„Mit 30 Urlaubstagen im Jahr entdecken wir die Welt“ – Interview mit Adrian und Christoph vom Welttournee-Podcast

Folge: 48

Mit nur 30 Urlaubstagen im Jahr die Welt entdecken? Klingt einfach zu schön, um wahr zu sein, oder? Doch für Adrian Klie und Christoph Streicher vom Welttournee-Podcast ist genau das zur Realität geworden. In diesem Interview habe ich die beiden Weltenbummler getroffen, um ihre Geheimnisse und Tipps zu erfahren. Obwohl es zunächst schwierig erscheint, zeigen sie anschaulich, dass Reisen auch mit begrenzter Zeit möglich ist – man muss nur wissen wie. Lasst euch von ihrem Enthusiasmus anstecken und taucht ein in die faszinierende Welt des komprimierten Reisens!

Inhalt

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Interview mit Adrian und Christoph vom Welttournee-Podcast

Nach einigen tiefgründigen Episoden, die zum Nachdenken anregten, widmet sich die neueste Folge von „Mehr Mut zum Glück“ einem leichten und unterhaltsamen Thema mit dem Schwerpunkt auf Reisen. Hierfür habe ich zwei besonders spannende Gäste eingeladen: Adrian und Christoph sind nicht nur Angestellte mit einem Kontingent von 30 Urlaubstagen pro Jahr, sondern auch leidenschaftliche Globetrotter, die es geschickt verstehen, ihre begrenzte Freizeit maximal auszunutzen.

Sie bereichern die Reisewelt nicht nur durch ihren beliebten Podcast „Welttournee – Der Reisepodcast“, sondern haben kürzlich auch ein Buch veröffentlicht, das Einblicke in ihre zahlreichen Abenteuer gewährt und definitiv eine Leseempfehlung darstellt.

Mit Adrian und Christoph tauchen wir in eine Stunde gefüllt mit spannenden Geschichten und Erfahrungen ein. Wir diskutieren, was Glück für die beiden bedeutet und beleuchten, wie sie die Herausforderung meistern, ihren Beruf mit der Leidenschaft für das Reisen und dem Betreiben ihres Podcasts zu verbinden.

Adrian und Christoph vom Welttournee-Podcast (Foto: Marvin Ruppert)

Darüber hinaus erzählen sie, wie man trotz begrenzter Urlaubstage ein Maximum an Reiseerfahrungen sammelt und warum das Reisen für sie persönlich so wichtig ist. 

Neben diesen spannenden Themen werden wir auch wichtige Aspekte wie Nachhaltigkeit und Sabbaticals ansprechen. Und im Wordshuffle gibt es dann noch eine angeregte Diskussion über Bier. Du siehst: Es sind sehr viele Themen enthalten und das Gespräch mit den Beiden ist sehr unterhaltsam geworden.

Mach dich also bereit für eine Folge voller Anregungen, die dich dazu motivieren könnten, selbst den nächsten Schritt zu wagen und mehr von der Welt nur mit den vorhandenen Urlaubstagen zu entdecken – und nicht nur die Standardziele in Europa. 

Shownotes

Zusammenfassung des Interviews

Was bedeutet euch persönlich Glück?
Adrian: Für mich ist Glück, die kleinen Dinge wahrzunehmen, die einfach funktionieren. Wenn an einem Tag nichts schiefläuft, ist das schon ein Geschenk. Wir sind auf Reisen schon aus haarsträubenden Situationen rausgekommen – einmal sogar aus einem Gefängnis in Mexiko, weil Christoph auf der Straße Bier getrunken hatte. Danach waren wir einfach nur dankbar, wieder draußen zu sein. Solche Momente lehren uns Demut. Reisen zeigt, unter welchen Bedingungen Menschen anderswo leben. Wenn man dann sieht, dass man Zugang zu sauberem Wasser und einen Reisepass in der Schublade hat, der einem überall Türen öffnet, erkennt man, wie privilegiert man ist.

