Dr. Mathias Dieth: Von der Guns N’ Roses-Vorband zur Anwaltskanzlei

Folge: 18

1988 spielt Mathias Dieth als Vorband von Guns N’ Roses vor Tausenden in amerikanischen Stadien. Drei Jahre später ist die Karriere vorbei – Nirvana und der Grunge beenden eine ganze Ära. Was folgt, ist einer der ungewöhnlichsten Lebensläufe der deutschen Rockgeschichte: vom Heavy-Metal-Gitarristen zum promovierten Rechtsanwalt. Wie das ging, erzählt Dr. Mathias „Don” Dieth im Podcast „Mehr Mut zum Glück”.

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Wer ist Mathias Dieth?

Dr. Mathias „Don” Dieth, geboren 1964 in Ulm, ist Rechtsanwalt für Medien-, Urheber- und gewerbliches Schutzrecht bei MRD Rechtsanwälte in Köln – und einer der prägenden deutschen Heavy-Metal-Gitarristen der 1980er-Jahre. Er spielte bei Gravestone, Sinner und U.D.O., tourte 1988 mit Guns N’ Roses und Lita Ford durch die USA und 1989 mit Ozzy Osbourne durch Europa.

Nach dem Ende seiner Musikerkarriere 1991 studierte er Jura an den Universitäten Köln und Hohenheim, bestand 1996 das erste Staatsexamen, wurde 1998 promoviert und ließ sich 1999 als Anwalt nieder. Heute ist er Partner bei MRD Rechtsanwälte in Köln und seit 2019 auch wieder aktiv als Musiker – mit Gravestone, Dirkschneider & The Old Gang (DATOG) und seiner neuen Band Tiffany Kills.

Von Ulm auf die Bühne – Der Start als Rockgitarrist

Mathias Dieth wollte nie etwas anderes als Rockmusiker werden. Nach Abitur und Zivildienst begann er beim Roten Kreuz in Neu-Ulm – und nutzte die Leerlaufzeiten konsequent:

„Während des Zivildienstes konnte ich wunderbar viel Gitarre üben! Meine Aufgabe war es, Rollstuhlfahrer morgens abzuholen und zur Schule zu bringen. In der Zwischenzeit hatte ich nichts zu tun und viel Zeit für die Musik!”

Beim Nachwuchsfestival des Südfunk Stuttgart kam seine Jugendband Gravestone in die Top 10 – die Sendung wurde im Fernsehen ausgestrahlt, ein Plattenvertrag folgte. 1984 erschien das Debütalbum „Victim of Chains”, 1985 „Back to Attack”. Der finanzielle Ertrag war minimal:

„Vom Geld haben wir nicht viel gesehen und wurden über den Tisch gezogen. Aber das hat uns damals nicht interessiert – es war einfach ein geiles Gefühl, professionelle Aufnahmen zu machen.”

Aus dem Umfeld des Zivildienstjahrgangs entstanden übrigens bemerkenswerte Karrieren: Reinhold Bogner, heute Gitarrenverstärker-Hersteller für Weltklasse-Gitarristen, Ulrich Teuffel, einer der angesehensten Boutique-Gitarrenbauer, und Andy Susemihl, der später selbst bei U.D.O. spielte.

Shownotes

Sinner, das Profistudio und die Scorpions

1985 verbrachte Mathias Dieth ein Jahr am Münchner Gitarren-Institut MGI – dem deutschen Pendant zum berühmten G.I.T. in Los Angeles. 1986 wechselte er zu Sinner und nahm erstmals in einem echten Profistudio auf – demselben Studio von Dieter Dierks, in dem auch die Scorpions ihre Platten eingespielt hatten:

„Eine wichtige Erkenntnis war für mich, dass die richtigen Profis, die von der Musik leben, auch nur mit Wasser kochen. Ich dachte mir: Wenn die das können, dann kann ich das auch!”

Parallel hatte er sich auf Druck seiner Eltern für ein Wirtschaftswissenschaften-Studium eingeschrieben – der Vater finanzierte das Appartment, das Studium war der Deal. Doch nach zwei Wochen Uni folgten drei Wochen Tournee. Liebe Kommilitonen retteten ihn durch alle Prüfungen.

