Podcast auf allen Plattformen
Hier findest du “Mehr Mut zum Glück” auf allen Plattformen zum Download
3 Highlights aus dem Gespräch
- Warum Mumbai für Jessica sicherer ist als Düsseldorf – und was Arm und Reich in Indien wirklich bedeutet
- Der größte Kulturschock: wenn die IKEA-Couch nicht kommt und die ganze Denkweise auf den Kopf gestellt wird
- Was das Leben in Indien über Resilienz, Akzeptanz und Selbstsicherheit lehrt – Dinge, die man woanders nicht lernen kann
Wer ist Jessica Rode?
Jessica Rode ist Marketing- und Managementexpertin mit über zwölf Jahren Erfahrung in der Konsumgüterindustrie. Sie studierte in Mannheim, sammelte frühzeitig Auslandserfahrung in Singapur und lebte sowie arbeitete vor ihrer Zeit in Indien in Paris.
Seit April 2023 lebt sie in Mumbai, wo sie als General Managerin eines internationalen Kosmetikkonzerns tätig ist und ein Team aus überwiegend indischen Kolleginnen und Kollegen leitet – darunter viele Gen-Z-Mitarbeitende, von denen sie nach eigener Aussage täglich lernt. Auf LinkedIn teilt sie regelmäßig Einblicke in ihr Leben in Mumbai und erreicht damit ein breites Publikum, das über ihre Beiträge weit über ihr berufliches Netzwerk hinausgeht.
Shownotes Jessica Rode
- Zum LinkedIn-Profil von Jessica
- Zum erwähnten Video von Seltix über den Kulturschock in Mumbai
- Zum Interview mit Sabbatical-Mutivatorin Nina Kuhlmann
Warum Mumbai? Die Entscheidung zum Auswandern nach Indien
Für viele klingt ein Umzug von Düsseldorf nach Mumbai nach einem radikalen Schritt ins Unbekannte. Für Jessica Rode war es das Ergebnis einer langen Affinität für Indien, die schon in ihrer Kindheit begann: „Meine Eltern mussten mich seit ich Kind war jeden Sonntag in das indische Restaurant unserer Kleinstadt mitnehmen, weil ich indisches Essen so sehr liebe.“ Nach einem Auslandssemester in Singapur, zwei Reisen nach Indien vor dem Umzug und dem Wunsch, etwas „komplett außerhalb meiner Komfortzone“ zu erleben, war die Entscheidung gereift.
Auch die Vorbereitung war bewusst: Im Januar 2023, drei Monate vor dem eigentlichen Umzug im April, reiste Jessica vier Wochen durch Indien. „Das hat geholfen, ein Verständnis für Land und Leute zu entwickeln. Aber es war auch mein Startpunkt, mir zu überlegen, was ich erreichen will, wenn ich nach Mumbai gehe – und wie ich hier leben möchte.“
Besonders hilfreich für die mentale Vorbereitung war ein Kulturtraining, das ihr eine entscheidende Unterscheidung näherbrachte: „In Deutschland committen wir uns zu einem Ergebnis. In Indien committen sich Menschen eher zur Absicht, etwas zu versuchen – nicht unbedingt zum Ergebnis.“ Dieser eine Satz, so Jessica, hat ihr mehr geholfen als alles andere.
