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Wer ist Tobias Harms?
Tobias Harms ist IT-Fachmann im Bereich Cybersecurity, Auswanderer und Content Creator. Er wuchs in Augsburg auf, studierte BWL in Dresden und lebte danach in Portugal, Slowenien, Holland und fünf Jahre in Frankfurt – bevor er im Sommer 2024 mit seiner amerikanischen Frau nach Miami zog. Dort lebt er in einem Hochhaus im 39. Stock direkt an der Küste, arbeitet remote für seinen amerikanischen Arbeitgeber und baut nebenbei einen Instagram-Kanal auf, auf dem er über das Leben in den USA berichtet.
Shownotes
- Zum Instagram-Kanal von Tobias
- Zum ersten USA-Interview bei MMzG mit Erik von Weltwach
- Zum ausführlichen Interview mit Dr. Dirk Rohrbach über die USA
- Zum ersten USA-Roadtrip im Finanzrocker-Podcast
- Zum zweiten USA-Roadtrip im Finanzrocker-Podcast
Was bedeutet Glück?
Tobias Harms’ Antwort auf die Glücksfrage ist so ehrlich wie sein ganzer Weg:
„Glück ist kein Ziel, sondern für mich eine konstante Reise und Begegnung. Jedes Mal, wenn ich meine Komfortzone gepusht habe, war das ein Weg zu meinem persönlichen Glück.”
Als Teenager war er schüchtern, introvertiert und – trotz privilegierter Herkunft – irgendwie unglücklich. Der Ausweg: raus aus der Komfortzone. Erst aus dem Elternhaus, dann aus Deutschland, dann aus Europa. Nicht weil ihn die Abenteuerlust trieb, sondern weil er bemerkte, dass Wachstum und Unbehagen immer gemeinsam auftreten.
Kuba, Portugal, Slowenien: Eine Lehrzeit in Privilegien
Bevor Miami kam, kam eine Dekade voller Stationen, die Tobias mehr über die Welt lehrten als jedes Studium.
Kuba 2014: Acht Monate in einem Land, in dem das Durchschnittseinkommen bei 30 Dollar im Monat liegt:
„Wenn du in Kuba bist und die Leute reden, dann ist die einzige Perspektive, die sie haben, irgendwie aus dem Land herauszukommen. Das öffnet einem so ein bisschen die Augen.”
Slowenien: Zufällig entdeckt, überraschend geliebt:
„Es ist so ein bisschen die Schweiz des Balkans. Sehr sauber, relativ wohlhabend. Ich habe es tatsächlich genossen – war sehr cool.”
Holland: Erster Job, erstes echtes Auslandsjahr als Berufstätiger.
Dann fünf Jahre Frankfurt – Sicherheit, Routine, gutes Gehalt. Und eine Amerikanerin, die sein Leben auf den Kopf stellte.
Die Hochzeit in Gibraltar – oder: Wie viel Bürokratie steckt in einem Ja?
Tobias’ Frau kam im Sommer 2022 nach Deutschland. Zwei Wochen später lernten sie sich per Tinder kennen. Ein Jahr danach zogen sie zusammen. Im April 2024 heirateten sie – allerdings nicht in Frankfurt, nicht in Dänemark, sondern in Gibraltar. Und das war kein romantischer Plan, sondern das Ergebnis eines bürokratischen Hindernisparcours:
„Ich habe mir gedacht, okay, gehst du ins Standesamt, heiratest halt. Aber du brauchst dann halt ein Ehefähigkeitszeugnis, wenn du kein deutscher Staatsbürger bist. Sowas gibt es halt auch nur in Deutschland – in den USA gibt es es nicht.”
Deutschland zu aufwendig, Dänemark wegen eines Formfehlers in der Bewerbung blockiert – Gibraltar blieb als praktische und dabei wunderschöne Lösung:
„Gibraltar kann ich jedem empfehlen. Alles ist auf Englisch, relativ unkompliziert, und die Dokumente meiner Frau wurden problemlos anerkannt.”
Was danach folgte, war kaum einfacher: Bonafide-Ehe nachweisen nach zwei Wochen Ehe – mit komplettem WhatsApp-Chatverlauf, Mietvertrag, drei Referenzschreiben von Freunden, allen Wohnorten seit dem 18. Lebensjahr, allen Telefonnummern, E-Mail-Adressen und Social-Media-Profilen. Kosten: mehrere tausend Dollar. Ergebnis: das Visum – innerhalb von drei Monaten, dank eines Sonderwegs über die US-Botschaft in Deutschland.