Foto Mathias Dieth auf der Bühne
Mathias Dieth Ende der 80er mit U.D.O. (Bild: Jörg Schnebele)

U.D.O. und der Wechsel ins Profilager

1987 kam der entscheidende Anruf: Udo Dirkschneider suchte einen Gitarristen für seine neue Band nach dem Accept-Ausstieg. Mathias Dieth dachte zunächst, es sei ein Scherzanruf:

„Das war natürlich die Chance, auf die ich gewartet hatte! Ich riss meine Zelte inklusive Studium ab und bin ins Rheinland gezogen. Meine Eltern haben sich schwer getan, das zu akzeptieren. Aber mein Vater ist am Ende immer zu den Konzerten gekommen.”

Als Gründungsmitglied von U.D.O. nahm er insgesamt vier Alben auf – und konnte erstmals wirklich von der Musik leben. „Faceless World” (1990) war das kommerziell erfolgreichste, für das er alle Gitarrenparts einspielte.

Auf Tour mit Guns N’ Roses und Ozzy Osbourne

Die absoluten Karrierehöhepunkte: 1988 tourte U.D.O. als Vorband von Guns N’ Roses und Lita Ford durch die USA – kurz nach dem Erscheinen von „Appetite for Destruction”. 1989 folgte eine Europatour als Vorband von Ozzy Osbourne.

„Es klingt immer glamouröser als es tatsächlich war. Davon lebt ja das Showgeschäft – es wird immer das Glitzernde gezeigt und nicht das, was dahintersteckt.”

Guns N’ Roses wurden während der Tour immer populärer – aus einer mehrwöchigen Vorband-Rolle wurde eine Zusammenarbeit über anderthalb Jahre. Udo Dirkschneider war in den USA bekannt:

„Wir haben zusammen in der Hotelbar gejammt und eine gute Zeit gehabt.”

Auf die Frage, wie viel er damals verdient habe, antwortet Dieth nüchtern:

„Wenn man auf dem Niveau von Guns N’ Roses ist, wird man steinreich. Bei uns war das nicht so – aber ich war glücklich, davon leben zu können!”

Nirvana beendet eine Karriere

1991 spielte U.D.O. ihr letztes Konzert unter Mathias Dieth in Finnland. Das Grunge-Fieber hatte die gesamte Rockszene verändert – der Plattenvertrag wurde nicht verlängert:

„Das hat im Prinzip meine Rockmusik-Karriere beendet. Wir haben beim letzten Konzert schon gespürt, dass es zu Ende geht.”

Dieth hatte sich selbst eine Deadline gesetzt:

„Wenn ich es bis 25 nicht schaffe, von der Musik anständig zu leben, mache ich etwas anderes. Da hat die schwäbische Oberhand dann doch gewonnen.”

Nirvana respektiert er bis heute – ohne ihn zu mögen:

„Mir gibt die Musik von Nirvana bis heute wenig, aber ich erkenne an, was sie geleistet haben. Es entsprach dem damaligen Zeitgeist.”

Foto Mathias Dieth heute
Mathias Dieth als Anwalt

Vom Rockmusiker zum Rechtsanwalt – der zweite Anlauf

Jura war keine Verlegenheitswahl, sondern ein bewusster Plan: Als Jurist wollte Dieth in der Musikbranche Fuß fassen – diesmal als Akademiker, nicht als Plattenverkäufer. Im 4. Semester gab es eine freiwillige Vorlesung über Urheberrecht:

„Da waren damals 4 Leute über alle Semester verteilt! Das Thema hat in den 80ern keinen interessiert. Das hat sich durch das Internet dramatisch gewandelt.”

Er arbeitete als Student in einer Kanzlei, merkte: Hier bin ich richtig. Für eine Festanstellung brauchte er einen Doktortitel – also promovierte er 1998 über Urheberrecht.

„Ich habe eine Doktorarbeit als Chance gesehen, mich ganz tief mit einem Thema zu befassen: dem Urheberrecht. Nach all der Zeit mit Musik habe ich das Wissen aufgesogen wie ein Schwamm.”