Leben in Mumbai: Arm und Reich, Lautstärke und Lebenslust
Mumbai ist eine Stadt der Extreme – das ist keine Floskel, sondern das tägliche Erleben von Jessica Rode. Sie wohnt in einer Gated Community im 38. Stockwerk mit Blick auf das Arabische Meer. Rechts und links davon: Familien, die auf der Straße leben. Das teuerste Privathaus eines Milliardärs der Welt steht in Mumbai – ebenso wie der größte Slum Asiens. „Man kann in Mumbai 30 verschiedene Leben leben, je nachdem, was man gerade möchte“, sagt Jessica. „Für 10 Cent kannst du auf der Straße fantastisches Essen bekommen. Oder du gehst in eines der zehn Restaurants, die diese Woche neu eröffnet haben.“
Die Stadt schläft nicht – Mumbai wird oft als das New York Indiens bezeichnet, auch weil es das Finanzzentrum des Landes ist und die höchste Dichte an Milliardären beherbergt. Gleichzeitig zahlen nach Jessicas Angaben nur etwa 1 Prozent der indischen Bevölkerung Steuern. „Es ist ein Land der Extreme. Alles ist hier von einem bis ins andere Extrem – man erlebt jeden Tag alles.“
Dass man in Mumbai als Frau alleine abends ausgehen kann, ohne sich unsicher zu fühlen, überraschte Jessica positiv: „Ich fühle mich hier deutlich sicherer als wenn ich alleine in Deutschland unterwegs bin. Ich stehe hier mit meinem Handy auf der Straße – das würde ich mich in Düsseldorf niemals trauen, da wäre das Handy weg.“ Sie betont aber ausdrücklich: Das gilt für Mumbai. Andere Regionen Indiens können sich völlig anders darstellen.
Kulturschock in Indien: Was wirklich überwältigt
Der größte Kulturschock war für Jessica nicht das offensichtliche Chaos, sondern die Kurzfristigkeit. Ihr erstes echtes Überforderungsmoment: Eine bestellte IKEA-Couch mit Schlaffunktion – die einzige Schlafmöglichkeit in der noch möbellosen Wohnung – wurde am Liefertag um 16 Uhr auf den nächsten Tag verschoben. „Was macht man in der Situation? In Deutschland weiß man, dass die Lieferung an dem Tag kommt. Hier kann sich vieles kurzfristig ändern, und das hat mich am Anfang überfordert.“
Auf der anderen Seite erlebt Jessica auch, wie viel in Mumbai in kürzester Zeit möglich ist. Als ihr WLAN im Januar ausfiel, schrieb sie dem Service morgens um vier Uhr. Um acht Uhr standen Techniker vor der Tür und reparierten es. „Hätte mein WLAN in Deutschland nicht funktioniert, hätte ich drei Wochen ohne Internet da gestanden. Hier war das Thema in Stunden gelöst.“
Nach anderthalb Jahren zieht Jessica ein klares Fazit: „Es gibt nichts auf der Welt, was mich noch aus der Ruhe bringt. Man lernt wirklich Akzeptanz und die Dinge so zu nehmen, wie sie in dem Moment sind.“
Arbeiten in Indien: Was General Managerin Jessica über Arbeitskultur gelernt hat
Der Arbeitsalltag in Mumbai unterscheidet sich spürbar von dem in Deutschland. Büros öffnen in der Regel erst gegen 10 Uhr – was Jessica als echten Vorteil erlebt: „Ich war vorher absoluter Sportmuffel. Durch die späteren Zeiten schaffe ich es jetzt jeden Morgen um sieben zum Sport zu gehen.“
Was sie fasziniert: Die Geschwindigkeit, mit der in Mumbai Dinge auf die Beine gestellt werden. „In Deutschland plane ich eine Kampagne sechs Monate vorher, hier vielleicht zwei, drei Monate vorher – und ich bin immer wieder fasziniert, was mein Team in so kurzer Zeit auf die Bühne bringt.“
Gleichzeitig ist die Grenze zwischen Arbeit und Freizeit fließend. Viele Unternehmen haben eine Sechstagewoche, Kollegen haben oft zwei Jobs. „Jeder hat hier mindestens einen Hauptjob und irgendein Start-up oder Nebenprojekt. Dieses Bild vom Tellerwäscher zum Milliardär – das ist hier real präsent.“
Ihr Team besteht überwiegend aus Gen-Z-Mitarbeitenden. „Die sind meine Mentoren für alles, was ihre Generation angeht. Letztens hat mir jemand aus meinem Team Snapchat erklärt – da war ich sehr dankbar.“ Jessica betont, wie wertvoll der gegenseitige Austausch über Generationsgrenzen hinweg ist – im besonderen kulturellen Kontext Indiens noch mehr als anderswo.
