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Wer ist Christoph Glaser?
Christoph Glaser ist Management-Coach und Achtsamkeitsexperte aus der Schweiz, spezialisiert auf Stressreduktion und Leistungssteigerung durch Atemtechniken. Er gründete das Tilex-Institut, bildet Tilex-Trainer aus und arbeitet seit über 25 Jahren weltweit mit Führungskräften, Sportorganisationen (u.a. Swiss Tennis) und Regierungen zusammen. Er hat mehr als 60 Länder bereist, war Redner beim World Economic Forum und wurde von der Weltbank eingeladen, Regierungsseminare zu gestalten. Sein Buch Atmen erschien im Campus Verlag.
Shownotes
- Mehr über das TLEX Institut erfahren
- Zum Buch “Atmen: Der Schlüssel zur erfolgreichen und gesunden Führung*
- Zum Instagram-Kanal von Christoph Glaser

Was bedeutet Glück?
„Hinter jeder Handlung, hinter allem, was wir tun, steckt der Wunsch, glücklich zu sein. Ob wir uns was kaufen, Sport machen, Menschen treffen, ein Haus kaufen – immer ist der Wunsch dahinter: wenn ich dieses erreicht habe, dann werde ich glücklich sein. Und dann rennen wir den Dingen hinterher.”
Für Christoph Glaser hat Glück wenig mit dem Erreichen von Zielen zu tun – und alles mit Präsenz. Eine Harvard-Studie aus 2011 mit 15.000 Probanden weltweit brachte den Beleg:
„In 47 Prozent der Fälle haben die Leute gesagt, ich mache gerade A, denke aber an B. Und wenn ich mit meinem liebsten Freund bin, mein Geist aber noch bei der Arbeit ist, dann ist die Wahrscheinlichkeit glücklich zu sein geringer, als wenn ich den ungeliebten Abwasch mache – aber wirklich präsent dabei bin.”
Sein Fazit:
„Die Lebensqualität hängt zum großen Teil von dem Zustand des eigenen Geistes ab – und daran zu arbeiten lohnt sich.”
Der zerplatzte Fußballtraum: Wie alles begann
Christoph Glaser wollte Fußballprofi werden – und war auf dem Weg dahin. Mit 17 Jahren, auf dem Spielfeld, verrutschte ein Wirbel. Die Ärzte sagten: Operation oder vergessen. Er operierte nicht, konnte monatelang kaum gehen, hatte mehrere Jahre intensive Schmerzen:
„Der größte Schmerz war eigentlich, diesen Traum loszulassen. Es hat recht lange gedauert. Viel zu lange. Und wo ich dann endlich die Fußballschuhe wirklich an den Nagel gehängt habe – ich habe das wirklich gemacht, einen Nagel in die Wand gehämmert und den Schuh drangehängt – da war ich dem Glück ein großes Stück näher.”
Mit 20, 21 Jahren hatte er täglich noch körperliche Schmerzen. Einem Arzt sagte er damals, er glaube nicht, älter als 30 zu werden. Der Arzt antwortete:
„Wenn du 30 bist und deine Freunde von heute triffst, wirst du einer der Gesündesten sein. Das verspreche ich dir, weil du so viel da reingibst.”
Eine Aussage, die Glaser nie vergaß – nicht wegen der Verheißung, sondern wegen der Erkenntnis dahinter:
„Ich hatte mein Problem verewigt. Ich hatte mir gesagt, ich werde nie wieder glücklich sein, nie wieder schmerzfrei. Und dieser Arzt hat mir gezeigt, die Zukunft wieder neu zu besetzen.”
Der Yogi im Schweizer Dorf: Wie der Atem die Schmerzen löste
Glasers liebste Mitschülerin hatte indische Eltern. Eines Abends erzählte sie ihm beiläufig, dass ein Yogi bei ihr zu Hause übernachten würde – Shri Shri Ravishankar, damals noch unbekannt, heute der bekannteste Yogi Indiens. Ein Seminar folgte. Glaser war skeptisch:
„Als Zappelphilipp habe ich links und rechts geguckt und gedacht, Geld zum Fenster rausgeworfen. Alle haben von großartigen Erfahrungen gesprochen, ich habe gar nichts spektakulär erlebt.”
