“

Das ist ein weiter Weg vom Berliner Großstadtleben entfernt – und genau das war gewollt. Dazu kommt: Das Haus, das sie sich in Irland leisten konnten, wäre in Deutschland so nicht möglich gewesen. Ein Grundstück mit Tausenden Quadratmetern, Natur direkt vor der Tür. Sein Arbeitsalltag hat sich komplett verändert:

„Ich arbeite vielleicht noch vier Stunden am Tag. Ich bin viel mehr draußen, am Meer, in den Wäldern. Von einem Burnout bin ich gerade sehr weit entfernt.“

Ankommen ist kein Selbstläufer

Was ich an Nicolas schätze: Er romantisiert nicht. Auswandern nach Irland klingt schön – und ist es auch. Aber ankommen bedeutet Arbeit. Die Menschen in der ländlichen Umgebung fragen sich am Anfang durchaus: Was will der hier? Das kennt er aus eigener Erfahrung, und er erklärt es seinen Hörern immer mit einem einfachen Bild:

„Stell dir vor, in deiner Straße zieht eine spanische Familie ein, die spricht kein Deutsch. Was machst du? Gehst du da hin, lädst du die zum Grillen ein? Jetzt denk mal nach – wenn du die spanische Familie bist. Genau so ist es.“

Auch die strukturellen Themen spart er nicht aus: Irland hat eine ernsthafte Housing Crisis, vor allem rund um Dublin. Viele junge Iren verlassen ihr eigenes Land, weil sie sich das Leben dort nicht mehr leisten können. Das zweistreichste Land der Welt – gemessen an Steuereinnahmen – hat bei den Löhnen und im Wohnungsmarkt noch enormen Nachholbedarf.

Der Podcast „Einfach aussteigen“ – und warum er funktioniert

Den Podcast hat Nicolas parallel zur eigenen Auswanderung gestartet. Nicht als Marketingstrategie, sondern aus einem echten Bedürfnis heraus: Er wollte mit Menschen sprechen, die diesen Schritt schon gegangen waren. Inzwischen hat „Einfach aussteigen“ fast 250 Folgen und ist Deutschlands bekanntester Auswanderer-Podcast.

Was mich im Gespräch besonders berührt hat: Nicolas erzählt von einem ehemaligen Radiokollegen, der jahrelang jedem sagte, mit 50 fährt er mit dem Segelboot um die Welt. Alle haben gelacht. Er wurde 50, kaufte sich ein Boot – und ist seitdem unterwegs.

Oder der Olivenbauer in Sizilien, der vorher als Vertriebsdirektor in NRW komplett ausgebrannt war. Und die Familie, die nach Schweden auswanderte – und trotz aller Schwierigkeiten ihren Traum lebte. Genau diese Ehrlichkeit macht den Podcast so glaubwürdig.

„Im Kern geht es nicht um Auswandern. Es geht um Lebenswege, um Veränderungen. Und da spielt es keine Rolle, ob das im In- oder im Ausland passiert.“


Mut ist manchmal überbewertet

Am Ende des Gesprächs fragte ich Nicolas nach dem Begriff, der bei „Mehr Mut zum Glück“ natürlich nicht fehlen darf: Mut. Seine Antwort überraschte mich:

„Mut ist manchmal ein bisschen überbewertet. Ich glaube, es ist oft wichtiger, gar nicht so viel darüber nachzudenken – sondern einfach loszulegen. Den ersten Schritt machen. Sich rausbewegen.“

Und dann sagt er noch etwas, das ich mir direkt aufgeschrieben habe:

„Ich habe nur eine Regel im Leben: Ich gehe nie zurück. Mal sehen, wo es noch hingeht.“

Das ist kein Motivationsposter-Satz. Das ist eine Haltung, die man spürt, wenn man ihm zuhört.


FAQs zu Nicolas Kreutter und „Einfach aussteigen“

Wer ist Nicolas Kreutter?

Nicolas Kreutter ist Journalist, Radiomoderator, Formatentwickler und Podcast-Host. Er ist in der Schweiz aufgewachsen, lebte fast 18 Jahre in Berlin und wanderte 2022 mit seiner Familie nach Irland aus. Mit „Einfach aussteigen“ betreibt er Deutschlands bekanntesten Auswanderer-Podcast mit inzwischen fast 250 Folgen.


Worum geht es im Podcast „Einfach aussteigen“?

„Einfach aussteigen“ erzählt Geschichten von Menschen, die ihr altes Leben hinter sich gelassen haben – als Auswanderer, Selbstständige oder mutige Querdenker. Nicolas Kreutter spricht mit ihnen über Zweifel, Scheitern, Neuanfänge und das Leben jenseits des Hamsterrads. Neue Folgen erscheinen wöchentlich.


Warum ist Nicolas Kreutter nach Irland ausgewandert?

Nach einem Burnout und einer Kündigung während der Corona-Zeit entschied Nicolas gemeinsam mit seiner Frau, das Berliner Großstadtleben hinter sich zu lassen. Die Wahl fiel auf Irland wegen der englischen Sprache, der ursprünglichen Natur und dem ländlichen Leben im Südosten des Landes – weit weg von Dublin und der dortigen Housing Crisis.

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