Wie schafft ihr es, Job, Podcast und Reisen mit nur 30 Urlaubstagen zu verbinden?
Christoph: Planung ist unser Zauberwort. Jede Minute, die man zu Hause klug investiert, spart unterwegs Stunden. Wir kümmern uns vorab um die kleinen Dinge – wo fährt der Bus, wo bekommt man Tickets –, damit wir vor Ort wirklich erleben können.
Adrian: Außerdem reisen wir anders, als man es oft beigebracht bekommt. Wir kombinieren lieber mehrere Länder in drei Wochen – Laos, Vietnam, Kambodscha, Thailand – statt nur eines intensiv. Dabei lassen wir bewusst Dinge weg. Man muss nicht jeden Tempel sehen, um ein Land zu verstehen. Wichtig ist, mit den Menschen in Kontakt zu kommen. Wir reisen leicht, nur mit Handgepäck, und übernachten gern bei Privatpersonen. In kleinen Kneipen oder Bars kommt man mit den Leuten ins Gespräch – das sind die Erlebnisse, die hängen bleiben.

Wie kam es zum Welttournee-Podcast?

Wie seid ihr auf die Idee für den Podcast gekommen?

Christoph: Wir kennen uns seit Schulzeiten und haben schon immer zusammen gereist. Auf jeder Party erzählten wir dieselben Geschichten – irgendwann sagte ein Freund: „Nehmt das doch mal auf, dann muss ich’s nicht immer wieder hören!“ Also haben wir uns, leicht angetrunken, dazu entschieden, das am nächsten Morgen zu machen. Ende 2018 saßen wir bei Adrians Eltern auf der Diele, haben das erste Mal aufgenommen – ohne großen Plan, einfach aus Spaß.
Adrian: Timing war alles. Die Podcast-Welt war damals noch kleiner, persönlicher. Unser Konzept war simpel: Wir reden so, wie wir reisen. Später bemerkten wir, dass das wie ein gesprochenes Fotoalbum ist – eine Sammlung unserer Erinnerungen. Wenn ich mir vorstelle, das eines Tages als alter Mann anzuhören, gefällt mir der Gedanke sehr.

Hat euch der Influencer-Lifestyle nie gereizt?

Christoph: Ehrlich gesagt, nein. Reisen ist für uns deshalb so besonders, weil es nicht alltäglich ist. Wir sind Mitte dreißig, und dieser Zauber bleibt nur, wenn man ihn nicht übertreibt. Wir freuen uns immer noch wie kleine Kinder, wenn wir in einen Nachtzug steigen und am nächsten Morgen in einem anderen Land aufwachen. Wir mögen unsere Jobs, und wir brauchen sie als Anker. Dass man auch mit 30 Urlaubstagen um die Welt kommen kann, ist gerade unser Reiz – kein Dauerurlaub, sondern bewusste Auszeiten.
Adrian: Ich habe das im Auslandssemester gelernt. Acht Monate Sonnenschein in Kalifornien – und plötzlich fehlt einem der Wechsel der Jahreszeiten. Wenn alles selbstverständlich wird, verliert es an Bedeutung. Genauso beim Reisen: Wenn ich weiß, im Januar beginnt ein frischer „Rucksack“ voller Urlaubstage, erzeugt das Vorfreude. Dann wird eine Wochenendreise zum Skifahren zum Highlight, nicht zur Routine.

Wie viel Mut braucht es, eure Art des Reisens umzusetzen?

Christoph: Eine gewisse Portion Mut gehört dazu. Wir sind nicht nur an der Playa de Palma unterwegs gewesen. Orte wie Nicaragua oder Turkmenistan waren schon sportlich – fremde Sprachen, ungewohnte Schriften, und als Norddeutsche fallen wir natürlich auf. Aber genau das macht den Reiz aus.
Adrian: Mut wächst mit der Erfahrung. Früher wurde ich schnell nervös, wenn ich die Kontrolle verlor. Heute denke ich: Das wird schon. Reisen verschiebt Grenzen. Wir planen sogar unsere Komfortzonen: In Asien starten wir mit Taiwan, wo alles funktioniert, und steigern uns dann bis nach Myanmar. So wie bei Achterbahnen – man fängt mit der Kleinen an und steigert sich langsam. Wirklich Neues erlebt man nur jenseits der Bequemlichkeit.

Welche Länder haben euch am meisten gefordert?