Dann kam er nach Hause zur Schwester, die zwei kleine Kinder hatte – normalerweise ein Stressszenario. Und plötzlich:
„Die saßen auf meinem Schoß, lächelten mich an und waren die Ruhe selbst. Und in dem Moment habe ich gemerkt: Stimmt, ich fühle mich ganz anders. Zentriert. Ruhig. Ich habe eine innere Qualität erfahren – Zufriedenheit, ich würde sogar sagen Liebe – von der ich gar nicht wusste, dass es sie gibt. Nicht im Außen, sondern als Zustand in mir selbst.”
Er praktizierte jeden Tag – ein halbes Jahr lang. Die Schmerzen verbesserten sich kontinuierlich. Drei Jahre später reiste er nach Indien in das Ashram von Sri Sri Ravishankar – geplant für zwei Wochen. Er blieb ein halbes Jahr.
Von Indien nach Saudi-Arabien: Die Berufung im Seminarraum
Zurück in der Schweiz unterrichtete Glaser zunächst Yoga-Stressmanagement an Sportuniversitäten. Den Moment der echten Berufung erlebte er erst 2002 – in einem Seminarraum der Citigroup in Riad. Mit 30 Jahren, frisch zum Friseur (der ihn fast kahlschor), stand er vor skeptischen Bankmanagern:
„Die ersten Reihen, da hörte ich Kommentare: Was, das ist das Seminar? Was will der uns beibringen? Der ist ja noch so jung. Aber nach ein paar Minuten hatte ich das Gefühl: Genau dafür bist du geboren worden. Ich wusste, wie ich sie ansprechen soll, war ganz bei mir – und wusste, ich bin am richtigen Ort.”
In der ersten Pause kamen dieselben Skeptiker auf ihn zu: „Zeig uns deinen Kalender, wir buchen alle deine Termine. Wir wollen, dass die gesamte Bank das macht.” Sein Kalender war sperrangelweit offen. Alle 300 Mann der Citigroup machten das Seminar. Es folgten: die Weltbank, Regierungsseminare in Madagaskar, das World Economic Forum, Swiss Tennis – über 60 Länder in 25 Jahren.
Warum Atmen keine Wellness-Übung ist: Die Wissenschaft dahinter
Christoph Glaser ist kein Wellness-Coach – und das ist der entscheidende Unterschied. Er arbeitet mit Führungskräften in kompetitiven Settings und erklärt den Atem über Gehirnphysiologie:
„Eine Studie zeigte: Zwei Gruppen schauten Horrorfilme. Eine Gruppe wurde nur daran erinnert, den Atem zu beobachten – keine Technik, nur Beobachtung. Diese Gruppe erlebte subjektiv weniger Stress und Angst. Und man konnte es per MRI objektivieren: Die Amygdala war weniger aktiviert, dafür der präfrontale Kortex mehr. Die konnten klar denken.”
Die Amygdala – ein mandelgroßer Bereich im Gehirn – absorbiert bei Stressreaktionen so viel Energie, dass rationales Denken kaum noch möglich ist. Der Fachbegriff: Amygdala Hijack. Glasers Schlussfolgerung:
„Wir müssen oft gar nicht besser performen, als wir es können. Aber es ist schade, wenn wir unsere normale Leistungsfähigkeit in kritischen Situationen nicht abrufen können.”
Das gilt für Tennisspieler beim Wimbledon-Finale genauso wie für Manager im Jahresgespräch:
„Roger Federer beschreibt, dass der Tennisball plötzlich so groß aussieht wie ein Fußball und man in Zeitlupe alles wahrnimmt. Wenn ich innerlich unruhig bin, wenn mir die Zeit fehlt – dann verkrampfe ich und die einfachsten Schläge funktionieren nicht mehr.”
On and Off the Pitch: Wie Atemtraining wirklich funktioniert
Ein häufiges Missverständnis: Atemtechniken kurz vor einem wichtigen Meeting einsetzen. Glaser ist klar:
„Versuch nicht, Kampfkunst auf dem Schlachtfeld zu lernen, sonst bezahlst du mit dem Leben. Wenn ich sage, ich habe in einer halben Stunde ein wichtiges Meeting und lade mir jetzt kurz die Zwölf-Minuten-Methode runter – das wird nicht funktionieren.”