Was das Leben in Mumbai wirklich verändert
„Wenn ich darüber nachdenke, wie ich vor anderthalb Jahren war versus heute – was Gelassenheit, Resilienz und Akzeptanz angeht – ist das ein himmelweiter Unterschied.“ Das ist Jessicas persönliches Fazit nach fast zwei Jahren Mumbai. Das größte Learning formuliert sie so: „Ich kann überall auf der Welt leben und überall Freunde finden. Man gewinnt eine Selbstsicherheit, die man woanders gar nicht gewinnen könnte.“
Was sie niemandem pauschal empfehlen möchte, aber jedem, der ernsthaft überlegt: „Wenn das zur eigenen Persönlichkeitsstruktur passt – unbedingt machen. Und es kann mit einer Reise beginnen. Indien ist ein Land, in dem man schon nach zwei Wochen Abwesenheit zurückkommt und auf einmal eine neue Straße gebaut wurde. Man sieht den Fortschritt. Das ist einzigartig.“
Den Mut, den andere in ihrem Schritt sehen, nimmt Jessica selbst nicht so wahr: „Mir wird das gesagt – von Freunden, von meinem Team. Ich persönlich empfinde mich nicht als mutig. Für mich hat sich das alles sehr natürlich angefühlt.“ Eine Haltung, die vielleicht gerade deshalb so inspirierend ist.
Häufige Fragen: Auswandern nach Mumbai und Leben in Indien
Wie ist das Leben in Mumbai als Deutsche?
Mumbai ist eine Stadt der Extreme – 22 Millionen Einwohner, enormes Tempo, große soziale Ungleichheit. Der Alltag ist komfortabler als viele erwarten: Lebensmittellieferungen innerhalb von 10 bis 20 Minuten, hohe Serviceorientierung, ein reichhaltiges Restaurant- und Kulturangebot. Die größte Herausforderung ist die Kurzfristigkeit und das Loslassen von deutschem Ergebnis-Denken.
Ist Mumbai als Frau sicher?
Jessica Rode berichtet, dass sie sich in Mumbai persönlich sicherer fühlt als in deutschen Städten – abends alleine ausgehen, Handy offen in der Hand tragen. Sie betont ausdrücklich: Das gilt speziell für Mumbai. Andere Regionen Indiens, insbesondere ländliche Gebiete, können sich komplett anders darstellen.
Wie unterscheidet sich das Arbeiten in Indien von Deutschland?
Büros öffnen später (ab 10 Uhr), Kampagnen werden kurzfristiger geplant, die Grenze zwischen Arbeit und Privatleben ist fließender. Die Arbeitskultur ist warm und teamorientiert, aber auch durch Kurzfristigkeit geprägt. Besonders aufgefallen ist Jessica die Hustle-Mentalität: Fast jeder hat mindestens zwei Jobs oder ein eigenes Nebenprojekt.
Wie bereite ich mich auf einen Umzug nach Indien vor?
Jessica empfiehlt: Vor dem Umzug das Land bereisen und ein Kulturtraining in Anspruch nehmen. Den wichtigsten Rat bekam sie von einer Mentorin: Direkt nach Ankunft eine neue Routine etablieren – nicht warten, bis die Möbel da sind. Und: innerlich den Wechsel vollziehen vom ergebnisorientierten zum absichtsorientierten Denken.
Kann man in Mumbai ohne Hindikenntnisse leben?
Ja – im Berufsalltag, beim Ausgehen und in den meisten Alltagssituationen ist Englisch problemlos möglich. Jessica spricht kein Hindi und kommt gut zurecht. Bei Lieferdiensten oder Handwerkern hilft gelegentlich eine Haushaltshilfe („Maid“) beim Übersetzen.
Weitere interessante Interviews
- „Ein Sabbatical, 1.000 Kilometer und eine Weltreise“ – Interview mit Julia Kiefer
- „Von Berlin nach Irland auswandern: Mut und ein neues Leben“ – Interview mit Nicolas Kreutter
- „Glück ist für mich gleichbedeutend mit Freiheit“ – Interview mit Sandra Grosskinsky
Hat dir die Folge gefallen?
Dann abonniere „Mehr Mut zum Glück“, teile diese Episode mit Menschen, die über Auswandern oder einen mutigen Schritt nachdenken – und hinterlasse eine Bewertung. Jede Rezension hilft, dass noch mehr Menschen den Podcast finden.

