Ein Sabbatical ist mehr als ein langer Urlaub. Es ist eine bewusste Entscheidung, innezuhalten, sich neu auszurichten und herauszufinden, was wirklich zählt. Immer mehr Menschen in Deutschland wagen diesen Schritt – und kaum einer bereut es. Aber wie fängst du überhaupt an? Was kostet ein Sabbatical wirklich? Und was passiert, wenn du zurückkommst?

Auf dieser Seite lernst du von zwei Frauen, die es getan haben: Nina Kuhlmann, Sabbatical-Motivatorin und ehemalige IKEA-Marketingmanagerin, und Julia Kiefer, die nach einem gescheiterten Sabbatical-Antrag schließlich doch ihren Weg gefunden hat – mit einer sechsmonatigen Weltreise inklusive 1.000 Kilometern Weitwanderung auf dem Pacific Crest Trail in den USA.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für ein Sabbatical?

Den perfekten Zeitpunkt gibt es nicht – aber es gibt unverkennbare Signale. Nina Kuhlmann beschreibt, wie sie an einem lauen Sommerabend in Würzburg einen Fremden traf, der erzählte, dass er das Reisen nicht mehr nachholen könne, seit er eine Familie hat:

„Das hat total was mit mir gemacht. Ich habe gedacht: Warum lerne ich diesen Typen heute kennen? Ist das jetzt das Zeichen dafür, dass ich mich mit meinem Chef mal zusammensetzen sollte?”

Sie setzte sich hin und schrieb eine DIN-A4-Seite mit Gründen, warum sie eine Auszeit brauchte. Nicht als Flucht – sondern als klares Signal an sich selbst, dass die Zeit gekommen war.

Julia Kiefer auf ihrem Sabbatical

Julia Kiefer dagegen kämpfte lange mit einem System, das Sabbaticals zwar auf dem Papier erlaubte, in der Realität aber blockierte. Ihr erster Antrag wurde von einer Vorgesetzten abgelehnt – ohne stichhaltige Begründung. Der Wunsch blieb, auch wenn er Jahre auf Eis lag:

„Dieser Wunsch nach einer längeren Auszeit wurde in der Zwischenzeit natürlich nicht erfüllt.”

Die Lehre aus beiden Geschichten: Warte nicht auf einen perfekten Moment. Warte auf dein eigenes Signal.

Wie du ein Sabbatical bei deinem Arbeitgeber durchsetzt

Der größte Stolperstein ist selten das Geld – sondern der Chef. Nina Kuhlmann wollte sechs Monate, ihr Arbeitgeber bot ihr ein Jahr an – oder nichts. Julia Kiefers erster Chef lehnte einfach ab, ihr zweiter sagte beim ersten Gespräch nur:

„Entweder ich lasse dich gehen, oder du gehst eh ganz.”

Beide Geschichten zeigen das Gleiche: Vorbereitung und der richtige Zeitpunkt entscheiden mehr als Hierarchie oder Betriebsvereinbarungen. Nina Kuhlmann gibt diesen Rat:

„Wirklich nicht einfach nur das Nein zu akzeptieren, sondern zu sagen: Wie kriegen wir das gemeinsam hin? Was hat mein Arbeitgeber für Ziele und wie können wir sie auch mit meiner Abwesenheit erreichen?”

Was beim Gespräch hilft:

Nina Kuhlmann: Die Sabbatical Mutivatorin

Sabbatical finanzieren: So sparst du für die Auszeit

Die häufigste Ausrede lautet: „Ich kann mir das finanziell nicht leisten.” Nina Kuhlmann hat sich ihr erstes Sabbatical über viele Jahre angespart – konsequent, ohne großen Verzicht, aber mit klarer Priorität:

„Mir sind Statussymbole wie ein großes Auto oder teure Markenklamotten nie wichtig gewesen. Ich habe das Geld lieber gespart. Ich war mir ziemlich sicher, dass es fürs Reisen ist.”