Die Methode heißt On and Off the Pitch: Off the pitch – also jenseits von Stresssituationen – regelmäßig üben, bis es zur Gewohnheit wird. On the pitch – in kritischen Momenten – dann abrufen, was bereits im System verankert ist.
Wie lange dauert das? Die Wissenschaft:
„Keine Untersuchung würde sagen, dass es weniger als 21 Tage braucht, bis neuronale Verbindungen entstehen. Bei mir ist es heute wie ein Bedürfnis – wie Duschen oder Zähneputzen. Ich würde es vermissen.”
Die Zwölf-Minuten-Methode: Was in diesen Minuten passiert
Die Kernübung aus Glasers Buch und App dauert täglich zwölf Minuten – und das ist keine willkürliche Zahl:
„Unser System liebt Regelmäßigkeit. Wenn wir 10–12 Minuten täglich, fünf Tage die Woche praktizieren, entstehen Effekte, die wissenschaftlich messbar sind – und die nicht nur während der Übung da sind, sondern über den gesamten Tag bleiben.”
Der Ablauf in drei Phasen:
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Erste Übung – Parasympathikus aktivieren: Viel Energie und Sauerstoff aufnehmen, Entspannung einleiten (Prana Yama aus dem Yoga)
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Zweite Übung – Sympathikus aktivieren: In Dynamik kommen, Leistungsbereitschaft aufbauen
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Dritte Phase – Emotionale Balance: Zur Ruhe kommen, innere Zentrierung
„Zeit ist limitiert für uns alle. Energie ist es nicht. Wenn ich zwölf Minuten investiere, um gute Energie zu haben, dann bin ich klar am Arbeitsplatz, genieße das Zusammensein mit Freunden mehr, schlafe besser und bin präsenter – was ja entscheidend ist für das Erleben von Glück.”
Atmen und Schlafen: Der Parasympathikus als Schlüssel
Wer schlechter schläft, findet im Atmen einen direkten Hebel – allerdings nicht durch Willenskraft:
„Schlaf geschieht. Ich kann ihn nicht erzwingen. Das Schlimmste ist, sich zu sagen: Ich muss sofort schlafen. Das funktioniert schon gar nicht.”
Der Mechanismus: Der Vagusnerv spielt die entscheidende Rolle beim Parasympathikus. Wer regelmäßig Atemübungen macht, die den Parasympathikus aktivieren, trainiert das System zur Entspannung:
„Wenn ich regelmäßig den Parasympathikus aktiviere, erinnert sich unser System daran – auch wenn wir uns ins Bett legen.”
Glasers persönliche Erfahrung: Nach seinem Unfall hatte er ein halbes Jahr lang fast keine Nacht vor drei, vier, fünf Uhr morgens geschlafen. Atemübungen waren ein wesentlicher Teil seiner Erholung.
Stress in 60 Ländern: Was überall gleich ist
Glaser hat mehr als 60 Länder bereist und Führungskräfte auf fünf Kontinenten trainiert – von Saudi-Arabien über Jordanien (Wadi Rum) bis Madagaskar. Sein Befund:
„Kulturen unterscheiden sich stark. Aber wenn wir über Stress sprechen, sind gewisse Muster genau gleich. Zu viel zu tun, zu wenig Zeit – das unterscheidet sich nicht.”
Und noch grundsätzlicher:
„Ob Stress entsteht, hängt von meinem Kopfkino ab. Der Geist kann planen – aber auch Sorgen machen. Er kann erinnern – aber auch bereuen. Wenn wir gestresst sind, pendelt der Geist außerhalb unserer Kontrolle zwischen Vergangenheit und Zukunft. Der Atem aber ist immer im gegenwärtigen Augenblick.”
Das Buch: Atmen – der Schlüssel zur erfolgreichen und gesunden Führung
Glasers Buch entstand aus einem Flugzeugmoment: Turbulenz, Angst, und der Gedanke – Ich habe mein Buch nicht geschrieben:
„Ich habe versucht, das Buch zu schreiben, das ich selbst gerne gelesen hätte – wo ich nach mir gesucht habe. Ich habe alles runterzubrechen versucht, was ich als essentiell in der Selbstführung bezeichnen würde.”
