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Wer ist Paulina Tsvetanova?
Paulina Tsvetanova ist Berliner Modedesignerin, Autorin, Speakerin und Gründerin des Fashion-Labels Paulinas Friends. Sie wurde in Bulgarien geboren, lernte mit 13 Jahren Deutsch an einem Elitegymnasium und kam mit knapp 18 Jahren nach Deutschland – zunächst nach Freiburg, heute lebt sie in Berlin. Ihr Label, 2016 gegründet, führte sie auf die New York Fashion Week (2022) und die Paris Fashion Week (2022) – beide im selben Monat.
Ihre Kollektionen sind konsequent Unikate: One Size, Unisex, Uniseason – hergestellt aus Stoffen, die sie auf Reisen in über 45 Ländern sammelt. Daneben ist sie Autorin mehrerer Bücher, ehrenamtliche Sterbebegleiterin und arbeitet an ihrer Promotion im Bereich Kunstwissenschaften.

Von Bulgarien nach Freiburg – kein Traumstart
Der Wunsch war Amerika. Was daraus wurde, war ein Zufall:
„Eigentlich wollte ich nach Amerika, wie fast alle, die damals in den 90ern. Meine Familie ist nach Amerika ausgewandert mit der Green Card. Aber dann hat mir und meiner Zwillingsschwester ein Punkt nicht gereicht – für die Bewerbung für dieses Elitegymnasium. Und dann war das die zweite Wahl, und das hat unser Schicksal bestimmt.”
Der Start in Deutschland war alles andere als glamourös. Paulina erkrankte schwer an Magersucht, verlor kurz nach der Ankunft ihre einzige Bekannte aus der Schulklasse durch einen plötzlichen Tod und hatte keine gesicherte Unterkunft. Gleichzeitig durften die Schwestern damals als Nicht-EU-Bürgerinnen nicht mehr als 880 Stunden im Jahr arbeiten:
„Es waren wirklich nur die ganz ehrgeizigen Ausländer, die was geliefert haben. Man musste sich selbst finanzieren und ich habe alles gemacht bis auf Baustelle, glaube ich, bis jetzt.”
Um 4 Uhr morgens standen die Zwillinge mit der Zeitung auf, riefen Stellenanzeigen ab und arbeiteten für die Caritas, in der Gastronomie, im Bügelservice – und schafften es gleichzeitig, sich auf das Studium vorzubereiten.
Shownotes
Studium, Stipendium und Orchideenfächer
Paulina wechselte ihr Studienfach mindestens fünfmal. Italienisch, Französisch, Ethnologie, historische Anthropologie, Kognitionswissenschaft – bis sie schließlich bei Kunstgeschichte, Philosophie und christlicher Archäologie landete. Fächer, die sie selbst „brotlose Orchideenfächer” nennt:
„Es gab ja auch keinen, der uns gesagt hat, studiere lieber Wirtschaft. Keine Beratung. Einfach nur – ich habe auch mindestens fünfmal meine Fachrichtung gewechselt.”
Einmal brach sie das Studium wegen ihrer Erkrankung ab und war kurzzeitig in einer Klinik. Sie entließ sich selbst, heilte sich nach eigener Aussage innerhalb von drei Monaten und brachte den Magister zu Ende – mit einer Abschlussnote von 1,7. Finanziert wurde das Studium zuletzt durch ein Stipendium einer Hamburger Kulturstiftung, die für die Zwillinge eine Ausnahme machte:
„Wir hatten vorher gesagt: Sollte die eine das Stipendium bekommen, teilen wir uns das schwesterlich. Und ja, dann haben die Stiftungen uns die letzten zwei Jahre gefördert.”
Putzjobs, Kunstmessen, fünf Festanstellungen
Nach dem Studium arbeitete Paulina im Kulturmarketing – von Galerien über Kunstmessen bis zu Non-Profit-Organisationen für Skulptur, einer Kunstgießerei und einem Verlag für Kunst und Design. Fest angestellt und freiberuflich, oft beides gleichzeitig.
Der letzte Festanstellungsjob war gut bezahlt – und machte sie todunglücklich:
„Ich habe mich mit einem weißen Blatt Papier hingesetzt und mich gefragt: Wofür bist du eigentlich da, und was liebst du am meisten? Dann kam diese Figur der Iris Apfel – diese ältere amerikanische Stilikone. Sie lebt komplett wie sie ist und mischt das Unvereinbare.”
Das war der Ausgangspunkt für Paulinas Friends.
Paulinas Friends – Vom Concept Store zum Fashion-Label
2016 gründete Paulina Tsvetanova Paulinas Friends zunächst als Concept Store für ungewöhnliche Designobjekte und Vintage-Mode aus Paris und London – eingekauft auf Flohmärkten, wo ihre Zwillingsschwester lebt. Dann kamen die eigenen Stoffprints. Dann die eigenen Zeichnungen. Dann Schneiderei. Dann Bücher:
„Es waren alles skurrile Zufälle und natürlich ganz viele Umbrüche mit den Läden. Es kam immer mehr Richtung eigenes Modeschöpfen – und dann wurde aus dem anfänglichen Concept Store ein Fashion-Label.”
Drei Läden, ein Gerichtsverfahren mit einem Geschäftspartner der die Miete nicht zahlte, mehrere Umzüge, Corona-Lockdowns – und dazwischen sechs Monate Teneriffa, wo sie die Arbeit an ihrer Doktorarbeit begann. Heute hat sie keinen stationären Laden mehr, empfängt ihre Kunden aus aller Welt im Wohnzimmer und arbeitet mit vier Schneiderinnen in Berlin zusammen.