Ihre konkreten Spartipps:

  • Sonderzahlungen sofort weglegen – Urlaubs- und Weihnachtsgeld direkt auf ein separates Tagesgeldkonto, nicht aufs Hauptkonto

  • Dauerauftrag zu Monatsbeginn – nicht was am Ende übrig bleibt sparen, sondern vorher festlegen

  • Fixkosten prüfen – Versicherungen, Abos, Streaming: Was davon brauchst du wirklich?

  • Ausgabenbewusstsein stärken – Nina nutzt seit vier Jahren die App Money Manager, um jeden Ausgabeposten zu tracken

„Das Größte, was mich weitergebracht hat: das persönliche Bewusstsein zu verändern, zu gucken, wofür gebe ich eigentlich was aus.”

Julia Kiefer und ihr Partner hatten für ihre sechsmonatige Reise ebenfalls ein klar definiertes Budget gespart. Das Hauptlernfeld war, wofür sie bereit waren Geld auszugeben – und wofür nicht:

„Was brauchen wir tatsächlich, was ist uns wichtig, wofür geben wir nochmal eher Geld aus – und an welcher Stelle sparen wir lieber?”

Wichtig: Sabbatical-Ersparnisse gehören nicht an die Börse, sondern auf ein flexibel verfügbares Tagesgeld- oder Festgeldkonto. Was du in zwei Jahren brauchst, darf keine Kursschwankungen riskieren.

Julia Kiefer bei ihrem Sabbatical

Was ein Sabbatical mit dir macht – und was danach kommt

Beide Frauen berichten von einem ähnlichen Phänomen nach der Rückkehr: Die Welt ist gleich geblieben. Aber du nicht mehr.

Nina Kuhlmann kam nach 13 Monaten zurück zu ihrem alten Job bei IKEA – und fand sich in einem schwarzen Loch wieder:

„Ich bin so richtig schön klassisch in so ein schwarzes tiefes Loch gefallen, war auf Sinnsuche – und habe dann von meinem Chef einmal so richtig schön wachgerüttelt worden.”

Das klingt zunächst beunruhigend. Aber es zeigt etwas Wichtiges: Ein Sabbatical verändert deinen Blick auf das, was du tust und warum du es tust. Das kann kurzfristig unbequem sein – und langfristig befreiend.

Julia Kiefer erlebte nach ihrer Rückkehr aus den USA einen handfesten Kulturschock in Deutschland:

„Ich bin einmal morgens zum Bäcker gegangen: Erst kommt jemand rein und meckert, dass es so stickig warm ist. Danach kommt eine Person, die meckert, wie kalt es draußen ist. Ich stand dazwischen und dachte: Wo bin ich gelandet?”

Was ihr half: Gespräche mit dem Partner, der ähnliches erlebt hatte – und die bewusste Entscheidung, sich Menschen mit positiver Energie zu suchen. Die Erkenntnis aus dieser Rückkehr wurde Teil eines neuen Lebensplans: Das Haus soll verkauft werden, der Lebensmittelpunkt verlagert – weg von Besitz, hin zu Erlebnissen.

Learnings, die für immer bleiben

Beide Frauen ziehen eine ähnliche Bilanz: Nicht das Reiseziel hat sie verändert, sondern der Mut, den Schritt überhaupt zu machen.

Nina Kuhlmann bringt es auf den Punkt:

„Ich bin mir fast sicher, dass es meistens gar nicht so schwer ist. Am Anfang war es für mich auch eine Herausforderung. Aber es hat funktioniert und hat mich sehr weit nach vorne gebracht in der persönlichen Entwicklung.”

Julia Kiefer fasst ihren persönlichen Wandel so zusammen:

„Mut steht oft am Anfang. Ich glaube, es ist eine ziemlich essenzielle Eigenschaft für ein erfülltes Leben. Jede Veränderung, zu der ich Mut aufbringen musste, hat mich auf einen Weg geführt, der mich weitergebracht hat.”

Bereit für dein Sabbatical?

Wenn dich diese Geschichten inspiriert haben, höre dir die spannenden Interviews an: