Vom Beamten zum Bookfluencer: Tobias Milbrandt über Buchmarketing, Mut und die Superkraft des Lesens

Folge: 65

Neun Jahre lang arbeitete Tobias Milbrandt als Steuerbeamter beim Zoll. Ein sicherer Job, geregeltes Einkommen – und wachsende Unzufriedenheit. Heute ist er einer der bekanntesten Bookfluencer im deutschsprachigen Raum, Podcast-Host, Autor des Buches „Lesen ist deine Superkraft“ und Geschäftsführer der kapado GmbH, die Verlage und Autoren beim Buchmarketing unterstützt. Im Interview bei „Mehr Mut zum Glück“ erzählt er, wie ein einziges Sachbuch alles verändert hat – und warum Lesen für ihn heute die wichtigste Fähigkeit im Leben ist.

Inhalt

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3 Highlights aus dem Gespräch

  • Warum Tobias nach 9 Jahren Beamtenstatus alles hinwarf – und was den finalen Ausschlag gab
  • Wie ein Buch über Finanzen eine komplette Lebensveränderung ausgelöst hat
  • Seine konkreten Tipps, um wieder regelmäßig zu lesen – auch wenn Social Media ständig ablenkt

Wer ist Tobias Milbrandt?

Tobias Milbrandt ist Content Creator, Buchmarketing-Experte und Moderator aus Berlin. Seit 2023 betreibt er den Podcast „Sach Mal“, in dem er Gespräche mit Buchautoren führt, und veranstaltet Lesungen in Berliner Kinos und Bibliotheken. 2024 gründete er zusammen mit Partnern die kapado GmbH, die sich auf das Marketing für Sach- und Ratgebücher spezialisiert. Sein erstes eigenes Buch „Lesen ist deine Superkraft“ erschien 2025 im Redline Verlag und wurde von Medien wie dem BuchMarkt und future!publish besprochen. Auf Instagram ist er unter @tobi.and.books als einer der bekanntesten männlichen Bookfluencer im DACH-Raum aktiv.

Shownotes Tobias Milbrandt

Von der Steuerbehörde zur GmbH: Der Weg in die Selbstständigkeit

Tobias’ Berufsweg begann nicht aus Berufung, sondern aus Pragmatismus. „Motiviert war ich dafür tatsächlich nie“, sagt er heute offen rückblickend auf seinen Ausbildungsstart 2008 – mitten in der Finanzkrise. Er hätte lieber im Veranstaltungsbereich gearbeitet, hatte schon als Jugendlicher Konzerte organisiert und war als DJ aktiv. Doch eine 4 in Englisch auf dem Zeugnis verschloss ihm viele Türen, und so landete er beim Zoll.

Der erste echte Wendepunkt kam mit der Geburt seines ersten Kindes 2019 und einer darauf folgenden 18-monatigen Elternzeit. In dieser Phase – verstärkt durch den Lockdown 2020 – begann er exzessiv zu lesen. „Ich habe teilweise wirklich vier, fünf Bücher die Woche gelesen“, erzählt er im Interview. Sein erstes prägendes Sachbuch: „Souverän investieren mit Indexfonds“ von Gerd Kommer*. Das zweite: „Rich Dad Poor Dad“ von Robert Kiyosaki* – das Buch, das ihm erstmals das Konzept unternehmerischen Denkens näherbrachte.

Parallel dazu brach durch Corona sein DJ-Business ein: „Innerhalb von einer Woche wurden mir 34 Hochzeiten abgesagt.“ Das war der Moment, in dem er begann, ernsthaft umzudenken. Er reduzierte seine Beamtenstunden schrittweise auf zuletzt 24 Stunden pro Woche, baute nebenher seinen Instagram-Kanal auf und testete verschiedene Geschäftsideen im Social-Media-Bereich.

Den finalen Auslöser für den Absprung beschreibt er mit klaren Worten: „Es hieß, ich muss jetzt zweimal die Woche ins Büro. Dann habe ich gesagt, nee. Hat sich alles in mir zusammengezogen.“ Im April 2024 legte er offiziell seinen Beamtenstatus nieder. Noch im selben Jahr gründete er mit zwei Partnern die kapado GmbH.

Was macht kapado – und wie verdient man als Bookfluencer Geld?