1999 Anwaltszulassung. Zunächst bei Kanzlei Strunden & Partner, seit 2011 als Partner bei MRD Rechtsanwälte in Köln.

Mathias Dieth heute – Anwalt, Gitarrist, Dozent

Heute ist Mathias Dieth dreifach aktiv: als Rechtsanwalt bei MRD in Köln, als Gitarrist bei Dirkschneider & The Old Gang (DATOG, Alben: „Arising” 2021, „Babylon” 2025) und seiner Band Tiffany Kills. Zudem lehrte er seit dem Wintersemester 2006/2007 als freier Dozent für Medienrecht an der Hochschule Fresenius in Köln.

Daneben spielt er regelmäßig bei Gravestone-Reunions in Süddeutschland – wo die Band 2019 zwei Konzerte mit je rund 1.000 Besuchern füllte:

„Wir waren in den 80ern in Süddeutschland sehr bekannt. Man muss aber ehrlich sagen: Das hätten wir in Köln oder woanders in Deutschland wahrscheinlich nicht geschafft.”

Die neue musikalische Freiheit genießt er bewusst anders als früher:

„Alles kann, nichts muss. Das ist das Schöne, wie es jetzt ist. Das war früher als Berufsmusiker anders – da ging es um alles oder nichts.”

Zur Lage der Musikbranche heute hat er eine klare Meinung:

„Das Unfaire ist die Verteilung: Die, die am meisten gehört werden, verdienen am meisten pro Stream. Das ist eine Art von Kapitalismus, die mir wehtut.”

Foto Mathias Dieth heute
Mathias Dieth heute

Diskografie von Mathias Dieth

Mit Gravestone:

  • 1984: Victim of Chains

  • 1985: Back to Attack

Mit Sinner:

  • 1986: Comin’ Out Fighting

  • 1987: Dangerous Charm

Mit U.D.O.:

  • 1987: Animal House

  • 1989: Mean Machine

  • 1990: Faceless World

  • 1991: Timebomb

Mit APE – All Planet Earth:

  • 1992 Human Greed

Mit Dirkschneider & The Old Gang (DATOG):

  • 2021: Arising

  • 2025: Babylon

Mit Tiffany Kills

  • 2025 World on Fire

FAQs zu Mathias Dieth

Wer ist Mathias Dieth?
Dr. Mathias „Don” Dieth, geboren 1964 in Ulm, ist Rechtsanwalt bei MRD Rechtsanwälte in Köln und ehemaliger Heavy-Metal-Gitarrist. Er spielte in den 1980er-Jahren bei Gravestone, Sinner und U.D.O. und tourte mit Guns N’ Roses und Ozzy Osbourne.

Welche Bands hat Mathias Dieth gespielt?
Mathias Dieth spielte bei Gravestone (1982–1985), Sinner (1986–1987) und U.D.O. (1987–1991). Seit 2019 ist er wieder aktiv – bei Gravestone, Dirkschneider & The Old Gang (DATOG) und der Band Tiffany Kills.

Warum hat Mathias Dieth die Musikkarriere beendet?
Der Erfolg von Nirvana und der Grunge-Bewegung ab 1991 veränderte die Rockmusikszene grundlegend. Der Plattenvertrag von U.D.O. wurde nicht verlängert. Dieth hatte sich selbst eine Deadline gesetzt: Wenn er es bis 25 nicht schafft, von der Musik zu leben, macht er etwas anderes.

Was macht Mathias Dieth heute beruflich?
Mathias Dieth ist seit 1999 Rechtsanwalt und seit 2011 Partner bei MRD Rechtsanwälte in Köln. Sein Schwerpunkt liegt auf Medienrecht, Urheberrecht und gewerblichem Rechtsschutz.

Hat Mathias Dieth wirklich mit Guns N’ Roses gespielt?
Ja. 1988 tourte U.D.O. mit Guns N’ Roses und Lita Ford als Vorband durch die USA – kurz nach dem Erscheinen von „Appetite for Destruction”. 1989 folgte eine Europatour als Vorband von Ozzy Osbourne.

Bilder: Mathias Dieth, Jörg Schnebele

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