Christoph: Vor allem dort, wo kein Englisch gesprochen wird. In Chinas Vororten oder in den zentralasiatischen „Stans“ wird’s schnell abenteuerlich. Turkmenistan etwa – zwei Busse am Tag, aber keine Abfahrtszeit. Man wartet einfach, bis einer kommt. Dafür sind die Menschen unglaublich hilfsbereit. Auch Indien war trotz aller Erwartungen ein Schock im positiven Sinn. Und die Ukraine hat uns überrascht – unglaublich organisiert, freundlich, vielseitig.
Adrian: Turkmenistan würde ich keinem Reisanfänger empfehlen. Aber solche Länder zeigen, dass man mit Geduld, Händen und Lächeln weiterkommt. Genau das macht das Reisen so menschlich.

Reisen im Sabbatical

Was haltet ihr von Sabbaticals?

Christoph: Wir finden die Idee interessant, aber für uns passt sie nicht. Wir mögen unsere Arbeit und brauchen diese Balance. Viele Menschen glauben, ein Sabbatical löse alle Probleme, und kehren dann enttäuscht zurück. Für manche ist es das Beste überhaupt – aber wir leben lieber in einem Rhythmus, in dem Reisen eine Belohnung bleibt, kein Alltag.
Adrian: Ich sehe das genauso. Glück entsteht bei mir vor allem dann, wenn ich mich auf beides freuen kann – auf das Zuhause und auf das Draußensein.

Wie hat sich Corona auf eure Reisen und den Podcast ausgewirkt?

Adrian: Es hat uns gezeigt, wie spannend das Naheliegende ist. Wir haben jedes Bundesland bereist, Orte entdeckt, die wir sonst nie beachtet hätten – das Weserbergland kann landschaftlich locker mit Norwegen mithalten, nur mit günstigerem Bier.
Christoph: Gleichzeitig haben wir gelernt, dass Reisen kein Fernziel braucht. Neue Nachtzüge, Fahrradreisen, spontane Trips – alles wurde lokaler, aber nicht weniger intensiv. Unser Podcast hat in dieser Zeit enormen Zulauf bekommen, weil viele dieses Gefühl von Abenteuer im Alltag suchten.

Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit beim Reisen für euch?

Adrian: Wir sind ehrlich – klimaneutrales Reisen gibt’s für uns kaum. 120 besuchte Länder hinterlassen Spuren. Aber wir versuchen, CO₂ zu reduzieren, Routen zu bündeln, nur einmal zu fliegen und vor Ort mit dem Nachtzug weiterzufahren. Noch wichtiger ist, Tourismus bewusster zu leben: keine Hotspots überlaufen, lokale Anbieter unterstützen, weniger Einwegprodukte.
Christoph: Privat achten wir auf Ausgleich – BahnCard statt Auto, wenig Fleisch, regionale Produkte. Kompensation ist gut, aber kein Freifahrtschein. Es geht um Reduktion, nicht nur um Ablasshandel. Europa ist dabei unser Schatz: 47 Länder, 24 Sprachen, unzählige Kulturen, alles mit dem Zug erreichbar – das wird oft unterschätzt.

Wie entstand euer Buch?

Adrian: Es war die logische Folge des Podcasts. Der Verlag kam auf uns zu, und wir wollten mehr als ein Reisetagebuch schreiben – Geschichten erzählen, die Mut machen. Es geht um vieles, was wir unterwegs gelernt haben: Humor, Improvisation, Menschlichkeit. Auch kleine Pannen gehören dazu – etwa, im Bus ohne Toilette zu sitzen, nachdem man drei Bier hatte.
Christoph: Uns war wichtig zu zeigen, dass man nicht alles stehen und liegen lassen muss, um die Welt zu entdecken. Man kann sie erleben und trotzdem im normalen Leben bleiben.

Was steht bei euch als Nächstes an?

Adrian: Wir wollen dieses Gefühl von Freude behalten und mit auf Tour nehmen. Unsere Liveshows sind wie eine Verlängerung des Podcasts: Da sehen wir endlich die Gesichter hinter den Stimmen, trinken nach der Show ein Bier und hören Geschichten zurück. Das ist großartig.
Christoph: Und natürlich wollen wir weitermachen – 194 Länder sind das Ziel, jedes auf unsere Art. Mark Forster hat mal gesagt: „Ich will irgendwann überall gewesen sein.“ Das trifft’s gut. Solange es uns Spaß macht, bleibt unser Motto: Rucksack packen, Mikro an, losfahren.

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