Die kapado GmbH unterstützt Verlage und Autoren im Sachbuchbereich bei der Vermarktung ihrer Bücher: von Social-Media-Strategie über das Organisieren von Lesungen und Buchtouren bis hin zu Workshops für Autoren. Tobias arbeitet dabei mit Verlagen zusammen, die – wie er im Interview schildert – oft kaum Marketing-Budget für weniger bekannte Titel haben.

Als Bookfluencer hätte er theoretisch viele Kooperationsmöglichkeiten. Er wählt sie aber bewusst aus: „Es gibt sehr, sehr viele Anfragen. Ich nehme fast gar keine mehr an, weil das Problem ist: Das sind alles Bücher, die würde ich selbst niemals lesen.“ Seine Linie ist klar – er empfiehlt nur, was er selbst für gut hält. Das ist auch sein Rat an andere Creators: Authentizität zahlt sich langfristig aus.

Finanziell läuft ein großer Teil über die GmbH, Workshops und Vorträge zum Thema Social-Media-Marketing und KI. „Geld verdienen mit Lesungen“ ist für ihn dagegen kein Selbstzweck: „Wenn ich den Stundenlohn runterbreche, dann arbeite ich ganz schlimm unter Mindestlohnniveau – aber das ist mir das wert.“

Buchmarketing Tipps vom Experten: Was Autoren heute wirklich brauchen

Tobias kennt die Buchbranche von beiden Seiten: als jemand, der Bücher vermarktet, und als Autor. Sein Fazit ist nüchtern: „Es gibt eigentlich keinen Verlag, wo ich gehört hätte, bei denen läuft das Marketing irgendwie nicht.“ Verlage, die keine A-Autoren mit Millionen-Reichweite vertreten, haben schlicht oft kein Budget für professionelles Buchmarketing.

Was hilft, um ein Buch sichtbar zu machen? Tobias nennt drei zentrale Punkte:

  • Social-Media-Präsenz des Autors aufbauen – am besten schon vor Veröffentlichung. Wer als Autor keine Online-Sichtbarkeit hat, ist auf Zufall angewiesen.
  • Lesungen als Marketingkanal nutzen – persönlicher Kontakt zum Lesepublikum schafft Vertrauen und Mundpropaganda.
  • Authentizität vor Reichweite – Kooperationen mit Influencern, die selbst Fans des Themas sind, bringen mehr als bezahlte Postings bei Accounts ohne Bezug.

Lesen in Zeiten von TikTok und Instagram: Tobias’ konkrete Tipps

Einer der häufigsten Einwände gegen Lesen: „Ich kann mich nicht konzentrieren.“ Tobias kennt das aus eigener Erfahrung und gibt im Interview präzise Antworten darauf.

Smartphone aus dem Sichtfeld räumen

„Wenn ich aufs Buch gucke und sehe irgendwie so im Sichtfeld mein Smartphone, dann stresst mich das total. Es dauert keine zehn Minuten, dann fällt mir irgendein Grund ein, was ich am Smartphone nachgucken würde.“ Sein Trick: Handy hinter den Rücken legen oder in einen anderen Raum.

Das richtige Buch wählen

„Die Schule hat bei vielen das Lesen versaut, weil man immer Dinge lesen musste, die einen überhaupt nicht interessierten.“ Sein Gegenmittel: Ein Buch zu einem Thema lesen, das wirklich interessiert – und gerne zunächst ein kurzes. Erfolgserlebnisse sind wichtig, um die Gewohnheit aufzubauen.

Zwei Seiten statt null

Wer noch kein Lesericht hat, soll klein anfangen: „Bevor ich morgens zum Handy greife auf dem Klo, lege ich mir ein Buch hin und lese zwei Seiten. Die Wahrscheinlichkeit, dass ich mir diese zwei Seiten merke, ist höher als sich abends an sieben Kurzvideos zu erinnern.“

Bücher auch abbrechen dürfen

Einen der wichtigsten Ratschläge fasst Tobias so zusammen: „Ganz, ganz großer Appell: Traut euch, Bücher abzubrechen. Das ist ein riesiger Game Changer.“ Er verweist auf die ‘100-Seiten-minus-Lebensalter’-Regel: Mit 35 Jahren genügen 65 Seiten, um zu entscheiden, ob ein Buch es wert ist.