Das Buch verbindet persönliche Erfahrungen, Fallbeispiele aus dem Führungskontext und wissenschaftliche Grundlagen zu Neurowissenschaft, Stressforschung und Atemphysiologie.
Wordshuffle: Christoph Glaser in Schlagworten
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Zeit – „Zeitlosigkeit. In mir gibt es einen Raum, da hört die Zeit auf zu ticken – und dort beginnt für mich das wahre Leben, die Liebe.”
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Indien – „Meine zweite Heimat. Unglaubliche Gerüche, Geschmäcke, tolle Kultur. Das Land ist in vielem an uns vorbeigezogen. Immer eine Reise wert.”
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Kritik – „Kritikfähigkeit – etwas, was ich weiter in mir entwickeln möchte. Ich mochte es nie. Und trotzdem ist es so wertvoll. Da arbeite ich an mir dran.”
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Schweiz – „Ein Land, von dem ich lange dachte, ich hätte es hinter mir gelassen. Nur um zu merken: Das ist meine Heimat. Die Schweiz hat mir gezeigt, was Wurzeln sind.”
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Künstliche Intelligenz – „Alles, was mit Kopf zu tun hat, wird ersetzt werden. Die Reise, die jetzt ansteht, ist die Reise zum Herz. Den Mut zu haben, das zu leben – das ist unsere nächste große Aufgabe.”
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Mut – „Es hat mir Mut gekostet, meinem inneren Weg zu folgen. Die Reise nach Indien war entgegen aller Vernunft – ich hatte Flugangst. Aber es war ein inneres Rufen. Und immer wenn ich dem gefolgt bin, hat sich das tausendmal ausbezahlt.”
Zuletzt aktualisiert: April 2026
FAQs: Atemtechniken für Führungskräfte und Alltag
Was ist der Unterschied zwischen Atemübungen und Yoga?
Klassische Yoga-Körperübungen entstanden aus inneren Erfahrungen und wurden später als Technik gelehrt. Glasers Ansatz (Pranayama) arbeitet mit dem Atem als direktem Zugang zum Nervensystem – ohne Yogakenntnisse notwendig. Der Fokus liegt auf der messbaren Wirkung auf Parasympathikus, Sympathikus und Amygdala-Aktivierung.
Wie lange sollte man täglich Atemübungen machen?
Christoph Glasers Empfehlung: täglich 10–12 Minuten, mindestens fünf Tage pro Woche. Darunter sind wissenschaftlich messbare Effekte schwer nachweisbar. Wichtiger als Dauer ist Regelmäßigkeit.
Kann ich Atemübungen kurz vor einem wichtigen Meeting machen?
Das ist zu spät. Atemtechniken müssen off the pitch trainiert werden – also in ruhigen Phasen – damit sie on the pitch, also in Stresssituationen, abrufbar sind. Eine Zwölf-Minuten-Übung zwei Minuten vor dem Pitch wird keinen Effekt haben.
Was hat Atmen mit besserem Schlafen zu tun?
Schlaf kann nicht erzwungen werden – er geschieht. Wer den Parasympathikus durch regelmäßige Atemübungen trainiert, trainiert das System zur Entspannung. Der Körper erinnert sich daran auch beim Einschlafen. Christoph Glaser selbst überwand mit dieser Methode schwere Schlafstörungen nach seinem Sportunfall.
Was ist der Amygdala Hijack?
Die Amygdala ist ein mandelgroßer Bereich im Gehirn, der bei Stress und Angst stark aktiviert wird. Bei einem Amygdala Hijack absorbiert sie so viel Energie, dass rationales Denken nahezu unmöglich ist. Atemübungen reduzieren nachweislich die Amygdala-Aktivierung und stärken gleichzeitig den präfrontalen Kortex – den Bereich für klares Denken.
Wo finde ich die Zwölf-Minuten-Methode von Christoph Glaser?
Im Buch Atmen – der Schlüssel zur erfolgreichen und gesunden Führung (Campus Verlag) sowie in der dazugehörigen App, die das Tilex-Institut entwickelt hat. Weitere Informationen unter tilex.com.