„Ein Mann, den ich beim Visainterview traf, wartet seit vier Jahren auf seine Greencard. Das hat mir gezeigt, wie privilegiert ich bin.”
Miami: Das Leben ohne Netz
Seit Juli 2024 lebt Tobias in Miami – in einem Wolkenkratzer im 39. Stock, direkt an der Küste, mit Sauna, Fitnessstudio und 27 Grad im November. Klingt perfekt. Ist es auch – mit offenen Augen betrachtet.
Was überrascht hat:
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Sicherheit: „Ich fühle mich hier in Miami teilweise sicherer als in Frankfurt.”
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Kosten: Benzin 80 Cent pro Liter, Kilowattstunde 6 Cent, Krankenversicherung durch den Arbeitgeber komplett abgedeckt – aber Lebensmittel teurer, Miete 4.100 Dollar kalt.
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Credit Score: Ohne Kreditgeschichte bekommt man 500 Dollar Kreditrahmen – und darf davon maximal 150 ausgeben, um den Score nicht zu beschädigen. „Das ist nichts, ja genau.”
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Hire and Fire: „Ich habe erlebt, dass ein Kollege im Management eines Tages einfach nicht mehr da war, kompletten Access verloren hatte. Die Leute sind deshalb auch ein bisschen ängstlicher.”
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Mieterschutz: Keiner. Nach einem Jahr kann der Vermieter die Miete auf jeden Betrag anheben. Es gab Fälle in Miami, wo Mieten sich über Nacht verdoppelten.
„Die Nähe nach unten ist hier sehr real. Solange du keinen Job und kein Netzwerk hast, bist du relativ nah an der Obdachlosigkeit – auch wenn du gut verdient hast.”
Gehaltsplus, Altersvorsorge, Eigenheim – das andere Amerika
Was Tobias am meisten überraschte, war die Finanzperspektive:
„Ich habe ungefähr das gleiche Gehalt wie in Deutschland, aber ich habe ungefähr 2.000 Dollar mehr im Monat.”
Der Grund: weniger Steuern, keine Kirchensteuer, kein Solidaritätszuschlag. Dazu kommt der 401k – die US-amerikanische Altersvorsorge, bei der Einzahlungen direkt vom Bruttogehalt abgehen und alle Erträge steuerfrei bleiben:
„Wenn du da 30, 40 Jahre immer in einen ETF einsparst, kommt da natürlich ein gewaltiges Sümmchen zusammen.”
Auch der Immobilienmarkt in Miami rechnet sich anders als erwartet: Für 500.000 bis 600.000 Dollar bekommt man ein gutes Haus. Kombiniert mit niedrigeren Einkommenssteuern ergeben sich deutlich mehr Möglichkeiten zum Vermögensaufbau als in Deutschland – vorausgesetzt, man bleibt gesund und behält den Job.
Arbeitskultur: Support statt Skepsis
Einer der auffälligsten Unterschiede für Tobias ist nicht Hire-and-Fire, sondern etwas Subtileres:
„In den USA sagst du, du machst irgendwie ein Side-Business, und die Leute sagen: oh geil, mach das, ich supporte dich. In Deutschland ist es: Hä, wieso machst du das? Was bist denn du für ein Idiot?”
Diese Haltung hat ihn verändert. In Deutschland hätte er seinen kleinen Instagram-Kanal vielleicht nicht gestartet. In Miami hat er es getan.
Hurrikan, Politik und das tägliche Leben
Den Hurrikan-Herbst 2024 hat Tobias in Miami erlebt – sein Hochhaus blieb verschont, während die Westküste Floridas schwer getroffen wurde. Die politische Stimmung in Florida: tiefrot, Tabuthema, null Diskussion am Arbeitsplatz.
„Man sieht hier überall noch Trump-Fahnen. Es ist ein Tabuthema – auch in der Arbeit wird null über Politik gesprochen.”
Was ihn dabei nachdenklich stimmt: Die Frontenverhärtung, die er in den USA sieht, kommt ihm zunehmend bekannt vor.