New York, Paris – und das Modell der mitfinanzierenden Kundin
2022 zeigte Paulina ihre Kollektion zweimal auf der New York Fashion Week und einmal auf der Paris Fashion Week – alles im selben Monat. Die Finanzierung lief über ein Modell, das so unkonventionell ist wie die Mode selbst:
„Man muss sich das so vorstellen: Man wird nicht eingeladen, sondern man bewirbt sich – und wenn sie einen nehmen, darf man bezahlen. Ich habe keine reichen Eltern, keinen Mann, der das mitbezahlt. Also muss ich das von meinen Kunden finanzieren.”
Ihre Lösung: Sie verkaufte die Kollektion vor der Show. Alle Unikate waren ausverkauft, bevor sie auf dem Laufsteg zu sehen waren. Inzwischen bietet sie Kundinnen an, selbst Teil der Show zu werden – für einen Kostenbeitrag dürfen sie auf der Bühne laufen. Das Konzept nennt sie selbst „auf großen Bühnen tanzen, um von den kleinen Bühnen bezahlt zu werden”.
Diversität ohne Heuchelei
Das Thema Inklusion treibt Paulina in der Modewelt um – aber nicht so, wie die Branche sie vermarktet:
„Die Diversität ist ein Marketingthema. Im Grunde genommen ist man divers, nur weil man eine dunkle Haut hat. Mit 35 ist man schon Best Ager, mit Kleidergröße 38 schon Plus Size. Was ist eigentlich normal? Das Normale hat komplett gefehlt.”
Ihre Konsequenz: keine Größen, keine Saisonen, kein Geschlecht. Jedes Stück existiert nur einmal. Ein Stoff, eine Geschichte, ein Mensch:
„Jeder Mensch ist ein Unikat. Das ist mein Statement.”
Sterbebegleitung, Friedhof-Fashionshows und Sterblichkeit als Thema
In der Coronazeit absolvierte Paulina eine Ausbildung zur ehrenamtlichen Sterbebegleiterin – eine Entscheidung, die auf den ersten Blick überrascht, aber für sie eine logische Verlängerung ihrer Arbeit ist:
„Was bleibt am Ende des Lebens übrig, außer bunten Stoffen und Geschichten und Erinnerungen von Reisen? Ich wollte mit Menschen sprechen, die zurückblicken – und dann das Leben besser verstehen.”
Sie hatte eine Fashionshow auf einem Friedhof auf Kreta, bedruckte Regenschirme für eine Bestattungsagentur und kaufte gestrickte Stücke aus einem Altersheim auf – die heute als Teil ihrer Kollektionen weiterexistieren:
„Die werden dadurch auch ein bisschen unsterblich, die Leute.”
Speakerin in Nepal, Ägypten und Berlin
Über ihr Unternehmerinnen-Netzwerk – entstanden durch den von ihr organisierten „Zufallssalon” – wurde Paulina zu internationalen Businesskongressen eingeladen: unter anderem zum Entrepreneurship Summit Berlin, nach Ägypten und bis nach Nepal.
„Ich habe sogar Geld dafür bekommen, dass ich vom Scheitern erzählt habe. Es sind Inspirationsvorträge mit biografischen Elementen, Learnings und Kreativitätsformeln – wie man den Zufall systematisiert.”
Paulina Tsvetanova heute – und die Ziele
Nächste Station: Milano Fashion Week, dann Tokio, dann London. Parallel läuft die Promotion, laufen weitere Bücher, laufen Kundinnen aus aller Welt durch ihr Berliner Wohnzimmer. Auf die Frage nach dem Geheimnis hinter ihrem Antrieb antwortet sie mit dem Satz, der zum Titel der Podcast-Folge wurde:
„Was würde ich verpassen, wenn ich mir das entgehen lasse? Aus dieser Angst, etwas zu verpassen, ist dann der Mut zum Leben entstanden.”
Publikationen von Paulina Tsvetanova
Alle Bücher sind im Selbstverlag erschienen:
FAQs zu Paulina Tsvetanova
Wer ist Paulina Tsvetanova?
Paulina Tsvetanova ist Berliner Modedesignerin, Autorin und Gründerin des Fashion-Labels Paulinas Friends. Sie kommt aus Bulgarien, kam mit knapp 18 Jahren nach Deutschland und zeigte ihre Mode 2022 auf der New York Fashion Week und der Paris Fashion Week.
Was ist Paulinas Friends?
Paulinas Friends ist ein Berliner Fashion-Label, das 2016 als Concept Store gegründet wurde und sich zum eigenständigen Modelabel entwickelt hat. Alle Stücke sind Unikate – One Size, Unisex, Uniseason – aus Stoffen, die Paulina auf Reisen weltweit sammelt.
War Paulina Tsvetanova wirklich auf der New York Fashion Week?
Ja. 2022 zeigte sie ihre Kollektion zweimal auf der New York Fashion Week und einmal auf der Paris Fashion Week – alles im selben Monat. Die Finanzierung erfolgte durch Vorverkauf der Kollektion und Teilbeiträge der Investitionsbank Berlin.
Was hat Paulina Tsvetanova studiert?
Sie schloss ihren Magister (Note 1,7) in Kunstgeschichte, Philosophie und Christlicher Archäologie ab. Derzeit promoviert sie.
Wo kann man Paulinas Mode kaufen?
Im Online-Shop unter paulinasfriends.com oder direkt bei Kundinnen-Terminen in Berlin. Paulina nimmt auch auf internationalen Fashion Shows und Kunstmessen teil.
Artikelbild: Matthias Kindler
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Ein Kommentar
Vielen herzlichen Dank für dieses tolle Gespräch und einen kleinen Einblick in Paulinas Welt!
Einfach eine Powerfrau mit einer goldenen Seele!