Hörbuch und Buch parallel nutzen

Ein unbekannter Trick: Das Hörbuch mit 1,5-facher Geschwindigkeit hören, während man mitliest. „Dadurch trainiert man sich, schneller zu lesen – und ich habe gemerkt: Die Sachen, wo man denkt, man merkt sie sich nicht, bleiben trotzdem hängen.“

Was Tobias übers Leben gelernt hat

Für Tobias ist der Absprung aus dem Beamtentum nicht Mut um des Mutes willen – sondern das Ergebnis vieler kleiner Schritte und einer entscheidenden Haltung: „Ich bin nicht jemand, der immer daran denkt, was Schlimmes passieren kann. Ich denke lieber darüber nach, was Wundervolles passieren kann.“

Er räumt ein, dass es ohne familiäre Rückendeckung schwieriger gewesen wäre: „Meine Frau hat mich enorm bestärkt. Ihr Vater ist seit Jahrzehnten Unternehmer – sie wusste, vielleicht sind die ersten zwei, drei Jahre schwierig, aber es geht voran.“ Und einen weiteren Faktor nennt er für seinen mentalen Komfort: „Im schlimmsten Fall fahre ich Pizza aus – mir doch egal. Arbeit gibt es an jeder Ecke.“

Seitdem er die Entscheidung getroffen hat, beschreibt er seinen Alltag so: „Seitdem habe ich fast jeden Tag diesen Urlaubsmodus. Manchmal bin ich traurig, wenn das Wochenende kommt und ich nicht arbeiten kann.“

Häufige Fragen rund um Buchmarketing und Bookfluencer

Kann man als Bookfluencer gut Geld verdienen?

Nur ein Bruchteil der Buchinfluencer verdient damit wirklich seinen Lebensunterhalt. Tobias Milbrandt setzt auf ein Geschäftsmodell mit mehreren Säulen: die kapado GmbH, Workshops, Vorträge und Lesungsveranstaltungen. Kooperationen nimmt er nur an, wenn er vom Buch selbst überzeugt ist.

Welche Bücher hat Tobias Milbrandt empfohlen?

Im Interview nennt er „Souverän investieren mit Indexfonds“ von Gerd Kommer (sein erstes prägendes Buch), „Rich Dad Poor Dad“ von Robert Kiyosaki sowie „Money“ von Tony Robbins als ein Buch, das sein Denken verändert hat. Darüber hinaus liest er hauptsächlich Sachbücher, gelegentlich auch Thriller oder Romane.

Was macht die kapado GmbH?

Die kapado GmbH unterstützt Verlage und Autoren im Sachbuch- und Ratgeberbereich beim Marketing: Social-Media-Strategien, Lesungsorganisation, Buchtouren und digitale Sichtbarkeit. Mehr Infos auf der Website von Tobias Milbrandt (tobiasmilbrandt.de) und der kapado GmbH.

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Kuba, Portugal, Slowenien, Holland, Frankfurt – und jetzt Miami. Tobias Harms ist kein klassischer Auswanderer mit großem Masterplan. Er ist jemand, der seit Jahren konsequent eines tut: seine Komfortzone verlassen, sobald es zu bequem wird. Mit 35 Jahren hat er mit seiner amerikanischen Frau den vielleicht größten Schritt gewagt – raus aus dem sicheren Cybersecurity-Job in Frankfurt, rein ins Leben ohne soziales Netz, ohne Kündigungsschutz, ohne Mieterschutz, dafür mit 27 Grad, Meerblick im 39. Stock und dem Gefühl, endlich dort zu sein, wo das Leben größer ist als der Alltag.
Florian Henle gründete vor elf Jahren mit zwei Freunden einen eigenen Stromanbieter für Ökostrom und -gas. Das Ziel: eine Energiewende mit Sinn und Verstand. Mittlerweile hat sich Polarstern-Energie deutschlandweit etabliert. Mit Florian spreche ich über seine Karriere, die derzeitige Energiekrise in Deutschland, was das für uns Verbraucher bedeutet und warum es so befriedigend ist, etwas tun zu können, um nicht der der Spielball von anderen zu sein.