„Die USA ist so ein, zwei Jahre voraus – und jetzt in Deutschland ist es fast genau das Gleiche.”
Tobias’ Rat: Macht es. Jetzt.
Mit 35 Jahren hat Tobias Harms seinen Schritt bewusst gewählt – und er weiß, warum er ihn jetzt gemacht hat:
„Wenn ich noch mal fünf Jahre gewartet hätte, dann hat man Kinder, und ich weiß nicht, ob ich das dann noch gemacht hätte.”
Seine Botschaft ist keine Aufforderung zum radikalen Auswandern, sondern zur kleinen Überwindung:
„Wenn ihr ins Ausland gehen wollt, wenn ihr denkt: Soll ich ein Sabbatical machen? Macht das. Nehmt den Mut dazu. Wenn man sich ein bisschen unwohl fühlt, aber man würde es gerne machen – macht es.”
Wordshuffle: Tobias Harms in Schlagworten
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Mülltrennung – „Sehr verbesserungswürdig in den USA. Im Restaurant Papptellerund Plastikbesteck – das ist wirklich überspitzt, aber leider real.”
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Key West – „Wirklich traumhaft schön, ein Paradies. Sehr touristisch, sehr teuer – aber einmal muss man da gewesen sein.”
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Thanksgiving – „Ein riesiges Familienfest, das ich so nicht kannte. Wir hatten drei Tage frei, alle Supermärkte zu – surreal schön.”
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Slowenien – „Komplett random entdeckt und total unterschätzt. Die Schweiz des Balkans. Wer noch nie dort war: hingehen.”
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Digitalisierung – „Spannender Widerspruch: In den USA wird KI erfunden – aber zur Hochzeit haben wir Checks auf Papier bekommen.”
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Mut – „Vor allem wenn man älter wird, wird es schwerer. Wenn du etwas tun willst und dich ein bisschen unwohl fühlst – genau das ist das Zeichen. Mach es.”
Du denkst selbst über eine berufliche Auszeit nach? In unserem Sabbatical-Guide erfährst du, wie du dein Sabbatical planst, finanzierst und beim Arbeitgeber durchsetzt.
FAQs zu Tobias Harms
Wer ist Tobias Harms?
Tobias Harms ist IT-Fachmann im Bereich Cybersecurity und Auswanderer aus Augsburg. Er lebte u. a. in Kuba, Portugal, Slowenien und Holland, bevor er 2024 mit seiner amerikanischen Frau von Frankfurt nach Miami zog. Dort arbeitet er remote für seinen amerikanischen Arbeitgeber und berichtet auf Instagram über das Leben in den USA.
Warum ist Tobias Harms nach Miami gezogen?
Seine Frau, eine Amerikanerin, wollte nach zwei Jahren in Deutschland zurück in die USA. Ausschlaggebend waren ihre Familie, das Gehaltsplus von rund 50% und das Wetter. Tobias selbst war fasziniert von den USA und wollte den Schritt machen, solange noch keine Kinder da waren.
Wie schwierig war der Umzug in die USA für Tobias Harms?
Sehr komplex. Tobias und seine Frau heirateten in Gibraltar, weil Deutschland und Dänemark bürokratisch zu aufwendig waren. Das Visum lief über die US-Botschaft in Frankfurt und dauerte drei Monate. Sie mussten eine Vielzahl an Dokumenten einreichen, um die eheliche Absicht nachzuweisen – inklusive des kompletten WhatsApp-Chatverlaufs.
Was sind die größten Unterschiede zwischen dem Leben in Deutschland und den USA?
Tobias nennt: deutlich niedrigere Einkommenssteuern, bessere Altersvorsorge durch den 401k, aber kein soziales Netz, kein Mieterschutz und keine Arbeitslosenversicherung der Rede wert. In Florida bekommt man als Arbeitsloser 200 Dollar pro Woche – für maximal vier Wochen.
Was empfiehlt Tobias Harms jemandem, der ins Ausland ziehen möchte?
Einfach machen – und zwar jetzt. Mit zunehmendem Alter und familiären Verpflichtungen wird die Schwelle höher. Tobias’ Erfahrung: Jedes Mal, wenn er seine Komfortzone verlassen hat, hat er gewonnen. Nicht immer finanziell, aber immer als Mensch.
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